My home is my castle

Ein paar Nachgedanken zu meinem Beitrag vom Freitag.

Der Nachdruck, mit dem einige Kommentatoren auf der Idee bestanden haben, die USA seien ein englischsprachiges Land, hat mich verwundert. Nein, eigentlich nicht. Diese Idee ist nun einmal fest in unseren Köpfen verankert. Selbst meine Studenten (die ja immerhin zu einem beträchtlichen Teil Amerikanisten werden wollen), glauben es mir schlicht nicht, wenn ich es in meinen Seminaren erwähne. Aber es ist eine Tatsache: die USA haben keine Nationalsprache (die Verfassung ist zwar in englischer Sprache abgefasst, aber sie sagt nichts zum Status dieser Sprache) und sie haben auch keine Amtssprache.

Dreißig amerikanische Bundesstaaten haben dem Englischen eine gesetzlich festgeschriebene offizielle Rolle auf Staatenebene verliehen, die meisten seit den 1970er Jahren (darunter auch Florida). Aber in der Praxis gehen viele dieser Staaten mit dieser Rolle bislang recht großzügig um und bieten zum Beispiel Führerscheinprüfungen, Steuererklärungen und öffentliche Bekanntmachungen in verschiedenen Sprachen an.

Der Kongress der USA beschäftigt sich regelmäßig mit Anträgen, die darauf abzielen, das Englische auch auf Bundesebene gesetzlich zu verankern. Der Gesetzesentwurf des New Yorker Republikaners Peter King aus dem letzten Jahr ist ein typisches Beispiel. Der entscheidende Abschnitt darin ist der folgende:

The Government of the United States shall preserve and enhance the role of English as the official language of the United States of America. Unless specifically stated in applicable law, no person has a right, entitlement, or claim to have the Government of the United States or any of its officials or representatives act, communicate, perform or provide services, or provide materials in any language other than English. If exceptions are made, that does not create a legal entitlement to additional services in that language or any language other than English.

Die Regierung der Vereinigten Staaten wird die Rolle des Englischen als offizieller Sprache der Vereinigten Staaten von Amerika schützen und stärken. Außer dort, wo ein Gesetz es vorschreibt, hat niemand ein Recht, ein Anrecht oder einen Anspruch darauf, dass die Regierung der Vereinigten Staaten oder einer ihrer Beamten oder Vertreter in irgendeiner Sprache außer dem Englischen zu handeln, zu kommunizieren, Dienstleistungen auszuführen oder Materialien anzubieten. Wenn Ausnahmen gemacht werden, so ergibt sich daraus kein Rechtsanspruch auf zusätzliche Dienste in dieser Sprache oder irgendeiner anderen Sprache außer dem Englischen.

(Im nächsten Abschnitt wird dann sofort eine Ausnahme für den Gebrauch anderer Sprachen „zu religiösen Zwecken“ gemacht — Religion steht in den USA dann doch über dem Ideal der Einsprachigkeit).

Der Gesetzestext ist sehr offenherzig, was seine Motivationen angeht — hier geht es nicht um transparente Kommunikation, die Vermeidung von Parallelgesellschaften oder darum, Einwanderern vollen Zugang zum kulturellen und politischen Leben zu ermöglichen, wie einige Kommentare zu meinem Beitrag vom Freitag vorschlagen. Hier geht es um das genaue Gegenteil: jeder, der nicht Englisch spricht, soll von der Teilnahme am öffentlichen Leben und von der Wahrnehmung seiner Bürgerrechte ausgeschlossen werden. Die American Civil Liberties Union hat das durchschaut und sich wiederholt gegen solche Gesetzesvorschläge ausgesprochen (zum Beispiel hier).

Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, hält solche Gesetze auch für falsch. Letzte Woche sagte er in einer Fragestunde nach einer Ansprache in Georgia folgendes:

Now, I agree that immigrants should learn English. I agree with that. But understand this. Instead of worrying about whether immigrants can learn English — they’ll learn English — you need to make sure your child can speak Spanish. You should be thinking about, how can your child become bilingual? We should have every child speaking more than one language.

Also, ich stimme Ihnen zu, dass Einwanderer Englisch lernen sollten. Ich stimme dem zu. Aber sie müssen folgendes verstehen: Statt sich zu Sorgen, ob Einwanderer Englisch lernen werden — sie werden es lernen — sollten Sie sich darum kümmern, dass Ihr Kind Spanisch lernt. Sie sollten darüber nachdenken, wie Ihr Kind bilingual werden kann. Wir sollten dafür sorgen, dass jedes Kind mehr als eine Sprache sprechen kann.

