Sprachnörglerische Scheinheiligkeit

Das Hamburger Abendblatt lässt seine Leser aufgeregt darüber abstimmen, ob die neue S-Bahn-Station am Hamburger Flughafen wie geplant „Hamburg Airport“ heißen soll, oder ob nicht ein reindeutsches „Flughafen“ besser wäre (kleiner Hinweis: der Flughafen selbst nennt sich bereits Hamburg Airport und „Flughafen“ ist kein international gebräuchlicher Begriff).

Nebenbei schaffen es die Macher auch noch, in einem Artikel über einen Französischkurs einen überflüssigen Seitenhieb auf englische Lehnwörter einzubauen. Nur eins schaffen sie nicht: selbst auf diese zu verzichten.

Einunddreißig „überflüssige“ Anglizismen habe ich auf der Startseite eben gerade gefunden (dabei habe ich alteingesessenes Lehngut, z.B. Sport, Start und Stress, nicht einmal mitgezählt). Hier sind sie, zusammen mit meinen Vorschlägen zur Eindeutschung:

  1. Abendblatt-Links („Abendblatt-Verknüpfungen“)
  2. Abendblatt-Screensaver downloaden („Abendblatt-Bildschirmschoner herunterladen“)
  3. Abendblatt-Shop („Abendblatt-Laden“)
  4. Babymord („Säuglingsmord“)
  5. Bestseller Liste („Liste der meistverkauften Bücher“)
  6. Campingplatz („Zelt- und Wohnmobilplatz“)
  7. Comeback („Rückkehr“)
  8. Copyright („Nutzungsrecht/Urheberrecht“)
  9. Dopingfall („Fall von Medikamentenmissbrauch“)
  10. Drinks („Getränke“)
  11. Event („Ereignis“)
  12. Foto-Tool („Fotowerkzeug“)
  13. Hannover-Keeper („Torwart“)
  14. Internet-Laden („Netzladen“)
  15. Internet-Verbindung („Netzverbindung“)
  16. Job-Abbau („Stellenabbau“)
  17. Jobs („Stellen“)
  18. Jury („Entscheidungsgremium“)
  19. Live Tipp des Tages („Veranstaltungshinweis des Tages“)
  20. Modedesignerin („Modegestalterin“)
  21. News-Archiv („Nachrichtenarchiv“)
  22. Online-Angebot („Netzangebot“)
  23. Radsport-Event („Radsportereignis“)
  24. Singles („Junggesell/innen“)
  25. Sitemap („Übersicht des Netzauftritts“)
  26. Sommer-Countdown („Sommer-Startuhr“)
  27. VIP-Leben („Promi-Leben“)
  28. WLAN-Router („Steuergerät für Drahtlosnetzwerke“)
  29. epaper („eZeitung“)
  30. iPod-Musikplayer („iPod-Musikabspielgerät“)
  31. online („netzgestützt“)

Und nun sind Sie gefragt. Stimmen Sie ab (oder sehen Sie sich nur das Ergebnis der Abstimmung an).

[Nachtrag: Auf eine Anregung von gyokusai hin sollten wir versuchen, die Umfrage des Abendblatts herumzureißen (auch, wenn es schon ziemlich hoffnungslos aussieht: die Anglizismenjäger gewinnen dort immer mehr die Oberhand). Um mehrfach abzustimmen, muss man sich jedes Mal eine neue IP zuweisen lassen (z.B. Router aus- und wieder einschalten): Abendblatt-Umfrage.]

[Nachtrag: Wie Danny (#16) meldet, ist die Umfrage gekippt. Vor einer Stunde sah sie so aus:
Umfrage gekippt
Bei unserer eigenen Umfrage zeichnet sich eine Mehrheit für ein anglizismenfreundliches und sprachnörgelfreies Abendblatt ab.]

37 Kommentare zu „Sprachnörglerische Scheinheiligkeit“

  1. Der Hamburger Flughafen heißt seit 1945 auch Hamburg Airport. Sollen in Hamburg die Peterwagen dann auch wieder Polizeiauto genannt werden?

  2. Foto-Tool („Fotowerkzeug“)
    Man könnte noch weiter gehen und es gleich ins komplett deutsche Lichtbildwerkzeug umwandeln…

  3. Ich frage mich, ob der CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse, der den Streit um den Airport vom Zaun gebrochen hat und der seit 2007 — Zitat von seiner Netzpäsenz — die „…Hamburg Freezers im Bereich Business Development“ unterstützt, sich auch schon Gedanken über einen Namen für die U-Bahn Station der HafenCity gemacht hat, deren Erschließung durch die U4 er auch auf seiner Agenda hat.

