Böse und heiß

Sven Regener auf dem neuen Element-of-Crime-Album:

Was für Cloppenburg Pfanni ist, bist du für mich,
Und dann scheiß auf Metaphern, die sind böse und heiß,
Und im Gesicht haben sie Pickel, die sind nicht schön.

Großartig (wie das ganze Album), aber ich muss trotzdem darauf bestehen: Das ist keine Metapher, das ist eine Analogie.

4 Kommentare zu „Böse und heiß“

  1. Also es muss aber metaphorisch gemeint sein, denn eine geliebte Person ist eben keine Firma, oder?

  2. Da muss ich leider widersprechen (wenn auch urlaubsbedingt verspätet): Metaphern (als sprachliche Tropen) basieren auf gedanklichen Vergleichen, Ähnlichem oder eben Analogien, so dass das Cloppenburg-Pfanni-Ding schlicht beides ist: eine Analogie (Cloppenburg verhält sich zu Pfanni wie “ich” mich zu “dir”, nämlich als irgendwie wichtig und wesentlich — ich kenne Cloppenburg nicht) UND eine Metapher, weil ja das miteinander in Analogie Gesetzte identifikatorisch behauptet wird (”bist”). Jedenfalls würde das der erste Sprachwissenschaftler überhaupt (Aristoteles) so sehen und mit ihm die — zugegeben schon recht betagte — Rhetorik, die fein säuberlich zwischen Worten (verba) und Gedanken (res) unterscheidet, was doch irgendwie auch die aktuelle Sprachwissenschaft tut.
    Viel hübscher ist in dem Zitat aber ja sowieso, dass “Metaphern” selbst metaphorisch beurteilt werden (als “böse” und “heiß”) und dann auch noch metaphorisch-anthropomorphe “Pickel” bekommen. Ich danke jedenfalls für das schöne Zitat, mit dem ich meinen nächsten Einführungskurs in die Literaturwissenschaft beglücken werde.

  3. Also hier wird etwas über eine Relation ausgesagt, und zwar Identität. Daran ist gar nichts metaphorisch. Die Relation wird durch ein Beispiel identifiziert, und dann wird gesagt, dass sie auch zwischen zwei anderen Dingen besteht. Das ist eine Analogie. Was soll daran die Metapher sein?

  4. Hm.

    Zunächst mal ist es auf jeden Fall eine Analogie. Wenn Du sich auf eine Person bezieht, die, sagen wir mal, „Charlotte“ heißt, und der Referent von mich z.B. „Sven“ heißt, dann gilt:

    Pfanni:Cloppenburg::Charlotte:Sven

    Analogien sind auch nicht automatisch Metaphern, sondern nur Feststellungen, dass zwischen A und B dieselbe Relation besteht, wie zwischen X und Y:

    Bulle:Kuh::Hengst:Stute

    Es gibt auch Analogien, in denen klar eine Metapher enthalten ist. Aristoteles gibt hier das Beispiel Lebensabend:

    Nacht:Tag::Tod:Leben

    Es besteht zwar (teilweise) dieselbe Relation zwischen Nacht und Tag, wie zwischen Tod und Leben (eins folgt auf das andere), aber es findet zusätzlich eine Übergragung von einem semantischen Bereich (Zeitmessung) auf einen anderen (Leben) statt. Bei dem Beispiel mit Bulle und Kuh bleiben wir dagegen im semantischen Bereich TIERE.

    In dem Pfanni-Beispiel steckt möglicherweise also tatsächlich eine Metapher, da vom semantischen Bereich INFRASTRUKTUR auf den semantischen Bereich ZWISCHENMENSCHLICHE-BEZIEHUNGEN übertragen wird.

    Ja, es ist ein Chaos. Das müsste mal jemand vernünftig untersuchen.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.