Mehrheitsmeinungen zu Hohnlöhnen

Jetzt habe ich schon wieder übersehen, dass die Aktion Lebendiges Deutsch ihre allmonatlichen Wortschöpfungen bekannt gegeben hat:

Kampf dem Hohnlohn! Den „Dumping-Preis“ könnten wir „Kampfpreis“ nennen - den „Dumping-Lohn“ aber (frech, doch treffend) „Hohnlohn“ : Dies schlägt die Aktion „Lebendiges Deutsch“ vor, die seit mehr als drei Jahren Vorschläge für deutsche Wörter sammelt, mit denen die törichten und schwerverständlichen unter den Anglizismen sich ersetzen ließen.

Ja, was sind sie frech und treffend, die vier alten Herren von der Aktion Lebendiges Deutsch. Schade nur, dass sie dabei wieder einmal das übersehen, was ein Wort ausmacht: seine Bedeutungsschattierungen, seine Verwendungszusammenhänge, seine Beziehungen zu anderen Wörtern in der Sprache (und in anderen Sprachen) und seine lautliche Form.

Vor allem habem sie übersehen, dass sie hier ein Wort eindeutschen wollen, das aller Wahrscheinlichkeit nach eine deutsche Schöpfung ist. Es ist abgeleitet von dem üblicheren Begriff Lohndumping, einem arbeitspolitischen Begriff, der vor allem von Parteien und Gewerkschaften im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und der Schweiz) in der Debatte um Mindestlöhne und mögliche Lohneinbrüche durch die Konkurrenz zu Billiglohnländern verwendet wird.

Der Begriff ist in Deutschland besonders bei den linken Parteien beliebt. Die folgende Tabelle zeigt die Häufigkeit des Wortes Lohndumping auf den Webseiten der fünf großen Parteien. Da die Webseiten unterschiedlich viel Text enthalten und es auch durchaus möglich ist, dass die Parteien generell unterschiedlich häufig über Löhne diskutieren, habe ich diese Häufigkeit in Bezug zu der Häufigkeit des Wortes Lohn auf der jeweiligen Webseite gesetzt:

  Lohn Lohndumping Lohndumping (%)
cdu.de 236 74 0,31
fdp.de 452 8 0,02
gruene.de 268 93 0,35
spd.de 343 1230 3,59
die-linke.de 1040 924 0,89

Die SPD führt hier klar: das Wort Lohndumping ist mehr als drei Mal so häufig wie das Wort Lohn selbst! Bei der PDS ist Lohndumping immerhin noch fast genauso häufig wie Lohn. Bei den drei bürgerlichen Parteien spielt das Wort eine weniger wichtige Rolle: bei den Parteien der Mitte, CDU und GRÜNEN, ist es ein Drittel so häufig wie Lohn, bei der marktliberalen FDP kommt es fast gar nicht vor.

Genau definiert ist der Begriff nicht, ganz allgemein ist damit die „Bezahlung von Arbeitnehmern unterhalb des Tariflohnniveaus“ (Wahrig), manchmal auch spezifisch eine Bezahlung, die um „mehr als ein Drittel unterhalb der ortsüblichen Vergütung liegt“ (handwerksblatt.de).

In den meisten Ländern außerhalb des deutschen Sprachraums ist der Begriff nicht sehr weit verbreitet, daher meine Vermutung, dass er vielleicht im deutschen Sprachraum analog zu Preisdumping und Sozialdumping entstanden ist. Das bedeutet aber nicht, wie manche glauben, dass er in anderen Sprachen nicht existiert: die EU sorgt dafür, dass es zumindest in den großen europäischen Sprachen entsprechende Ausdrücke gibt. Da vor allem deutschsprachige EU-Abgeordnete diesen Begriff in Parlamentsdebatten und Anfragen immer wieder verwenden, mussten Übersetzungen gefunden werden.

