Open-Access-Petition

Nur ein kurzer Hinweis zwischendurch auf die Open-Access-Petition, die Lars Fischer beim deutschen Bundestag eingebracht hat. Er nennt die Hintergründe der Petition hier, und man kann sie hier elektronisch unterzeichnen.

Ich habe ja vor einiger Zeit hier ein paar Gedanken zum Open Access geäußert, außerdem habe ich einen Kommentar zu Lars Fischers Petition bei diesem konstruktiv-kritischen Blogbeitrag von Gehirn-und-Geist-Chefredakteur Carsten Könneker hinterlassen.

13 Kommentare zu „Open-Access-Petition“

  1. Gut, dass Sie darauf aufmerksam machen. Ich will gar nicht dran denken, wieviel Zeit und teilweise Geld ich während meines Studiums hätte sparen können, wenn Open Access schon die Norm wäre. Gerade angesichts der verarmten Uni-Bibliotheken…

    Und jetzt da mein Studium vorbei ist, habe ich auch keinen Zugriff mehr auf Campus-Lizenzen für diverse Zeitschriften, ebenso nicht auf die Bibliotheken. Es sei denn, ich bin fies und nehme Studenten die Bücher und PC-Plätze weg.

  2. Den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen versperrt heutzutage vor allem die Sprache. Wollte ich mich als interessierter Laie zum Beispiel mal näher über die allgemeine Sprachwissenschaften - Ruhig bleiben, es ist ja nur eine Annahme! - informieren, müsste ich heutzutage über Englischkenntnisse verfügen, die weit über meine Schulenglischkenntnisse hinausgingen.

    So ein Ausschlussverfahren nenne ich nicht nur eine ungeheure elitäre Anmaßung, sondern auch eine wissentliche Vorenthaltung von Informationen, sprich Zensur!
    Dafür muss man noch nicht einmal kein Geld haben.

  3. Sie haben Recht, mehr wissenschaftliche Literatur in den jeweiligen Landessprachen anzubieten wäre hilfreich, aber das ist kein Problem der Wissenschaft, sondern liegt schlicht am fehlenden Markt für solche Übersetzungen. Forschungsergebnisse werden idealerweise auf Englisch veröffentlicht, damit sie möglichst vielen Kollegen möglichst schnell zugängig werden. Das ist in den allermeisten Fällen wichtiger als die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Und dann noch zu übersetzen kostet Zeit oder Geld und bringt angesichts des geringen Interesses wenig ein. Die Daten etwa in einem Blog aufzubereiten ist sinnvoller.

    Und zu Ihrer Ausrede mit den Schulenglischkenntnissen: Was denken Sie denn, woher die Englischkenntnisse der Wissenschaftler stammen? Man liest sich auch mit eher schlechtem Englisch sehr schnell in ein bestimmtes Themengebiet ein, zudem ist Englisch keine allzu schwer zu erlernende Sprache, gerade für einen Deutschen. Meistens ist es nach meiner Erfahrung irgendwas zwischen Angst und Bequemlichkeit, das Menschen zu der Annahme treibt, sie könnten englische Texte per se nicht verstehen. Unterschätzen Sie sich nicht.

  4. Das war wohl die schnellste Themenverschiebung, die ich je gesehen habe. Noch dazu bei einem ohnehin strittigen Thema [ich kann nichts dafür, es gibt aber nun einmal Wegsperrer].

    Wissenschaft fand immer schon mit Hilfe einer Lingua franca statt, früher Latein mit altgriechischen Einsprengseln, heute Englisch, u.a. weil es die meistverstandene Sprache der Welt ist. Klar, es könnte auch jeder in seiner eigenen Sprache veröffentlichen, das würde schlicht kaum noch einer lesen. Und ich möchte nicht wissen, wie groß der Aufschrei ist, wenn wichtige Untersuchungen bsplw. in der Paläontologie nur auf Chinesisch vorliegen. Ganz abgesehen von irgendwelchen Dialekten kleiner Sprachgruppen, die in drei Tälern Tentralasiens gesprochen werden.