    Mein Vorschlag ist, wenn auch nicht besonders originell, natürlich „HafenStadt“. Vielleicht sollte er dann noch eine Initiative starten, den Hamburg Freezers den Vereinsnamen „Hamburg Teifkühler“ schmackhaft zu machen und sie in Zukunft lieber im Bereich Unternehmensentwicklung unterstützen.

  4. “Säuglingsmord”, das ist echt gut. Es klingt kalt und brutal, während “Babymord” fast niedlich klingt. Bekommt trotzdem nur knapp 500 Google-Treffer, währen “Babymord” über zwanzigtausend hat.

  5. LOL! Das macht Spaß. Apropos, fällt jemandem ein schnittiges deutsches Wort für “poll-crashing” ein?

    *kicher*

    ^_^J. (enthusiastic member of the Pharyngula Poll-Crashing Crowd ;-) )

  6. Wie wäre es mit einem deutschen und einem englischen Namen für jede Station, und vor allem: Englischen Ansagen an allen Stationen (am Hbf. gibt es sowas hoffentlich schon?)? Klappt doch in Hongkong oder Taipeh auch …

    “Zurückbleiben bitte! Please stand back while the train is arriving!”

  7. Umfrage-Eindringlinge?

    Hat allerdings nicht dieselbe Kürze… wie die meisten deutschen Äquivalenten englischer Lehnwörter.

  8. Es wäre eine unnötige Beimessung von Bedeutung, wenn sich die hier mitlesenden Experten an dieser “Abstimmung” (die ohnehin nichts bewegen und bewirken dürfte) beteiligten.

  9. Wieso “Gremium”? Es gibt doch reinere Wörter dafür - Thing oder so.

  10. “Das Wort “Computer” hat eine Reise um die Welt gemacht und Eingang in alle Sprachen gefunden. In alle Sprachen? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bewohntes Land hört nicht auf, den Anglizismen Widerstand zu leisten.”

    Ich glaube, Englisch hat auch keine Anglizismen, oder?

  11. Jan Wohlgemuth (#8): gyokusai schlägt, wenn ich das richtig sehe, vor, die Umfrage aus Prinzip zu sabotieren, weil dort auf tendenziöse Art eine sinnlose Frage gestellt wird — eine Tradition, die das Wissenschaftsblog Pharyngula mit Umfragen aus dem christlich-konservativen Umfeld pflegt (derzeit: „Glauben Sie an den Urknall?“). Ich fürchte allerdings, dass die Leserschaft des Bremer Sprachblogs noch nicht groß und geschlossen genug ist, um solche Umfragen zu manipulieren. Aber immerhin: als ich gestern abend meinen Nachtrag geschrieben habe, stand es 64:36, inzwischen wieder eher 62:38.

    Nicolas Graf (#2), ohno (#9): Noch germanischer geht immer, aber ich wollte dem Abendblatt ja nur helfen, die dort scheinbar ebenso verhassten wie hartnäckig verwendeten Anglizismen zu vermeiden. Lichtbildwerkzeug klingt aber sehr schön.

  12. @MM: Sicher hat “Computer” in allen Sprachen Einzug gehalten, ist aus dem lateinischen und heißt: von lat.: computare, zusammenrechnen, also kann man ruhig Rechner sagen.

    Was ich albern finde ist statt “Countdown” “Startuhr”, dann lieber “Rückzählung” oder “Nullzählung”, die Idee an sich finde ich gut, deutsche Wörter zu finden, aber an der Umsetzung scheitert es.

  13. Und ich hoffe nicht nur ich, sehe das so.

  14. Statt “Drink” wie wäre es mit “Trunk”? man schreibt ja auch beTRUNKen :D IPod-Musicplayer: IPod-Spieler oder IPod-Musikgerät, statt singles kann man auch schreiben ledig… Und Sitemap, wie wäre es mit “Seitenübersicht”, “Seitenverzeichnis”, Seitenmappe”, “Inhaltsverzeichniss”
    Bei Doping, Aufputsch-Fall? Oder wie wärs mit “Sportaufputsch-Fall”? Naja Sport entstammt ja auch nicht dem deutschen, aber was solls. ;) Und “Im Netz” ist online und “Vom Netz” ist offline.

    irgendwie sowas? :P

    *Mal mithilf*

  15. Hallo,

    Einspruch gegen “Jury”: Wenn es um ein Kampf- oder Preisgericht geht, spreche ich das französisch aus. Und auch wenn es um die Laienrichter in US-amerikanischen Gerichtsverfahren geht, spreche zumindest ich es französisch aus. Nur wenn es um einen fiktiven Super Intendent von Scotland Yard geht, spreche ich es englisch aus :-)

  16. Offensichtlich ist die Leserschaft des Bremer Sprachblogs doch groß und geschlossen genug! Das Ergebnis ist gekippt. 47:53.