Der österreichische Abgeordnete Harald Ettl (Sozialdemokratische Partei Europas) äußerte sich z.B. im Oktober 2006 zur Entsenderichtlinie und sagte dabei folgenden Satz:

Außerdem führt die Nichterfassung von Zulagen als oft wesentlicher Lohnbestandteil zu zusätzlichem Lohndumping. (Link)

In den Übersetzungen dieses Satzes in andere Amtssprachen der EU finden sich nun folgende Begriffe:

  • løndumping (Dänisch)
  • wage dumping (Englisch)
  • dumping salarial (Französisch)
  • ντάμπιγκ μισθών (Griechisch)
  • dumping dei salari (Italienisch, dumping hier durch Kursivdruck als Fremdwort gekennzeichnet)
  • loondumping (Niederländisch)
  • dumping salarial (Portugiesisch)
  • lönedumpning (Schwedisch)
  • dúmping salarial (Spanisch)

Nur die Lehnwort-kritischen Finnen widersetzten sich einer direkten Übernahme des Wortes Dumping und übersetzten den Satz mit johtaa palkkatason laskemiseen vielä entisestään (etwa „(dies) führt dazu, dass das Lohnniveau weiter sinkt“).

Die Existenz dieser Ausdrücke in den verschiedenen Sprachen, für die sich auf den Webseiten der EU viele weitere Belege finden, bedeutet aber wie gesagt nicht, dass es sich dabei tatsächlich um Begriffe handelt, die in der jeweiligen Sprache tatsächlich regulär verwendet werden. Die folgende Tabelle zeigt die Häufigkeit des jeweiligen Ausdrucks auf Webseiten mit dem Ländersuffix des entsprechenden Landes.

Sprache Ländersuffix Lohn Lohndumping Lohndumping (‰) Mindestlohn
Deutsch .de 2680000 118000 0.440299 Nein
Österreich .at 389000 10700 0.275064 Nein
Schwedisch .se 1900000 49400 0.260000 Nein
Portugiesisch .pt 309000 193 0.006246 Ja
Dänisch .dk 2690000 1050 0.003903 Nein
Englisch .uk 1250000 327 0.002616 Ja
Niederländisch .nl 1380000 301 0.002181 Ja
Französisch .fr 3670000 674 0.001837 Ja
Italienisch .it 1210000 219 0.001810 Nein
Spanisch .es 1660000 131 0.000789 Ja
Griechisch .gr 124000 1 0.000081 Ja

Für die unterschiedlich häufige Verwendung der jeweiligen Ausdrücke in den entsprechenden Sprachen kann es ganz verschiedene Gründe geben, etwa die Existenz von alternativen Ausdrücken. Es ist aber interessant, dass die Länder, in denen der Begriff proportional am Häufigsten ist, tendenziell die Länder sind, in denen es keine gesetzlichen Mindestlöhne gibt (Quellen: Minimum wages in Europe, European Industrial Relations Observatory; Minimum Wage, European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions). Dort, wo linke Parteien für solche Mindestlöhne kämpfen, wäre natürlich zu erwarten, dass es einen arbeitspolitischen Kampfbegriff für das gibt, wogegen man kämpft. Hier zeigt sich eine wichtige Konnotation des Begriffs Lohndumping, die bei einer Neubewortung nicht unbedingt vorhanden wäre.

Das Wort, für das die Aktioneure eine Alternative gesucht haben, war ja aber gar nicht das Wort Lohndumping, sondern das davon abgeleitete Dumpinglohn. Dieses Wort ist sehr viel seltener als das Wort Lohndumping, aber es wird trotzdem verwendet und die EU sorgt auch hier für Übersetzungen.

Der österreichische Abgeordnete Andreas Mölzer stellte zum Beispiel 2005 eine schriftliche Anfrage zur Auswirkung einer Dienstleistungsrichtlinie der EU, in der dieser Satz vorkam:

Zu den Verlierern zählen aber vor allem inländische Arbeitnehmer, die schon wegen der höheren Lebenshaltungskosten, nicht mit der Billigkonkurrenz — Dumpinglöhne von 3-5 Euro pro Stunde (!) für Vollzeitbeschäftigung — aus Ostereuropa mithalten können. (Link)

(Mölzer war hier, wie man erahnen kann, eher von anti-globalisierenden, nationalistischen Schutzgedanken als von sozialer Gerechtigkeit motiviert, die zweite Konnotation des Begriffs, die man bei einer Neubewortung im Kopf behalten muss).

