Anatol Stefanowitsch / 11. Oktober 2009
Wie so oft war die Aktion Lebendiges Deutsch im vergangenen Monat wieder absolut vorhersagbar. Gesucht waren Alternativen für das Drive-In-Kino und den Drive-In-Schnellimbiss. Ich hatte das zugegebenerweise offen herumliegende Wort Autokino und auf Nachfrage auch das weniger offensichtliche Autoimbiss vorgeschlagen und die Aktioneure müssen eingesehen haben, dass diese Vorschläge nicht zu toppen sind:
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Anatol Stefanowitsch / 18. September 2009
In meinem Beitrag zur versandenden Sprache zitiere ich einen hypothetischen Satz, den Abendblatt-Chefredakteur Matthias Iken als Beispiel für die Überfrachtung der deutschen Sprache mit Anglizismen verwendet:
Wer heute beispielsweise durch das Internet surft, per Flatrate Software downloadet, seine E-Mails checkt, in Datingclubs mit Singles chattet, Hits in die Charts votet oder clever shoppt - er tut dies muttersprachbefreit.
Ich bezeichne diesen Satz dort als einen „durch und durch … deutsche[n] Satz … von der Wortstellung über die Flexionsendungen der Lehnwörter bin hin zu deren Bedeutung“.
In einem Kommentar zu dem Beitrag weist mich mein Hamburger Kollege (und ehemaliger Professor) Wolfgang Börner sanft aber bestimmt zurecht:
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Anatol Stefanowitsch / 14. September 2009
Seit ein paar Tagen geistert eine Pressemeldung der Ärztekammer für Wien durch die deutschsprachige Presselandschaft, in der eindringlich davor gewarnt wird, Kindern die Nutzung von Mobiltelefonen zu erlauben.
Zunächst geht es der Kammer um Strahlenbelastung:
Rechtzeitig zu Schulbeginn mahnt die Wiener Ärztekammer einen verantwortungsvollen Gebrauch von Handys insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein. Noch immer werde die Gefahr der Handystrahlung in Österreich nicht wirklich ernst genommen. Gerade bei Kindern aber müsse man auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung im Umgang mit Mobilfunk achten und dürfe die Risiken der Handy-Nutzung nicht unterschätzen… [Pressemeldung der Ärztekammer für Wien vom vom 6. September 2009]
Dass eine Ärztekammer vor Strahlenschäden warnt, leuchtet ein — zumindest, wenn von Handys tatsächlich eine entsprechende Gefahr ausgehen sollte. Aber der nächste Absatz ließ mich bei der Lektüre stutzen:
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Anatol Stefanowitsch / 12. September 2009
Ab und zu schafft es ein Sprachnörgler, so ausführlich und uninformiert danebenzugreifen, dass ich mich bei allen guten Vorsätzen nicht daran hindern kann, ausführlich darauf zu antworten. Sprachblogleser Dierk weist in einem Kommentar auf eine Glosse des stellvertretenden Chefredakteurs des Hamburger Abendblatts, Matthias Iken, hin, für die das gilt.
Iken fängt eigentlich sehr schön an:
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Anatol Stefanowitsch / 12. September 2009
Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, käut in einer Videobotschaft zur Eröffnung des Festspiels der Deutschen Sprache in Bad Lauchstädt die Greatest Hits des Verein Deutsche Sprache wieder.
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Anatol Stefanowitsch / 25. Juni 2009
Letzte Woche wies mich Sprachblogleser „Jim“ per E-Mail auf einen Beitrag im Blog der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Hoenig hin, in dem sich der Autor über die Logik des Wortes empfindlich Gedanken macht. Ich zitiere den Beitrag hier in ganzer Länge (da der Autor des Zitats Rechtsanwalt ist, weise ich vorsorglich darauf hin, dass ich mich zur Rechtfertigung dieses Vollzitates auf §51 des Urhebergesetzes, insbesondere auf Satz 2, Nr. 1 berufe):
Aus einem Haftbefehl:
Der Beschuldigte hat im Falle seiner Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann.
Das ist Quatsch. Sprachlich jedenfalls. Denn nicht die Freiheitsstrafe ist empfindlich, sondern allenfalls der Beschuldigte.
Jim stellt dazu folgende Überlegungen an:
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Anatol Stefanowitsch / 13. Juni 2009
Jetzt habe ich schon wieder übersehen, dass die Aktion Lebendiges Deutsch ihre allmonatlichen Wortschöpfungen bekannt gegeben hat:
Kampf dem Hohnlohn! Den „Dumping-Preis“ könnten wir „Kampfpreis“ nennen - den „Dumping-Lohn“ aber (frech, doch treffend) „Hohnlohn“ : Dies schlägt die Aktion „Lebendiges Deutsch“ vor, die seit mehr als drei Jahren Vorschläge für deutsche Wörter sammelt, mit denen die törichten und schwerverständlichen unter den Anglizismen sich ersetzen ließen.
Ja, was sind sie frech und treffend, die vier alten Herren von der Aktion Lebendiges Deutsch. Schade nur, dass sie dabei wieder einmal das übersehen, was ein Wort ausmacht: seine Bedeutungsschattierungen, seine Verwendungszusammenhänge, seine Beziehungen zu anderen Wörtern in der Sprache (und in anderen Sprachen) und seine lautliche Form.
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Anatol Stefanowitsch / 24. Mai 2009
Ich bin nicht sicher, ob dieser Beitrag in der Chip Online feine Satire oder bloße Gedankenlosigkeit ist:
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Anatol Stefanowitsch / 30. April 2009
Wer dachte, nur die langweiligen alten Männer vom VDS würden sich über neumodische Anglizismen aufregen, hat sich getäuscht: auch die langweiligen alten Männer von der Britischen „Plain English Campaign“ regen sich über Wörter auf, die sie nicht verstehen. Und die langweiligen alten Männer von der BBC schreiben einen verwirrten Artikel darüber:
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Anatol Stefanowitsch / 17. April 2009
Sprachblogleser/innen der ersten Stunde erinnern sich vielleicht, dass ich der „Aktion Lebendiges Deutsch“ gegenüber anfänglich eigentlich positiv eingestellt war. Es ist nichts dagegen einzuwenden, sich Lehnwörter daraufhin anzusehen, ob es im Deutschen nicht bereits eine konventionelle Alternative gibt oder ob man nicht mit Hilfe produktiver Wortbildungsmechanismen eine Alternative aus dem bestehenden Wortschatz zusammenbauen könnte. Ob die sich dann durchsetzt oder ob die Sprachgemeinschaft aus welchen Gründen auch immer — und es gibt oft gute Gründe — beim Lehnwort bleibt, kann man dann getrost dem evolutionären Prozess überlassen, durch den eine Sprache sich ständig verändert und neuen Gegebenheiten anpasst.
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