    Dabei liegt das Hauptproblem der Textverständnis nicht einmal an der gewählten Grundsprache, sondern an Fachtermini, Fachidiomen, vorausgesetzten Konzepten oder auch an der nicht-intuitiven Thematik. So mancher akademische Text, sagen wir, von Derrida, Foucault oder - um eine deutsche Anmutung einzubringen - Heidegger bleibt auch für gebildete Muttersprachler völlig unverständlich.

    Zurück zum Thema: Wer die Wissensgesellschaft postuliert, auf die Wichtigkeit des Wissens für die Zukunft verweist, kann nicht gleichzeitig massive Schranken durch Nutzungs- und Vertriebsrechte aufbauen, die ‘den Plebs’ vom Wissen fernhalten. Die gegenwärtige Situation, in der Steuerzahler Forschungen bezahlen und dann für die Ergebnisse noch einmal blechen sollen, ist gesellschaftlich schädlich. Ändert sich da nichts, wird es letztendlich auch der Wissenschaft schaden.

  5. Für Thomas Müller und Dierk:
    Vor noch nicht allzu langer Zeit (Meine Studienzeit waren die 80er Jahre) war es üblich, dass Forscher, nicht nur deutsche, in der Landessprache veröffentlichten. Wenn die Ergebnisse von entsprechender Bedeutung waren, wurden diese in andere Sprachen übersetzt. Das ist heute in Deutschland allem Anschein nach völlig anders, man veröffentlicht sofort (und nur?) auf Englisch. Man kann nur hoffen, dass man sich dabei wenigstens professioneller Hilfe bedient, die Englischkenntnisse der meisten deutschen Wissenschaftler dürften in der Mehrheit in etwa auf meinem bescheidenen Niveau liegen. Und diese professionelle Hilfe bekommt man auch nicht umsonst. Übrigens auch nicht den Erwerb einer Fremdsprache. Im Gegenteil, das Lernen einer für bestimmte Fächer eigentlich überflüssigen Fremdsprache, nehmen wir mal als Paradebeispiel die Germanistik, hält doch nur auf! Oder, was will man in der Altphilologie mit Englisch?
    Die Frage ist doch auch, ist das jeweilige Forschungsergebnis von Nichtgenies, die soll es ja geben, für die übrige Welt so wichtig, dass man es sogleich hinausschreien muss? Werden bahnbrechende Erkenntnisse nicht auch dann bekannt und setzen sich dennoch durch, wenn sie in einer beliebig anderen Sprache als Englisch publiziert werden? Welche Fächer brauchen eigentlich dieses Tempo in der internationalen Veröffentlichung? Die Allgemeine Sprachwissenschaft vermutlich doch eher nicht? In diesem und in ähnlichen Gebieten geht es doch eher um die internationale Veröffentlichung an sich, also um das eigene Renommee. Wer schreibt, der bleibt. Die Entdeckung eines sehr wirksamen Impfstoffes sollte möglichst schnell bekannt gegeben werden, aber doch nicht die Formulierung einer neuen Sprachtheorie!

    Wenn wir schon von Geld sprechen: Ist es nicht eher eine ungeheuerliche Geldverschwendung und ein Missbrauch von öffentlichen Mitteln, dass wir unseren Wissenschaftlern erlauben, ausschließlich und ganz nach Belieben auf Englisch zu publizieren? Die Geldfrage stellt sich doch eher umgekehrt. Man wird als Wissenschaftler dafür bezahlt, dass man der Allgemeinheit, und zwar zunächst der im eigenen Lande, Erkenntnisse liefert. Sind die von weltweitem Interesse, finden sich auch Verlage, die diese vermarkten. Falls nicht, darf man gern mit Steuergeldern nachhelfen.
    Weshalb aber muss ich, zum Teufel, eine Fremdsprache beherrschen, um was von, sagen wir mal, Stefanowitsch zu lesen?

  6. An Anatol Stfanowitsch:
    Habe Ihre wohlgesetzten Worte zur Eingabe gelesen. Alle Achtung, jetzt aber ‘ran an die Umsetzung!