Das Interessante ist, dass Obama mit dieser harmlosen Bemerkung die Mehrheit seiner potenziellen Wähler gegen sich hat: in einer Meinungsumfrage von Rasmussen Reports, die eine Woche vor Obamas Rede veröffentlicht wurde, sprachen sich 68 Prozent der Amerikaner gegen die Idee aus, dass jeder Amerikaner mindestens zwei Sprachen sprechen sollte und 65 Prozent waren der Meinung, Regierungsdokumente und Wahlzettel sollten nur in englischer Sprache veröffentlicht werden.

Die Angst derjenigen, die fest im Sattel sitzen, vor denen, die derzeit noch nebenher laufen müssen, mag ja verständlich sein. Aber 20 Prozent aller Amerikaner sind keine englischen Muttersprachler, und da die Zuwanderungsrate in die USA deutlich über der Geburtenrate liegt, wird sich das Verhältnis weiter zu Ungunsten des Englischen verschieben. Und irgendwann wird sich das Englische in den USA als gleichberechtigte Sprache unter vielen verstehen müssen. Oder es wird den Weg des Cherokee gehen.

21 Kommentare zu „My home is my castle“

  1. Und ich stimme Barack Obama in jedem Punkt zu.

    In den USA (möglicherweise in der ganzen englischsprachigen Welt) ist wohl die Erkenntnis noch nicht gereift, dass Mehrsprachigkeit keinen negativen Einfluss auf die Sprachkompetenz hat, würde ich schätzen… ist bei uns ja auch nicht allzu lange her, dass sich das geändert hat, wie ich so höre, oder?

  2. Ich hab da mal ne Frage.
    Mein Eindruck ist ja auch, dass der „Durchschnittsamerikaner“ ungerne eine Fremdsprache lernt, bzw sogar sich vor einem Urlaubstrip nicht die Mühe macht simpelste Floskeln zu erlernen.
    Kann das jemand bestätigen/widerlegen?
    Also so in der Gesamtheit, dass es durchaus Ausnahmen gibt ist mir klar.
    Also ich beherrsche leider nur leidlich englisch, versuche mir aber immer einige Sätze in anderen Sprachen zu merken, und versuche es im (europäischem) Ausland immer erst auf englisch, auch wenn ich dann auf viele deutsch sprechenden Menschen gestoßen bin. (Belgien, Niederlande, Ungarn, und sogar Italien).
    Weil ich in London diese Chickenbuden nicht leiden konnte, hab ich mich über eine Dönerbude dort gefreut, und ein paar Floskeln auf türkisch gewechselt.
    “Guten Tag” “Danke” “Sehr schön” etc.; hat die Besitzer glaub ich auch etwas überrascht.
    Also ich versuche zumindest ernsthaft immer etwas „Good will“ zu zeigen, wenn ich in ein anderes Land reise.
    Wie viele US-Soldaten lernen wohl zumindest ein paar Brocken arabisch, die dort im Irak stationiert sind?

    Mein persönlicher Eindruck ist zumindest, dass viele Amerikaner, was die Sprache betrifft, in höchstem Maße arrogant durch die Welt reisen.

  3. Es geht weniger um einen negativen Einfluss auf die Sprachkompetenz, eher um eine allgemeine Faulheit der US-Amerikaner. Die meisten müssen ja nicht lernen, da sie kaum Kontakt mit Spanischsprechern in ihrem täglichen Leben haben.

    Steigt der Anteil der Einwanderer, werden mehr langsam anfangen, Spanisch zu lernen.

    Zu ihrer Frage vom letzen Eintrag: L. Rosen, was halten Sie von folgender Aussage:

    „Sorry, aber Leute, die in die USA kommen, sollen Christen werden. Das Christentum ist zwar keine offizielle Religion, es ist aber die Hauptreligion des Landes. Den Einwanderern ihre eigenen Weltsichten zu erlauben würde ein geringerer Anreiz für sie sein, zum Christentum zu konvertieren.

    Das kann man nicht vergleichen. Man muss nicht Christ sein, um in unserer Gesellschaft gut aufgehoben zu sein. Um einzukaufen. Um ein Bankkonto zu eröffnen. Um durch die Bürokratie zu navigieren. Als ich vor 8 Monaten nach Deutschland gekommen bin musste ich auch Deutsch sprechen, um alles zu machen.