  17. Ein Kommentar auf der Abendblatt-Seite, der sich gegen englische Lehnwörter ausspricht, endet mit dem ganz wunderbaren Satz: “Früher sind wir ins Café gegangen, heute gibt es nur noch Coffee to go.” Sprich: Früher hatten wir französische Lehnwörter, heute haben wir englische. So what?

  18. Ach und noch etwas:

    Die Diskussion über Stationsnamen hat mit der Diskussion um englische Lehnwörter, pseudoenglische Anglizismen etc. nur eingeschränkt zu tun. Der Flughafen in Berlin-Tegel hat zum Beispiel einen Namen. Jedenfalls steht am Terminalgebäude in großen Lettern “Otto von Lilienthal”. Trotzdem heißt die Bushaltestelle (mit schienengebundenen Verkehrsmitteln ist TXL nicht erreichbar) laut bvg.de “Flughafen Tegel”. Der Flughafen, den ich aus meiner Kindheit als Hamburg-Fuhlsbüttel kenne, heißt seit dem Jahr 2000 offiziell “Hamburg Airport” (http://www.hamburg-airport.de/de/historie_5043.htm).

    Man kann sich nun überlegen, ob man den Namen eines Flughafens auf das Schild schreibt oder das Wort für diese Art von Verkehrseinrichtung. Ich wäre ja im Hamburger Fall für ein Schild mit der Beschriftung “Flughafen”, darunter in etwas kleinerer Schrift “Airport / Aéroport”. Im Hamburger Fall deutet der Name ja darauf hin, dass die Auswahl an Flughäfen nicht so sehr groß ist.

    Hier wurde ja auch schon als Argument für englische Bezeichnungen von Einrichtungen auf Bahnhöfen vorgebracht, dass es ja auch ausländische Reisende gibt, die kein Deutsch können, illustriert mit einem Foto aus Ostasien, wo kein lateinischer Buchstabe weit und breit zu sehen war. Absolute Einsprachigkeit ist auch nicht nett, aber die Bahn zeigt ja an anderer Stelle, wie es geht: Auf dem Schild steht groß “Ausgang”, darunter “Exit / Sortie”. Warum also nicht “Auskunft / Information / Renseignements” statt “Service Point”? Statt Französisch bieten sich auch andere Sprachen an, je nach regionaler Situation Türkisch, Polnisch o.ä.

    Ich bin absolut nicht der Meinung, dass die deutsche Sprache in Gefahr ist, wenn Anglizismen verwendet werden, aber es gibt welche, die nur peinlich wirken sind.

  19. @Michael Schäfer: Auch das ist so gesehen falsch, den Kaffee ist nicht französisch:

    Kaffee [ˈkafe, kaˈfeː] (türk. kahve aus arab. قهوة‎ qahwa „anregendes Getränk“)

    Es wurde in allen Sprachen soweit übernommen und für uns angeapsst, darum warscheinlich auch mit der Zeit das “k” denn ein C so gibt es bei uns nicht.

  20. @Bla: Das mit dem Einzug des Computers war nur ein Zitat aus dem Artikel - hatte gar nichts mit meiner Aussage zu tun!

  21. @bla: Naja, so wie Computer als englisches Lehnwort gilt, auch wenn es auf ein lateinisches Wort zurückgeht, ist das Café (der Ort, nicht das Getränk) doch wohl aus dem Französischen entlehnt, oder? Der Kaffee ist wieder was anderes, auch wenn das natürlich ursprünglich “das gleiche Wort” ist.
    Den Sprachnörglern geht es ja auch nicht darum, wo Lehngut eigentlich herkommt, sondern um die direkte Lehnsprache. Und auch (wie hier ja schon oft bemerkt) nicht wirklich um die Sprache, sondern um Sprache als Teil einer “einflussnehmenden Kultur”.