  7. @Klausi,
    nur zur Klarstellung; gerade den Sprachwissenschaftlern rennt die Zeit davon. Von den etwa 7000 Sprachen, die heute noch gesprochen werden, werden etwa 50% in 50 Jahren verschwunden sein. Jeder Monat, den ein Beitrag auf das Peer Review-Verfahren eines Verlages warten muss, bedeutet dabei ein erhebliches Risiko, die eigene Forschungsgrundlage zu verlieren.

    Darüber hinaus: Vielleicht geht es bei der Forderung weniger um den Zugang für den gemeien Bürger sondern für den der Wissenschaftler und die, die es werden wollen, selbst. Wie oft ging ich schon vergeblich in die UB um ein Buch zu lesen, was bereits verliehen war. Wenn ich es dann noch für ein Seminar brauchte, musste ich es mir für viel Geld kaufen. Oder gehen wir von dem Fall aus, als ich für eine Hausarbeit unbedingt eine Diss von jemanden brauchte, diese aber nur in drei Bibliotheken in Deutschland überhaupt verfügbar war, weil darin ein sehr spezielles Thema behandelt wurde. Darüber hinaus geht es auch ums Prinzip. Wenn jemand interessiertes tatsächlich das Interesse und den Sachverstand mitbringt, aber nicht mit einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut assoziiert ist, ist er erstmal aufgeschmissen, ohne metertief in die Tasche zu greifen, an die Lektüre zu gelangen. Vier Gründe, warum ich die Forderung zum Zwang nach oa unterstütze.

  8. An Patrick Schulz,
    ich kenne das Problem aus der eigenen Studienzeit, vermutlich hat es sich sogar noch verschärft. Ich habe mir viel Literatur zulegen müssen, konnte allerding neben dem Studium auch noch arbeiten, und so fehlte es nicht an Geld.
    Durch die heutige Verschulung der Studiengänge zum Bachelor und Master ist es nicht nur mit der schönen Studentenzeit vorbei, sondern auch mit dem nebenher Arbeiten.

  9. Klausi, ich weiß ja nicht wo Sie was studiert haben, ich selbst habe zwischen 1986 und 1992 in Lachstadt u.a. Anglistik studiert. Das Studienfach färbt selbstverständlich die eigenen Ansichten - wer ohnehin Primärliteratur auf Englisch lesen muss, wer dann auch noch den größten Teil der Sekundärliteratur in englischer Sprache findet, wer dann auch noch auf Englisch parlieren muss, der wird weniger Berührungsängste haben als der gute alte Germanist einige Stockwerke drüber.

    Inwieweit Altphilologen, Germanisten mit Fachgebiet Mittel- oder Althochdeutsch, Mitglieder des Faches Niederdeutsch oder Historiker zum Thema Papsttum im Hochmittelalter auf Englisch publizieren sollten/müssten/könnten, kann ich nicht wirklich beurteilen. Meine Vermutung ist: eher nicht. In vielen anderen Fächern führt aber kaum ein Weg daran vorbei, will man in der Fachwelt etwas werden. Es dürfte nachgerade unmöglich sein, Soziologie, Ökonomie, Physik oder Biologie - um nur eine ganz kleine Auswahl zu nennen - ohne Englischkenntnisse zu studieren oder auszuüben.

    Die Idee, professionellen Übersetzern hier eine Marktlücke [wieder] zu öffnen, ist schön, aber Traumtänzerei. Möglicherweise konnten/können Sie sich individuelle Aufträge leisten, ich konnte das nicht. Und Universitäten sowie Forschungsinstitute können das auch nicht - teilweise einfach aus Zeitgründen.

    Ich finde allerdings auch die Serviereinstellung, die hinter Ihrer Kritik steckt, nicht überzeugend. Es geht bei der Petition explizit um die Forschungsergebnisse und Studien, die ohnehin schon vom Steuerzahler bezahlt wurden, auf die er also ein gewisses Anrecht hat. So wie er - im Augenblick zumindest noch - ein Anrecht auf ein halbwegs passables Straßennetz hat. Das bedeutet aber nicht, dass derjenige, der dies auch nutzen möchte, nun überhaupt keine Anstrengung mehr unternhemen muss. Führerschein und Auto fallen mir auch nicht in den Schoß.