In den Übersetzungen seiner Anfrage finden sich folgende Ausdrücke für Dumpinglöhne:

  • dumpinglønninger (Dänisch)
  • dumping wages (Englisch)
  • salaires de dumping (Französisch)
  • νμισθούς ντάμπιγκ (Griechisch)
  • salari da dumping (Italienisch)
  • dumpinglonen (Niederländisch)
  • salários dumping (Portugiesisch)
  • dumpinglöner (Schwedisch)
  • salarios de dumping (Spanisch)

Die Finnen widersetzen sich auch hier einer Begriffsübernahme oder -findung und übersetzen die entsprechende Stelle mit palkat on poljettu. Was das genau heißt, übersteigt meine Finnischkenntnisse (Hinweise sind willkommen), aber Google übersetzt es mit „die Gehälter werden mit Füßen getreten“.

Interessanterweise finden sich diese Begriffe außerhalb von EU-Veröffentlichungen in fast in keiner dieser Sprachen (Google fördert meistens weniger als fünf Treffer zutage), außer im Deutschen (mit fast dreißigtausend Treffern) und im Dänischen (mit etwa 300 Treffern inkl. der Einzahl dumpingløn).

Auch hier dürfte die Existenz von konventionellen Alternativen mit ihren eigenen Bedeutungsnuancen und -geschichten einer der Hauptgründe sein. Im Englischen gibt es beispielsweise den Begriff poverty wage und alle Sprachen haben natürlich die Möglichkeit, von Niedriglöhnen (50000 Google-Treffer) zu sprechen, etwa engl. low wages, dän. lave lønninger (17300 Google-Treffer), frz. bas salaires (560000 Google-Treffer), usw.

Was die Aktioneure gegen dieses gut etablierte Wort hatten, bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht sind sie alle heimliche Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und das Wort war ihnen zu neutral. Aber dann hätte es mit Hungerlohn eine offensichtliche Alternative gegeben, die ausdrucksstark und gut etabliert ist, anders als Hohnlohn leicht von der Zunge geht und die eine lange, arbeitskämpferische Tradition hat.

Wenn man dagegen die negative Seite der Globalisierung in den Vordergrund stellen möchte (was ich den Vieren eher zutraue als eine heimliche Sympathie mit der Arbeiterklasse), bietet sich das ebenfalls etablierte Wort Billiglohn an, dass durch seine Assoziation mit Billiglohnländern entsprechende Bilder heraufbeschwört.

Wenn man beides gleichzeitig haben will — ja, dann muss man beim Dumpinglohn bleiben, mit dem Vorteil, dass es hier die oben erwähnten Verbindungen zu anderen Arten von Dumping gibt — dem Sozialdumping, für das die Vier keine Alternative vorschlagen, und den Dumpingpreisen, die die Vier — plötzlich zu Verbrauchervertretern mutiert — als „Kampfpreise“ bezeichnen wollen (ohne zu bedenken, dass diese „Kampfpreise“ dann direkt zu den „Hohnlöhnen“ führen).

So, das soll zum Thema Lohndumping reichen, denn die Aktioneure hatten ja noch mehr zu bieten:

Beim Suchwort des Vormonats, „mainstream“, hat sich die Aktion für „Mehrheitsmeinung“ entschieden […]

Mag sein, dass die Mehrheit der Vier das für eine Alternative hält, aber diese Mehrheitsmeinung wäre deshalb natürlich noch lange kein Mainstream. Es geht beim Mainstream ja eher um Geschmack als um Meinungen, deshalb wäre Massengeschmack eine treffendere, aber auch abwertende Übersetzung. Warum nicht bei der Hauptströmung oder Hauptrichtung bleiben, die deutsche Wörterbücher seit zwanzig Jahren als Übersetzung anbieten?

Dabei können wir noch froh sein, denn die vier alten Herren hätten beinahe noch weiter daneben gegriffen:

[…] („Hauptdenke“ wäre hübscher, aber für die Schriftsprache weniger geeignet).

Ganz im Gegensatz zu Hohnlohn, das sich für die Schriftsprache ganz hervorragend eignet.

19 Kommentare zu „Mehrheitsmeinungen zu Hohnlöhnen“

  1. Ich kann dem Artikel nur zustimmen in der Bewertung der Sinnhaftigkeit der “Verbesserungsvorschläge”.
    Bei dem Wort “Hohnlohn” entsteht zudem in meinem Kopf die Verbindung zu “hohen Lohn”. Man stelle sich den Satz “In dieser Branche zahlt man häufig einen Hohnlohn/hohen Lohn” vor.