    Es tut mir Leid, dass ich so Arrogant im letzen Beitrag erschien. In Deutschland muss jeder Ami sich einigermaßen angegriffen fühlen. Ich wähle für Barack Obama. Ich liebe Sprachen und empfehle. Und ich bin zu arm für eine hispanische Putzfrau.

  4. Ich verstehe nicht recht, auf welche Weise lose Anekdoten aus der Reihe „Argumente vom persönlichen Eindruck her“ hier substantiell zur im Haupteintrag angeregten Debatte beitragen sollen. Fest steht, daß es starke Kräfte in den USA gibt, die Englisch als „offizielle“ Sprache einführen wollen, und starke Widerstände dagegen, und beide Seiten haben ihre (kultur-)politische Agenda. Ein guter Einstieg in diese Debatte ist Mark Liebermanns Eintrag “Dare to be bilingual” auf Language Log, zum einen wegen der weiterführenden Links (besonders auch in den verlinkten Kommentaren), zum anderen wegen der Erwähnung der oft ins Feld geführten (und recht dubiosen) „symbolischen Funktion“ einer solchen Beförderung des Englischen zur „offiziellen“ Sprache, und was sich aus dieser Symbolik dann ganz schnell entwickeln kann.

    Um dazu das ganze auch mal ein wenig in die europäische Perspektive zu rücken, möchte ich zudem auf Marks Eintrag “The academy strikes back” hinweisen: Hier läßt sich ein Eindruck davon gewinnen, wie die von vielen als Extrempositionen empfundenen Standpunkte in den USA durchaus gängige Theorie & Praxis sind in der Französischen Republik. (Und hier haben wir, nebenbei, auch ein schönes Pendant von einem europäischen Nachbarn zum kürzlichen Bananendisput hier auf dem Bremer Sprachblog.

    ^_^J.

  5. @L. Rosen (#3): Ich wollte nicht Sie persönlich angreifen, sondern Ihre Aussagen. Wenn ich dabei etwas über das Ziel hinausgeschossen bin, möchte ich mich dafür entschuldigen. Sie erwähnen, dass man sich als Amerikaner in Deutschland schnell angegriffen fühlt. Dazu kann ich sagen, dass Amerikaner sich nach meiner Erfahrung generell sehr schnell angegriffen fühlen, wenn man ihren häufig sehr simplizistischen Sichtweisen nicht zustimmen will. Und das ist nicht nur hier so, sondern auch im eigenen Land (ich habe viele Jahre in den USA gelebt). Als Europäer ist man doch stärker an inhaltliche Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten gewöhnt. Das ist jetzt NICHT als persönlicher Angriff gemeint, sondern als allgemeine anekdotische (Sorry, Gyokusai) Beobachtung.

  6. Achtung, kein konstruktiver Beitrag! (kürzlich in einem Film gehört):
    Wie nennt man jemanden, der viele Sprachen spricht? - polyglott
    Wie nennt man jemanden, der nur eine Sprache spricht? - Amerikaner

  7. Zur Verteidigung unserer Freunde und Feinde aus den Vereeinigten Staaten:

    Wer es sich leisten kann, nur eine Sprache zu “können”, wieso sollte er oder sie es sich nicht leisten! Das hat nichts mit Faulheit zu tun, das ist negativer Opportunismus. Nennt mir einen guten Grund, wieso ein US-Amerikaner, dessen Muttersprache Englisch ist und der in Miami lebt, Spanisch lernen sollte, wenn sein Freund Hans-Jürgen-Detlef-Franz aus Berlin, Kreuzberg, nichts dafür tut um Türkisch zu lernen! Ob die “Hauptsprache” jetzt offiziell ist oder nicht, ist doch eher “Schein” als “Wesen des Problems”.

    Ich finde die Amerikaner gehen viel besser mit ihrem kleinen “Sprachproblem” um als die Deutschen. Spanisch ist eine Sprache, die an jeder normalen Schule in den USA unterrichtet wird. Wie viel tut man in Huchting, Bremen oder in Kreuzberg, Berlin dafür, dass die deutschen Kinder Türkisch lernen? Dass die Türken nicht schon seit Karl dem Großen hier leben, ändert nichts daran, dass sie - genauso wie die Spanisch sprechende Bevölkerung - eine große Minderheit sind.