    Ich beharre übrigens darauf, dass Schulenglisch ausreicht, wissenschaftliche Werke zu lesen und zu verstehen - nicht die Grundsprache stehen dem Verständnis entgegen, sondern möglicherweise fehlende Stoffgrundlagen, Methodenkenntnisse, Jargon [unterscheidet sich üblicherweise nur durch einzelene Buchstaben in D und E].

  10. An Dierk:
    Man trauert eben den guten alten Zeiten nach.
    Ich habe beruflich nichts mit Fremdsprachen zu tun, ich brauche sie praktisch nicht. Mein englischer Vokabelschatz ginge gegen Null, wenn ich nicht andauernd und von allen Seiten mit Anglizismen zugeschüttet werden würde. Meine Lateinkenntnisse sind völlig verschütt gegangen, ich könnte noch nicht einmal mehr einen einfachen Text übersetzen.
    Dennoch möchte ich gerne weiterhin an bestimmten Diskussion teilnehmen können, indem ich mich in andere Sachgebiete einlese. Das wenigste dabei sind Fachbegriffe, die schlägt man schnell mal nach, aber eine komplette Arbeit auf Englisch zu lesen, wäre für mich ein sehr mühsames Unterfangen.

  11. @klausi
    also arbeiten tu ich neben dem Studium auch, ich habe sogar das Glück in meinem Fachbereich arbeiten zu dürfen. Aber gerade dadurch hab ich noch weniger Zeit, in die Bibo zu fahren und dort stundenlang nach Literatur zu suchen, die ich in Sekundenschnelle auch im Internet finden könnte, würde sich der oa-Gedanke durchsetzen.

  12. Und ich möchte nicht wissen, wie groß der Aufschrei ist, wenn wichtige Untersuchungen bsplw. in der Paläontologie nur auf Chinesisch vorliegen.

    Das kommt durchaus vor (oft werden z. B. neue Dinosaurier zuerst nur auf chinesisch, oder auf chinesisch mit kurzer englischer Zusammenfassung, beschrieben). In solchen Fällen wartet man entweder, bis jemand aus Gutmenschentum eine Übersetzung anfertigt und gratis ins Internet stellt, siehe Polyglot Paleontologist; oder man wartet, bis eine detailliertere, genauere Beschreibung herauskommt (die ist dann auf englisch); oder man hat halt Pech, und die Autoren haben auch Pech, weil ihr Artikel nicht zitiert wird.

    Vor noch nicht allzu langer Zeit (Meine Studienzeit waren die 80er Jahre) war es üblich, dass Forscher, nicht nur deutsche, in der Landessprache veröffentlichten. Wenn die Ergebnisse von entsprechender Bedeutung waren, wurden diese in andere Sprachen übersetzt.

    Von welcher Disziplin reden Sie? Da soll es große Unterschiede geben.

    die Englischkenntnisse der meisten deutschen Wissenschaftler dürften in der Mehrheit in etwa auf meinem bescheidenen Niveau liegen

    Aber doch nicht im Ernst.

    Die Frage ist doch auch, ist das jeweilige Forschungsergebnis von Nichtgenies, die soll es ja geben, für die übrige Welt so wichtig, dass man es sogleich hinausschreien muss?

    Wie entscheidet man, an welches Nichtgenie man seinen Professorenposten vergibt? Wie misst man den Wert eines Wissenschaftlers?

    Danach, wie oft seine Artikel zitiert werden, im Wesentlichen.

    Viele chinesische und russische Wissenschaftler veröffentlichen heutzutage auf englisch (und sprechen es auch gut). Sogar die Franzosen sind großteils soweit. ;-)

    Ist es nicht eher eine ungeheuerliche Geldverschwendung und ein Missbrauch von öffentlichen Mitteln, dass wir unseren Wissenschaftlern erlauben, ausschließlich und ganz nach Belieben auf Englisch zu publizieren?

    “Erlauben” und “Belieben” kommen da gar nicht vor.

    Man wird als Wissenschaftler dafür bezahlt, dass man der Allgemeinheit […] Erkenntnisse liefert.

    Schön wärs.

