No Headlines

Die Aktion Lebendiges Deutsch hat natürlich auch im letzten Monat wieder zwei Neubewortungsvorschläge vorgelegt. Zunächst war ein deutscher Begriff für das Spotlight gesucht, und die Aktioneure haben eine wenig überraschende Wahl getroffen:

Beim Suchwort „Spotlight“ hat sich die Jury für „Punktlicht“ entschieden - genau dasselbe in der selben Kürze.

Wenig überraschend, weil dies die deutsche Übersetzung für spotlight ist, die sich in jedem deutsch-englischen Wörterbuch findet. Auch der WAHRIG betrachtet beide Begriffe als Synonyme, wie die Einträge für Spotlight und Punktlicht zeigen:
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Neblige Wirtschaftssprache

Gestern lief im SWR 2 eine recht interessante Sendung zum Thema „Wirtschaftssprache“, die man hier nachhören kann.

Der Moderator Eberhard Reuß diskutiert mit Dagmar Deckstein (SZ-Wirstschaftsredakteurin), Ludwig Eichinger (Direktor des Instituts für Deutsche Sprache) und Günter Gaugler (SAP-Pressesprecher) und versucht mit aller Macht, seine Vorurteile ins Gespräch zu bringen: Wirtschaftssprache ist floskelhaft und inhaltsleer, die Manager wollen damit unser Verständnis vernebeln ohne sich auf irgendetwas festzulegen und Englisch dient dazu, alles noch weniger Verständlich zu machen.
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Fragliche Unterwürfigkeit

Ein Mem geht um unter den Sprachnörglern — das Mem der linguistic submissiveness („sprachliche Unterwürfigkeit“). Mit diesem Begriff, behaupten die Anglizismenjäger und Deutschbewahrer häufig, bezeichnet die in London erscheinende Times die Entlehnung englischer Wörter ins Deutsche. Ein paar Zitate:
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Sprachliche Unterwürfigkeit

Das Sprachblog ist nicht etwa schon wieder eingeschlafen, ich war in den letzten Wochen nur damit beschäftigt, die Vorbereitungen für die Vierte Internationale Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Kognitive Linguistik auf den Weg zu bringen, die im Oktober 2010 an der Universität Bremen stattfinden wird.

Und kaum ist man mal ein paar Tage beschäftigt, schon treibt der VDS ungestraft Unfug. In einem „offenen Brief“ hat sich dessen Vorsitzender, der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer, an den „neugewählten“ Rektor der Universität Siegen gewandt (der tatsächlich bereits seit Mai dieses Jahres im Amt ist). Der will nämlich angeblich den Fakultäten seiner Universität englische Namen verpassen:
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Drive-By-Nörgelei

Wie so oft war die Aktion Lebendiges Deutsch im vergangenen Monat wieder absolut vorhersagbar. Gesucht waren Alternativen für das Drive-In-Kino und den Drive-In-Schnellimbiss. Ich hatte das zugegebenerweise offen herumliegende Wort Autokino und auf Nachfrage auch das weniger offensichtliche Autoimbiss vorgeschlagen und die Aktioneure müssen eingesehen haben, dass diese Vorschläge nicht zu toppen sind:
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Die Filosofie der Ih-Mehl

In meinem Beitrag zur versandenden Sprache zitiere ich einen hypothetischen Satz, den Abendblatt-Chefredakteur Matthias Iken als Beispiel für die Überfrachtung der deutschen Sprache mit Anglizismen verwendet:

Wer heute beispielsweise durch das Internet surft, per Flatrate Software downloadet, seine E-Mails checkt, in Datingclubs mit Singles chattet, Hits in die Charts votet oder clever shoppt - er tut dies muttersprachbefreit.

Ich bezeichne diesen Satz dort als einen „durch und durch … deutsche[n] Satz … von der Wortstellung über die Flexionsendungen der Lehnwörter bin hin zu deren Bedeutung“.

In einem Kommentar zu dem Beitrag weist mich mein Hamburger Kollege (und ehemaliger Professor) Wolfgang Börner sanft aber bestimmt zurecht:
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Verstrahlte SMS-Kürzel

Seit ein paar Tagen geistert eine Pressemeldung der Ärztekammer für Wien durch die deutschsprachige Presselandschaft, in der eindringlich davor gewarnt wird, Kindern die Nutzung von Mobiltelefonen zu erlauben.

Zunächst geht es der Kammer um Strahlenbelastung:

Rechtzeitig zu Schulbeginn mahnt die Wiener Ärztekammer einen verantwortungsvollen Gebrauch von Handys insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein. Noch immer werde die Gefahr der Handystrahlung in Österreich nicht wirklich ernst genommen. Gerade bei Kindern aber müsse man auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung im Umgang mit Mobilfunk achten und dürfe die Risiken der Handy-Nutzung nicht unterschätzen… [Pressemeldung der Ärztekammer für Wien vom vom 6. September 2009]

Dass eine Ärztekammer vor Strahlenschäden warnt, leuchtet ein — zumindest, wenn von Handys tatsächlich eine entsprechende Gefahr ausgehen sollte. Aber der nächste Absatz ließ mich bei der Lektüre stutzen:
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Versandende Sprache

Ab und zu schafft es ein Sprachnörgler, so ausführlich und uninformiert danebenzugreifen, dass ich mich bei allen guten Vorsätzen nicht daran hindern kann, ausführlich darauf zu antworten. Sprachblogleser Dierk weist in einem Kommentar auf eine Glosse des stellvertretenden Chefredakteurs des Hamburger Abendblatts, Matthias Iken, hin, für die das gilt.

Iken fängt eigentlich sehr schön an:
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Rückbesinnung auf die Muttersprache

Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, käut in einer Videobotschaft zur Eröffnung des Festspiels der Deutschen Sprache in Bad Lauchstädt die Greatest Hits des Verein Deutsche Sprache wieder.
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Sprachliche Empfindlichkeiten

Letzte Woche wies mich Sprachblogleser „Jim“ per E-Mail auf einen Beitrag im Blog der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Hoenig hin, in dem sich der Autor über die Logik des Wortes empfindlich Gedanken macht. Ich zitiere den Beitrag hier in ganzer Länge (da der Autor des Zitats Rechtsanwalt ist, weise ich vorsorglich darauf hin, dass ich mich zur Rechtfertigung dieses Vollzitates auf §51 des Urhebergesetzes, insbesondere auf Satz 2, Nr. 1 berufe):

Aus einem Haftbefehl:

Der Beschuldigte hat im Falle seiner Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Das ist Quatsch. Sprachlich jedenfalls. Denn nicht die Freiheitsstrafe ist empfindlich, sondern allenfalls der Beschuldigte.

Jim stellt dazu folgende Überlegungen an:
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