    Das ist auch übrigens mein Problem mit den ständigen Anti-USA-Nörglern - die mangelnde Selbstreflektion. Natürlich sind die USA häufig die Anführer und Anstifter des Elends und des allzu Dummen, aber von wem haben sie das ursprünglich gelernt? Von den Europäern und Europa ist gleich auf Rang zwei hinter den USA auf der Weltrangliste für die Verbreitung von Elend und Unsinn. Kritisiert die USA angemessen, vergisst dabei aber Europa (und den Rest der Welt) nicht!

  8. Ich stimme zu. In Deutschland sind Sprachkenntnisse sehr wichtig, weil die für beruflichen Erfolg vorausgesetzt werden. Dass die Deutschen mehr Sprachen können ist daher nicht unbedingt ein Merkmal einer überlegenen kulturellen Aufgeschlossenheit. Im Gegenteil, wie Sie sich geäußert haben, Türkisch wird kaum unterrichtet.

    Amerikaner gehen einfach anders mit Meinungsverschiedenheiten um. Wir finden es einfach unhöflich, wenn man unaufgefordert eine starke Meinung äußert. Vielleicht halten viele Deutschen es für einfaltig, aber diese Vorgehensweise hat auch Vorteile und ist wirklich ein kultureller Unterscheid zwischen Deutschland und den USA. Deswegen ist es doch total nachvollziehbar wenn sich Amerikaner manchmal in der Anwesenheit von Deutschen angegriffen fühlen.

  9. Wir finden es einfach unhöflich, wenn man unaufgefordert eine starke Meinung äußert.
    Stimme ich nicht unbedingt zu. Ich finde wir sind zu oberflächlich, und höre solche Meinungen gern.

    Vielleicht war “angegriffen” eine schlechte Wortwahl. Ich meinte eher, dass ich ja immer erklären muss, dass obwohl ich ja Ami sei, wähle ich doch für Obama, beschimpfe Bush, interessiere mich für die Umwelt, habe eine offene Weltanschauung, und so weiter und so fort, und deswegen nicht verantwortlich bin für das Verhalten meines Landes.

  10. Kann ich das also so interpretieren, dass die meisten meinen Eindruck teilen und dass Herr Rosen die berühmte Ausnahme ist?
    Aber trifft dieser subjektive Eindruck auch zu?
    Gibt es da Zahlen drüber?
    Herr Stefanowitsch, was sagen Sie dazu, als Fachmann und insbesondere als Amerikakenner?

    @ Zetterberg,

    das Deutsche insbesondere in Problemvierteln türkisch lernen, halte ich für durchaus sinnvoll, bzw Berufsgruppen die damit verstärkt zu tun haben werden, Polizisten, Sozialarbeiter, Ärzte; aber Sie verkennen doch, dass fast alle Deutsche ab der 5. Klasse Englisch lernen und sehr viele ab der 8. oder 10. eine weitere Fremdsprache. Für die allgemeine Hochschulreife sind ausreichende Kenntnisse in mind. zwei Fremdsprachen erforderlich.
    Ist das in den Staaten auch so?

    Eine Idee von mir ist ja, dass die zweite Frmdsprache an jeder Schule, diejenige sein sollte, deren Landesgrenze jeweils am Nächsten liegt.

  11. Waren schon Wahlen in den USA? Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama,…

  12. @ corax:
    > Eine Idee von mir ist ja, dass die zweite Frmdsprache an jeder Schule, diejenige sein sollte, deren Landesgrenze jeweils am Nächsten liegt.

    Warum gerade geographische Nähe, deren Bedeutung doch immer mehr abnimmt (Fernkommunikation, Fernhandel, Fernterrorismus-Angst, …)?

    Als zweite Fremdspache wäre ebensogut die des größten Im-/Exportpartnerlandes gerechtfertigt, oder die des Landes / der Region mit der größten wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Oder die Herkunftsspache der meisten Immigranten? Oder die des Ziels der meisten Emigranten. Oder einfach die Herkunftsspache der meisten ausländischen Ehepartner. :-)

    Nachbarschaft ist kaum noch ein räumlicher Begriff, oder?

