Werder: Ein Wunder, bitte!

Heute abend kämpfen zum letzten Mal zwei Mannschaften um den Sieg im UEFA-Pokal, ab der nächsten Saison werden die besten Mannschaften Europas stattdessen in der „UEFA Europa League“ gegeneinander antreten. Mit Werder Bremen steht zum ersten Mal seit sieben Jahren eine deutsche Mannschaft im Finale (2002 verlor Borussia Dortmund gegen Feyenoord Rotterdam)

Sprachblog im Werder-LookDas Bremer Sprachblog drückt seiner Hausmannschaft natürlich beide Daumen und erscheint zur Feier des Tages im Werder-Look.

Damit niemand über einen fehlenden Sprachbezug nörgelt, hier fünf linguistische Wissenshappen über die Namen der beiden Vereine:

  • Das Wort Werder bezeichnet eine Insel oder Halbinsel in einem Fluss. Es ist verwandt mit den Wörtern Werft und Warf(t) und kommt von indogermanisch ŭer-, „verschließen, bedecken, schützen, abwehren“ (eine etymologische Botschaft an Tim Wiese!).
  • Der Namensteil Werder im Vereinsnamen unserer Mannschaft stammt vom Stadtwerder ab, einer Halbinsel in der Weser, auf der sich ursprünglich das Vereinsgelände befand. Das heutige Weserstadion steht auf dem Peterswerder, einer weiteren solchen Halbinsel.
  • Werder Bremens Gegner aus dem ukrainischen Donezk heißt in der Landessprache Шахтар Донецьк, zu Deutsch „Bergarbeiter Donezk“.
  • Das Wort Шахт, „Schacht“ ist ein deutsches Lehnwort.
  • Die korrekte Transliteration des ukrainischen Namens ist Schachtar Donezk. Der Verein wird in den Medien aber meistens mit seinem russischen Namen Schachtjor Donezk (Шахтёр Донецк) bezeichnet. Die Webseite der UEFA verwendet lieber gleich die englische Transliteration Shaktar.

Ich will mich nicht auf ein Ergebnis festlegen, aber ich sage ein schönes Spiel voraus. Leider ohne Diego, aber dafür wahrscheinlich auch ohne Papierkugeln.

[Nachtrag: Auf vielfachen (na gut, einfachen) Wunsch habe ich ein Bildschirmfoto vom Sprachblog im Werder-Look hinzugefügt. Da das Blog nur zu Finalteilnahmen in internationalen Wettbewerben in diesem Gewand erscheint, kann es in paar Jahre dauern, bis es wieder so zu sehen ist… Ich fand das Grün sehr angenehm, das Uni-Bremen-Rot kommt mir jetzt im Vergleich sehr unruhig vor.]

12 Kommentare zu „Werder: Ein Wunder, bitte!“

  1. Wieso “dafür” ohne Papierkugeln? Als wenn das ein Ausgleich wäre, dabei ist das fehlen von beiden eine substanzielle Schwächung!

  2. In Safari hat es gereicht, die Seite neu zu laden, damit die sie in der Werder-Farbe erstrahlt (wenn man bei kränklichen Giftgrün von “erstrahlen” reden kann, ihr Fischköppe). Als Altona-93-Fan weiß ich jetzt aber, dass das Sprachblog an normalen Tagen sein Farbschema vom meinem Lieblingsverein hat ;-)

  3. Ich könnte mich stundenlang über das “Europa League” beömmeln. Wird da etwa das Englische durch “Deutsch” (wenn man die Sprache, die Sepp Blatter spricht, so nennen mag) verwässert?

  4. @Alberto Green: Das ist eindeutig der Singbarkeit geschuldet. Bei “Wir holen die Eu-Eu-ropa League” muss sich der gemeine Fan rhytmisch nicht auch noch neu orientieren ;-)

  5. JJFlash (#1), weil „wir“ keine Papierkugel brauchen, um guten Fußball zu spielen. Diego wäre aber hilfreich. Naja, Özil wird das schon machen.

  6. Ach, wer fragt in diesem Zusammenhang denn nach dem fehlenden Sprachbezug? Und natürlich wird es Özil machen. Und der Fringser. Und Pizarro sowieso…

  7. Hier am Niederrhein heißen die Werder übrigens Werth und kommen in vielen Ort- und Flursnamen vor, z. B. bei Kaiserswerth (Stadtteil von Düsseldorf) oder etwas verstümmelt zu -ort in Ruhrort (Duisburg). Insofern ist es wohl mehr als angebracht, auch mal von hier aus den Bremern alle Daumen zu drücken!

  8. Merlin van Reboe (#7), ja, das ist derselbe Wortstamm, der übrigens als -worth auch in englischen Ortsnamen vorkommt. Im Englischen hat er allerdings die Bedeutung „Umzäunung“.

  9. Hmm, sieht ja schlecht aus… also das Spiel, die Seite gefällt mir so sogar besser, Grün ist so schön entspannend.

  10. Thomas (#9), tja, mal gewinnt man, mal verliert man. Ein blinder, halluzinierender Schiedsrichter hilft da nicht, aber Schachtar war auch einfach gut. Na, dann holen wir uns den DFB-Pokal.

  11. @Anatol (#9)
    Hoffentlich! Werder muss europäisch spielen, im Interesse der Bundesliga. Auch wenn ihr ziemlich gut darin seid, im entscheidenden Moment zu versagen (man nennt das auch leverkusen, also als Verb), holt ihr doch immer noch mit die meisten Punkte für die 5-Jahreswertung… :)

  12. Das Wort Werder bezeichnet eine Insel oder Halbinsel in einem Fluss.

    Aha. In österreichischen Ortsnamen Wörth.

    Transliteration

    Transkription. Transliteration heißt, die Buchstaben 1 : 1 zu übertragen (meist unter Zuhilfenahme von großen Mengen ad hoc kreierter Sonderzeichen).

    die englische Trans[krip]tion Shaktar.

    Shakhtar, hoffe ich.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.