  2. Hohnlohn, das tut schon ein bisschen weh. Der Plural ließe sich dann frech, doch treffend mit Höhnelöhne bilden, oder?
    Hält die Aktion Lebendiges Deutsch denn die beiden Dumping-Begriffe ernsthaft für schwerverständlich, oder fallen die lediglich in die Töricht-Kategorie? Es dürfte doch wohl schwerfallen, jemanden zu finden, der sich unter Dumping-Löhnen nichts vorstellen kann, aber beim Begriff Hohnlohn sofort bescheid weiß.

  3. Zum Hohn haben die Onkels auch noch abgeschrieben, wie dies nahelegt:
    https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2008/11-13/003.php
    Übrigens gab es nicht immer schon als Hohnlohn das Spottgeld?

  4. Das hatten wir zwar schonmal, aber Sie dürfen Die Linke ruhig Die Linke nennen, dann müssen Sie im Fließtext auch nicht gekünstelt von PDS sprechen, die in der Tabelle gar nicht auftaucht.

  5. Gareth, das war tatsächlich wieder unabsichtlich. Aber wie ich schon beim letzten Mal gesagt habe: solange es sich bei „Die Linke“ um dieselbe juristische Person handelt, wie bei SED, PDS und Linkspartei.PDS, sehe ich auch nicht ein, warum ich mir Extra-Mühe geben soll, bei deren Namensspielchen mitzuspielen. Der Parteiname „Die Linke“ ist ohnehin eine Unverschämtheit: die Linke ist traditionell ein Sammelbegriff für alle Menschen, die sich politisch als irgendwie Links von der Mitte empfinden. Dazu zähle ich auch mich. Wie viele andere „Linke“ würde ich aber niemals eine direkte Rechtsnachfolgerin der SED wählen. Es stört mich deshalb tatsächlich, dass diese Partei dieses allgemeine Etikett vereinnahmt. Vielleicht kommen daher meine wiederholten Fehlleistungen.

  6. solange es sich bei „Die Linke“ um dieselbe juristische Person handelt, wie bei SED, PDS und Linkspartei.PDS, sehe ich auch nicht ein, warum ich mir Extra-Mühe geben soll, bei deren Namensspielchen mitzuspielen.

    Ich bin zwar kein Jurist, aber ich bezweifle stark, daß es sich bei der Partei Die Linke um dieselbe juristische Person handelt wie bei der SED.

    Davon abgesehen: Es sei Ihnen ja unbenommen, die Linke doof zu finden und sie niemals, niemals, niemals wählen zu wollen, aber deshalb kann man sie ja trotzdem ordentlich benennen, ohne sich auf solch alberne Namensspielchen einzulassen. Wahrscheinlich sagen Sie auch immer noch Raider und KKB, weil es sich ja um dieselben Entitäten handelt und Sie bei Umbenennungen niemals “mitspielen”.

  7. („Hauptdenke“ wäre hübscher, aber für die Schriftsprache weniger geeignet).

    Hübscher? Wo kommen die Aktioneure her? Ich habe diese Art der Wortbildung (wie “die Schreibe”) immer mit “hmmm, muss irgendeine kleine Gegend in der nördlichen Hälfte Deutschlands sein” assoziiert.

  8. Wollte ich eigentlich auch erwähnen:

    Wie viele andere „Linke“ würde ich aber niemals eine direkte Rechtsnachfolgerin der SED wählen.

    Auch nicht, wenn sie ihre Politik drastisch ändert?

    Soweit mir bekannt ist, hat diese Partei das zwar nicht getan, aber im Prinzip kommen solche Fälle durchaus vor. In den USA haben die Demokraten und die Republikaner so um die 60erjahre Platz getauscht — gut, das war ein längerer Prozess, aber seit der Jahrtausendwende ist er vollständig: die Republikaner identifizieren sich jetzt mit dem Bürgerkriegssüden (und Idaho und West Virginia), und die Demokraten mit dem Norden und im Endeffekt dem damaligen Republikaner Abraham Lincoln, und wenn man die Geschichte nicht kennt, kommt man nie auf die Idee, es sei je anders gewesen.

  9. “Die Linke” ist tatsächlich rechtsidentisch mit der SED und daher sind das auch keine Namensspielchen, da ebenjene Partei das nutzt, um diesen Umstand zu verschleiern.