  13. @ Fernundgut,

    nicht jeder reist viel oder hat geschäftlich mit dem Ausland zu tun.
    Mein Vater wohnt direkt an der niederländischen Grenze und hat in Holland seine Stammkneipe, (20m vom ehemaligem Schlagbaum entfernt). Er ist praktisch der einzige Deutsche seit 60 Jahren der dort verkehrt. Fast kein einziger „Ureinwohner“ dort spricht niederländisch. Andere Seite das selbe Spiel, die Leute in Frankfurt/Oder fahren über die Grenze zum Tanken oder zum Frisör aber fast niemand spricht polnisch.
    Wir reißen die Schlagbäume und Zollhäuschen in Europa ein, aber an den Grenzen tut sich nix im Sinne der Völkerverständigung. Es wäre doch schön wenn man sich mit seinen „Nachbarn“ unterhalten könnte, und z.Bsp die Kinder auf der anderen Seite zur Schule gehen weil dort das Angebot besser ist.
    In Kleve ist halt niederländisch sinnvoller als türkisch und in Frankfurt polnisch und in Dresden tschechisch.
    Hier bei mir im Pott könnte man natürlich über türkisch als Zweitsprache nachdenken, und in Hannover oder Frankfurt/Main über was ganz anderes. Aber in unmittelbarer Grenznähe finde ich es schlicht als eine vertane Chance nicht deren Sprache zu lernen. Außerdem gäbe es auf diese Weise irgendwann eine „Durchmischung“ in unserer Bevölkerung, so daß sich immer irgendjemand finden würde, der die Sprache eines unserer Nachbarländer beherrscht.
    Ein Polizist in München könnte vielleicht dänisch weil er in Kiel aufgewachsen ist.
    Wozu sollten wir allen unseren Kindern beispielsweise griechisch beibringen, bloß weil viele mit Griechen verheiratet sind?
    Ich finde meinen Vorschlag durchaus plausibel. ;–)

    Nachbarschaft ist kaum noch ein räumlicher Begriff, oder?

    Doch, ist er. Wir sind zwar alle im www unterwegs aber waren Sie schonmal bei ebay.nl oder ebay.pl oder ebay.dk?

    Glück auf! :–)

  14. Hallo, Corax,

    > Ich finde meinen Vorschlag durchaus plausibel. ;–)

    Das ist er sicher. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es noch andere vergleichbare Ziele gibt (und der Smiley bei den letzten wurde doch angezeigt?).

    >> Nachbarschaft ist kaum noch ein räumlicher Begriff, oder?

    > Doch, ist er. Wir sind zwar alle im www unterwegs aber waren Sie schonmal bei ebay.nl oder ebay.pl oder ebay.dk?

    eBay nur .co.uk und ganz selten .fr. => Die Sprachen aus der Schule, der Punkt geht an Sie. Aber nicht ganz ohne Widerspruch: Viel Nachbarschaftliches wie Flohmarkt, Kaffeeklatsch, Gesellschaftsspiel, demnächst auch noch Sport, Yoga und Tanz [wenn die Wii hält was das Marketing verspricht] scheint doch aus der räumlichen in die - ich nehm mal die große Münze - “geistige” Nachbarschaft sublimiert zu werden. Würde die grenzüberschreitende bilinguale Nachbarschaft nicht in Gefahr sein, auf Einkauf, Tanken, Verwaltung und die Prä-WWW-Generationen eingeschränkt zu bleiben? Und durchführbar? Hier vermute ich ein Henne-Ei-Problem zwischen Sprachlehre und -Anwendungsmöglichkeiten.

    Schönes Wochenende, Herr oder Frau Nachbar, wo immer Sie gerade sind! :-)

  15. Interessanter Beitrag… Muss ich mal in irgend einer Form aufgreifen… Danke!

  16. Ich habe mich etwas hierüber gewundert:
    “Manuel Castillo, a California trucker with twenty years experience, was stopped and ticketed by an Alabama state trooper for failure to speak English well enough.”
    http://illinois.edu/blog/view?blogId=25&topicId=2029&count=1&ACTION=VIEW_TOPIC_DIALOGS&skinId=286

    (via http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/?p=378)

    Kurze Anmerkung:
    @gyokusai, Zitat: “Ich verstehe nicht recht, auf welche Weise lose Anekdoten aus der Reihe „Argumente vom persönlichen Eindruck her“ hier substantiell zur im Haupteintrag angeregten Debatte beitragen sollen.” Ich verstehe das wiederum sehr gut. Wenn “Anekdoten aus der Reihe „Argumente vom persönlichen Eindruck her“” hier zu Naserümpfen führen, sollte man die Kommentarfunktion vielleicht besser ganz abschaffen.