    Oder gehen wir von dem Fall aus, als ich für eine Hausarbeit unbedingt eine Diss von jemanden brauchte, diese aber nur in drei Bibliotheken in Deutschland überhaupt verfügbar war, weil darin ein sehr spezielles Thema behandelt wurde.

    Wieso veröffentlicht der nicht schneller?

    (…Ja, gibt es natürlich leider immer wieder. In meinem momentanen Feld haben wir von 1969 bis heuer auf die Veröffentlichung einer Dissertation gewartet; sie ist nicht herausgekommen, sondern der gute Mann hat jetzt seinerseits einen Dissertanten auf das Thema angesetzt, und der ist heuer fertig geworden. Wir können jetzt also mit mindestens einer Veröffentlichung im nächsten Jahr rechnen.)

  13. @ Klausi (# 5)

    Die Frage ist doch auch, ist das jeweilige Forschungsergebnis von Nichtgenies, die soll es ja geben, für die übrige Welt so wichtig, dass man es sogleich hinausschreien muss? Werden bahnbrechende Erkenntnisse nicht auch dann bekannt und setzen sich dennoch durch, wenn sie in einer beliebig anderen Sprache als Englisch publiziert werden?

    Wenn ich wissenschaftlich arbeite, gehe ich davon aus, dass meine Erkenntnisse für Kolleginnen und Kollegen der gleichen oder einer benachbarten Disziplin von Interesse sind. Bzw. wenn ich meine, dass sie es nicht sind, habe ich offenbar die falsche Fragestellung am Wickel gehabt. Oder den falschen Beruf gewählt ;-)

    Und wenn es andere lesen sollen, wähle ich natürlich eine Sprache, von der ich annehme, dass sie verstanden wird. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein haben viele Wissenschaftler quasi automatisch auf Deutsch veröffentlicht, weil sie davon ausgehen konnten, dass die Sprache im Kollegenkreis verstanden wird. Das hat sich deutlich geändert, woran Deutschland in erheblichem Maß beteiligt war.

    Welche Fächer brauchen eigentlich dieses Tempo in der internationalen Veröffentlichung? Die Allgemeine Sprachwissenschaft vermutlich doch eher nicht? In diesem und in ähnlichen Gebieten geht es doch eher um die internationale Veröffentlichung an sich, also um das eigene Renommee. Wer schreibt, der bleibt.

    Eben. Es ist ja auch immer ein Wettbewerb: Wenn man schon eine wichtige Erkenntnis gemacht hat, will man sie auch veröffentlich sehen. Entweder steht man wirklich im Wettbewerb, weil die Karriere noch weitergehen soll. Oder es geht um Eitelkeit, Prestige, leistungsabhängige Mittelvergabe, Drittmittel etc.

    In der Sprachwissenschaft auf Deutsch zu veröffentlichen, schränkt den Leserkreis schon ein gutes Stück ein. In meiner aktiven Zeit habe ich Literatur auf Französisch oder Spanisch mit einiger Mühe gelesen. Jenseits davon war dann Schluss (die Skandinavier veröffentlichen ohnehin zu einem noch größeren Anteil auf Englisch als wir). Insofern finde ich eine lingua franca für die Wissenschaft eigentlich keine schlechte Sache.

    Die Entdeckung eines sehr wirksamen Impfstoffes sollte möglichst schnell bekannt gegeben werden, aber doch nicht die Formulierung einer neuen Sprachtheorie!

    Von der ersten Einreichung eines Manuskripts bis zur Auslieferung einer gedruckten Zeitschrift vergeht so schon genug Zeit. Und die Herstellung selbst nimmt davon gar nicht den größten Teil in Anspruch…

    Ach und:

    Ich habe beruflich nichts mit Fremdsprachen zu tun, ich brauche sie praktisch nicht. Mein englischer Vokabelschatz ginge gegen Null, wenn ich nicht andauernd und von allen Seiten mit Anglizismen zugeschüttet werden würde.

    Das glaube ich nicht. Was an Anglizismen im Deutschen so üblich ist, hilft einem Nullkommanix bei dem Versuch, eine englische Tageszeitung zu lesen. Hingegen hält die regelmäßige Lektüre von englischsprachigem Gedrucktem die Sprachkenntnisse wach, zumindest passiv.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.