    Wo die SEDPDSLinke ihre Politik drastisch geändert hat, wäre auch noch zu zeigen, sie sind ja in der Opposition und müssen ihre Versprechen nicht einlösen.

  10. Gibt es parallel zum Dumping-Preis nicht den Schleuderpreis? Schon seit ewig?

  11. Rechtsidentisch hin oder her, wir wissen doch sowieso alle, wie die Geschichte der Partei aussieht. Rückgriffe auf alte Namen aus ideologischen Gründen gehören aber m.E. nicht in eine statistische Auswertung.

  12. Rückgriffe auf alte Namen aus ideologischen Gründen gehören aber m.E. nicht in eine statistische Auswertung.

    Ganz meine Meinung.

  13. … Jenes harte Hirnholz, das unter dem Namen ‘Aktion Lebendiges Deutsch‘ unhaltbare Sachverhalte in die Welt hinaus zu posaunen pflegt, hat sich im Kampf gegen die Windmühlen des Denglischen ein neues Husarenstück geleistet: …

  14. Ich finde Hohnlohn gut und treffend - nicht als Übersetzung, sondern als starken Begriff, der nuancierter ist als Dumping- oder Billiglohn. Wer Billiglöhne erhält, verdient zwar wenig, kann aber immer noch sein Auskommen haben - wie ein Ausländer, dessen für hiesige Verhältnisse geringer Lohn im Heimatland immer noch die Familie ernährt. Oder wie Leute in traditionell schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen, die mit ihrem Gehalt trotzdem über die Runden kommen.
    Wenn jemand aber in Vollzeit arbeitet, sich davon dennoch nicht ernähren kann und deshalb zusätzlich Knete vom Staat bekommen muss - dann bringt Hohnlohn das besser auf den Punkt als die anderen Bezeichnungen. Da kann auch Hungerlohn nicht mithalten, weil auch beim Hohnlohn niemand hungern muss. Hohnlohn ist zudem so schön polemisch - mal schauen, wie die Wahlkämpfer das nutzen.
    Zur Diskussion um Die Linke/PDS sei bemerkt, dass auch Die Grünen ein Alleinstellungsmerkmal eher behaupten, als dass sie es wirklich besitzen. Das ist nun mal so in der Werbung. Von Der neue Sound für Berlin bis Die Discount-Vorwahl.

  15. @ Duckfinger: Mal ganz abgesehen vom Bedeutungsgehalt - Hohnlohn ist ein Wort, worin zwei betonte Silben aufeinanderfolgen. Solche Wortprägungen scheitern allein schon daran, dass sie sich schwer aussprechen lassen. Drei Silben wären da also angebrachter: Vielleicht ja der ‘Hohnlachlohn’. Die mittlere Silbe kann dann schwächer betont werden, der Sprachrhythmus aus Hebung-Senkung bleibt gewahrt. Wie gesagt, das ist jetzt kein inhaltlicher Vorschlag, ich finde auch das Wort ebenso beknackt, es ist nur eine phonetische Verbesserung …

  16. Im finnischen heißt “polkea hintoja” die Preise drücken, demzufolge ist “polkea palkkoja” die Gehälter drücken. “on poljettu” ist Indikativ Perfekt Passiv des Verbs polkea.
    “Die Finnen” sind übrigens nicht lehnwort-kritisch, sondern nur die Sprachschützer und -bewahrer unter ihnen, wie überall sonst auch. Einmal in Finnland angekommen, muss der Finnischlernende seinen Wortschatz mit allerhand schwedischen, russischen und englischen Lehnwörtern aufpeppen, für deren Signifikate er sich erst mühsam die finnischen Bezeichnungen eingeprägt hat, da er sonst nicht in der Lage ist, im Alltag zu überleben.

  17. “hohnlohn” erinnert mich irgendwie an “wir lernen schwedisch mit swf3″

  18. Ich muß dabei irgendwie an einen Text denken, den mein Vater mal für einen Phonetikkurs oder so was ähnliches entworfen hat. Jedenfalls geht es darin wohl, um die verschiedenen O-Laute im Deutschen und der letzte Satz hieß “So hatte sich das Osterfest doch noch gelohnt”.

    Oder natürlich an Loriots sprechenden Hund.

  19. Wem “Hohnlohn” nicht gefällt, der kann ja zu “Spottlohn” ausweichen, vergleichbar mit dem “Spottpreis”.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.