    Unabhängig davon stimmte ich dem Statement von corax nur eingeschränkt zu. Sicher gibt es in den USA (wie auch in anderen anglophonen Ländern!) eine eklatante Zurückhaltung gegenüber dem Lernen von Fremdsprachen; das ist keine neue oder aufregende Beobachtung. Daraus aber eine besondere “Faulheit” abzuleiten, ist mindestens so lange unzulässig, wie man nicht nachweisen (oder zumindest plausibel argumentieren) kann, dass Angehörige anderer Nationen bzw. Sprachgemeinschaften größeren Fleiß an den Tag legen würden, wenn ihre Muttersprache zufällig die weltweit mit Abstand verbreitetste Verkehrssprache wäre.

  17. @ Thomas,

    Daraus aber eine besondere “Faulheit” abzuleiten, ist mindestens so lange unzulässig, wie man nicht nachweisen (oder zumindest plausibel argumentieren) kann, dass Angehörige anderer Nationen bzw. Sprachgemeinschaften größeren Fleiß an den Tag legen würden, wenn ihre Muttersprache zufällig die weltweit mit Abstand verbreitetste Verkehrssprache wäre.

    das ist ja nun auch falsch.
    a) habe ich gesagt, dass das mein subjektiver Eindruck ist
    b) habe ich unter #10 nach Erklärungen gefragt
    c) muss ich, wenn ich einen bestimmten Sachverhalt attestiere und bemängele,
    doch nicht Beweis erbringen, dass andere nicht auch so handeln würden.
    Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
    Erinnert mich an Schäuble der sagte: „Wer Guantanamo kritisiert, der muss sagen was die Alternative sei.“

    Deshalb:
    “Der größte Eingriff in die Redefreiheit ist der Aufruf, zu schweigen bevor man es besser gemacht.” (Alberto Green)

    Glück auf!

  18. @corax: Alles vollkommen unbestritten. Insbesondere dein Recht auf die Kundgabe des subjektiven Eindrucks (a) hatte ich ja ausdrücklich verteidigt, sodass ich mich von der im Zitat transportierten Ermahnung in keiner Weise angesprochen fühle - und von dem absurden Schäuble-Vergleich erst recht. Zu c) - selbstverständlich muss man das nicht, man “muss” gar nichts. Wer aber - wie leisetreterisch auch immer - an anderen Arroganz bemängelt, nimmt wohl oder übel in kauf, dass andere dies ihrerseits als etwas arrogant empfinden können. ;)

  19. @ Thomas,

    das Schäublezitat viel mir nur spontan als erstes ein. Das ist natürlich „Starker Tobak“ und war nicht als persönlicher Angriff gedacht.
    Das Alberto Green Zitat ist mir neulich untergekommen und ich finds ganz passend.
    Aber mit Ihrem erstem und letztem Satz drehen wir uns doch im Kreis.
    Danach dürfte man doch gar nichts mehr kritisieren, ohne sich Ihrer Ansicht nach selbst kritikwürdig zu machen.

    Glück auf!

  20. Hier hacken ja alle auf den Amerikanern herum. Die sich ja bekanntlich weigern andere Sprachen zu sprechen. Dem möchte ich mal etwas entgegenwirken:

    http://www.welt.de/reise/article2234689/Das_sind_die_beliebtesten_Touristen_der_Welt.html

    Zitat: “Eine fremde Sprache zu lernen ist schwierig, aber die US-Amerikaner geben sich die meiste Mühe, Kenntnisse in der Landessprache zu erwerben.”

    Das sagen zumindest die Hoteliers in aller Welt! Deutsche und Niederländer kommen auch nicht schlecht weg. Aber warum auf die Verwandten in Übersee schimpfen, wenn die Sturköpfe doch schon ganz in der Nähe leben:

    “Am wenigsten sprachbemüht: Franzosen, Chinesen und Japaner.”

    Ich glaube, da sind noch eine ganze Menge Vorurteile im Spiel. Entweder bei den Hoteliers (mag ja auch sein) oder in der eigenen Heimat, wo der Antiamerikanismus seine Blüten treibt.

  21. “(Im nächsten Abschnitt wird dann sofort eine Ausnahme für den Gebrauch anderer Sprachen „zu religiösen Zwecken“ gemacht — Religion steht in den USA dann doch über dem Ideal der Einsprachigkeit).”

    Wie soll der Staat mit jemandem “zu religiösen Zwecken” kommunizieren? Das wäre doch die Anerkennung eines religiösen Bekenntnisses.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.