  22. NDR2 beteiligt sich angesichts des heutigen “Tags der deutschen Sprache” (yeah!) mit einer - erfreulicherweise offen gestalteten - Umfrage unter dem Titel “Ey, Digger: Welcher Sprachtrend nervt total?” auf der homepage, verzeihung, Heimseite ( http://www.ndr2.de/pages_std_lib/0,3325,OID4975986_REF6962,00.html ).
    Beispiele sind:

    * Nervtötende Kollegensprüche
    “Alles klärchen? Wunderbärchen!”, “Tschüßli Müsli”, “Tschö mit ö”, “Bis Denver”, “Tschüssikowsky”

    * Anglizismen [natürlich…]
    “Hast du aus dem Back-Office den Reminder zum Briefung im Handout bekommen?”

    * Jugendsprache [die bösen, bösen Jugendlichen]
    “Ey, Digger”, “Quallo will das Perlhuhn knuseln” [in etwa: der dickliche Typ will das süße Mädchen knuseln - Sie wissen schon…], “voll der Emo, ey”

    SMS- und E-Mail-Kauderwelsch
    Hdgdl [Hab’ dich ganz doll lieb], lol [laughing out loud - etwa: Da muss ich laut lachen!], Dd [Drück dich], CU [see you - wir sehen uns], asap [as soon as possible - schnellstmöglich], Lg Knuffi

    Mode- und Marketing-Erfindungen
    “Emotionsmäßig und essenstechnisch bin ich weit vorne, weil das Dressing schmeckt jetzt noch joghurtiger”

    Da könnte man doch mal sprachwissenschaftlich fundiert erklären, warum diese vermeintliche Sprachpanscherei großer Dummfug ist. Who’s with me?

  23. Jetziger Stand der Abstimmung: 45/55. Das bringt ein wenig Licht in mein dunkles Leben. Man kann also DOCH etwas bewegen, die Stimme der Vernunft quäkt nicht blechern und zu leise im Vakuum der Journalistenköpfe. Denn wer wenn nicht das Bremer Sprachblog ist für diesen, äh man nennt das ja wohl Erdrutsch (oder bald Landrutsch, hähä), verantwortlich?

  24. Habe mir nicht alle Kommentare durchgelesen, aber: Die Fragestellung ist etwas sehr unfair (ungerecht, für die dies bevorzugen :P ), oder nicht? Gibt es als Gegenposition zu “Darf nicht Airport heissen” nur “Muss Airport heissen”? Wie wärs mit “Darf sich nennen wie er will”?

  25. Apropos, fällt jemandem ein schnittiges deutsches Wort für “poll-crashing” ein?

    Umfragen zusammenhauen! :-)

    enthusiastic member of the Pharyngula Poll-Crashing Crowd ;-)

    Iä! Iä!

    “[…] Ein von unbeugsamen Galliern bewohntes Land hört nicht auf, den Anglizismen Widerstand zu leisten.”

    Cool sagen sie wie alle anderen auch (außer den Russen — und die Chinesen lassen das /l/ weg). OK sagen sie auch, erst recht wie alle anderen (dafür ist auf Mandarin extra die Silbe /kei/ eingeführt worden, die es dort sonst nicht gibt).

    Und Sitemap, wie wäre es mit […] “Seitenmappe”

    Karte, nicht Mappe.

  26. Umfrage-Eindringlinge, Umfragen zusammenhauen, sabotieren, manipulieren … zum einen zu hart, denke ich, zum anderen inhaltlich nicht zwingend.

    Zunächst einmal ist “Poll-Crashing” abgeleitet von “Gate-Crashing” (gate-crashing; Gate Crash; gate crashing a cocktail party) bzw. “Party-Crashing”, nämlich unter Umgehung der Eintrittsgebühr auf einer Veranstaltung auftauchen oder ungeladen auf einer Party erscheinen (und sich dort am Buffet und an den Getränken gütlich tut).

    Auch „sabotieren“ oder „manipulieren“ ist nicht zwingend als Konsequenz, denn die „attackierten“ Polls sind ja im Prinzip offen für alle. Gerade die erwähnte Pharyngula-Crowd beispielsweise ist stark genug, um ohne echte Manipulationen auszukommen — einzelne Beiträge auf Pharyngula generieren Kommentare im vierstelligen Bereich, bis sogar die mächtigen Seed-Server in die Knie gehen, und selbst PZs völlig inhaltsfreie Einträge wie “Open Thread — I’m heading out the door, off for a long drive to the airport and a slightly shorter flight to Denver, so I’ll leave you with an open thread. Go ahead, fill it up, I can always make more.” zieht 334 Kommentare! Tatsächliche Manipulationen (Cookies löschen & mehrfach abstimmen etc., vielleicht sogar automatisiert) sind daher in der Regel gar nicht nötig, um sich abzeichnende Ergebnisse zu kippen, auch wenn einzelne Mitglieder bei besonders idiotischen Umfragen gerne mal ein Exempel statuieren, LOL.

    Aber mir fällt für “Poll-Crashing” auch nichts wirklich gutes ein.

    ^_^J.

  27. Der Beitrag hier kommt im Forum des VDS noch zu ganz besonderen Ehren:

    http://www.vds-ev.de/forum/viewtopic.php?TopicID=3676

  28. @wakaranai (#27), danke für diesen Hinweis. Ich war noch nie in diesem Forum und ich muss sagen: was für ein langweiliger, im eigenen Saft kochender Haufen. So dürfen wir hier nie werden!

  29. Umfrage-Eindringlinge, Umfragen zusammenhauen, sabotieren, manipulieren … zum einen zu hart

    Nicht härter als crashing.

    Obwohl “zusammenhauen” eine genauere Übersetzung für trouncing wäre — aber das passt ja auch oft.

  30. Nicht härter als crashing.

    Diesen Einwand verstehe ich nicht. Der relevante Wörterbucheintrag ist nicht “(to) crash”, sondern “party crashing” oder “gate crashing”. Darum ging es.

    ^_^J.

  31. “Gate crashing” heißt ja theoretisch, dass man das Tor einbricht, eintritt oder so. Eben so, dass es CRASH macht.

  32. Ich verstehe den Einwand immer noch nicht.

    Denn es kann ja schlecht gemeint sein, daß die Begriffsfindung etymologisch erfolgen soll statt sinngemäß — etwa „Zusammenhaukurs“ statt „Intensivkurs“ und „Zusammenhauprogramm“ statt „Sofortprogramm“ für “crash course” und “crash program”. Umgekehrt stelle ich mir eine etymologisch motivierte Begriffsbildung im Englischen für „auf den Putz hauen“, zum Beispiel, auch recht lustig vor (und ebenso sinnfrei).

    Um den luftleeren Raum etwas zu füllen: Webster’s Encyclopedic Unabridged Dictionary gibt für den Eintrag crash(1), v.t., zunächst 1) to break into pieces violently and noisily; shatter. Aber dann wird’s mit dem Zusammenhauen schon schwierig: 2) to force or drive with violence and noise (usually fol. by in, through, out, etc.). Als nächstes folgt: 3. Informal: a. to gain admittance to though uninvited; to crash a party. b. to enter without a ticket, permission, etc.: to crash the gate at a football game. (Es folgen 15 weitere Bedeutungen). [late ME crashe, b. crase to break (see “craze” and “mash”]

    Und nein: Die Etymologie eines Begriffes bestimmt nicht, was dieser Begriff „theoretisch“ bedeutet. Dies zu behaupten fiele unter die Kategorie „nicht einmal falsch“.

    ^_^J.

  33. to force or drive with violence and noise

    Mit einem Fahrzeug durch irgendwas durchfahren, das dabei zerbricht und krach, also crash, macht.

    to crash the gate at a football game

    Figurativ vom vorherigen.

    Und nein: Die Etymologie eines Begriffes bestimmt nicht, was dieser Begriff „theoretisch“ bedeutet. Dies zu behaupten fiele unter die Kategorie „nicht einmal falsch“.

    In diesem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass die Etymologie allen Sprechern bewusst ist und dass sie daran zuerst denken.

    “Mit Bomben und Granaten in die Umfrage hineinfahren”… hm… viel zu lang… “Umfrage-Monzafahren”?

    (”Was geht dem Monzafahrer durch den Kopf, wenn er mit 250 km/h gegen die Mauer fährt?” — “Der Heckspoiler.”)

  34. Hmmmmm okaaaay … …

    Aber das „Umfrage-Monzafahren“ verdient einen Kreativpunkt, LOL.

    ^_°J.

  35. Habe vor kurzem poll smashing entdeckt, ich glaube, auf Pharyngula. Es scheinen also auch Muttersprachler das crashing genauso fehlinterpretiert zu haben wie ich anfänglich.

  36. Gerade ist ein interessanter Artikel über Poll-Crashing erschienen:
    Poll Crashers Tilt Unscientific Polls Their Way. (@David: Hej, wir werden reich & berühmt! :-) )

    Erfolgreich gecrashte Polls werden auf Pharyngula übrigens gerne auch als “pharingulized” bezeichnet.

    ^_^J.

  37. Arrgh, das sollte eigentlich “pharyngulated!” werden, aber “pharyngulized” wird auch ab und zu verwendet.

    ^_^J.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.