Untätige Germanisten

Von Thomas Müller

In der aktuellen Ausgabe 1/2008 der Sprachnachrichten, einem Organ des sprachpflegerich aktiven Vereins Deutsche Sprache (VDS), findet sich, neben anderen sprachschützenden Artikeln, ein Kommentar Gerd Schrammens, der sich mit den „befremdlichen Argumenten“ der sprachnörgelresistenten Germanisten auseinanderzusetzen versucht.

Schrammen fordert, dass die Germanisten „ihre gesellschaftlich anerkannte Autorität nutzen“ sollten, um gegen die zunehmende Anglisierung teutonischer Wortkunst vorzugehen. Bevor er aber dazu kommt, diagnostiziert er erst die ihn erschreckende Untätigkeit der Genannten:

Nein, sie gehen nicht auf die Barrikaden. Und sie zucken nicht zusammen angesichts ständig neuer Beispiele für die Anglisierung der deutschen Sprache. Im Gegenteil, sie finden nichts dabei. Und wenn sie sich öffentlich zu Denglisch äußern, verharmlosen sie die unwillkommenen Veränderungen der deutschen Sprache.

Wer nun erwartet, darüber aufgeklärt zu werden, warum diese Veränderungen „unwillkommen“ sein sollten, wird enttäuscht. Stattdessen beschränkt sich der Autor darauf, festzustellen, dass sie es seien, was hauptsächlich in einem Lamento über die Unnötgkeit diverser Anglizismen endet. Überflüssig seien demnach Rope-Skipping, Card, Nanny, Computer, Single, Service, [Börsen-]Crash, Slip, Shirt, Pool, Snack und Service Point. Stattdessen schlägt er vor: Seilspringen, Karte, Kinderfrau/-mädchen, Rechner, Junggeselle, Kundendienst, Börsenkrach, Unterhose, Hemd, Schwimmbecken, Imbiss und Auskunft.

Während der Sprachnörgler den Zeigefinger hebt und irgendwas von „unnötig“ oder „überflüssig“ sagt, fragt der von Schrammen kritisierte Sprachwissenschaftler sich, warum diese Anglizismen Verwendung finden. Es ist hier durchaus opportun, ein evolutionstheoretisches Modell anzulegen, und anzunehmen, dass die „Denglisch“-Varianten deshalb verwendet werden, weil sie einen Vorteil mit sich bringen.

Wie Anatol Stefanowitsch schon mehrfach demonstriert hat, liegt dieser Vorteil sehr häufig in kleinen Bedeutungsnuancen, die Schrammen und Konsorten zu entgehen scheinen. Bei einigen seiner Beispiele scheint das fast offensichtlich. Aber befragen wir Google.

Zum Slip spuckt die Suchmaschine als erstes einen Link zu Wikipedia aus, die ihn folgendermaßen definiert:

Unter einem Slip versteht man eine relativ knappe, eng anliegende Unterhose oder Badehose, die ohne Beinansatz geschnitten ist.

Das lässt sich auch mit einer kurzen Google-Bildersuche leicht bestätigen. Und, nebenbei, wie eine unrepräsentative Blitzumfrage ergab, auch mit der persönlichen Kommunikationserfahrung eines durchschnittlichen Geschlechtsreifen. Der Anglizismus bezeichnet also einen Unterbegriff zum Wort Unterhose.

Ähnliches ergibt sich für den Begriff Single, das der Autor durch Junggeselle ersetzt wissen will. Google weiß, dass der Junggeselle hauptsächlich im Kontext des Junggesellenabends gebraucht wird, hingegen kaum alleinstehend. Diese Aufgabe hat der Single übernommen. Das könnte daran liegen, dass er auch gleich noch die ohnehin unbeliebte Junggesellin (8460 Googletreffer versus 9.070.000 für Junggeselle) abgelöst hat. Der Anglizismus ist hier der Oberbegriff zu Schrammens deutschem Vorschlag.

Auch für die Begriffspaare Snack/Imbiss, Computer/Rechner, Service/Kundendienst lässt sich diese Bedeutungsdifferenz in die eine oder die andere Richtung feststellen.

Aber zurück zum ersten Beispiel, und zur Sprachwissenschaft: Unterhose ist der Oberbegriff (Hyperonym) zu Slip (Hyponym). Daneben gibt es aber auch noch z.B. Boxershorts oder lange Unterhosen (Kohyponyme). Schrammen behauptet also die Synonymität eines Hyponyms mit dem zugehörigen Hyperonym, und leitet daraus die Überflüssigkeit des Ersten ab. Das ist doppelt falsch: Sollten wir das Wort Sandale aus unserem Lexikon streichen, weil wir genauso gut Schuh sagen könnten? Und selbst wenn wir ihm das zugeben – warum sollte ein Synonym unnütz sein? Witzigerweise plädiert der gleiche Autor im gleichen Heft in einem anderen Artikel dafür, österreichische Ausdrücke wie Paradeiser nicht durch standarddeutsche Synonyme wie Tomate zu ersetzen. Wenn Synonymie mit einem mundartlichen Ausdruck vorliegt, ist das sinnvoll, mit einem Anglizismus jedoch nicht?

Interessant ist das Begriffspaar Shirt/Hemd – Schrammen behauptet, dass das Erstere das Letztere verdrängt habe. Hier ist ein Oberbegriff schwierig bzw. womöglich gar nicht auszumachen. Trotzdem dürften die meisten Sprecher die starke Intuition haben, dass es sich nicht um dasselbe handle, Shirt also nicht für Hemd verwenden. Google verweist denn auch darauf, dass Shirts zumeist T-Shirts sind, Hemden hingegen… nunja, Hemden – diese vorne zuknöpfbaren Dinger mit Kragen. Daneben gibt es noch Mischformen, namentlich das Poloshirt. Nun kommt es darauf an, diese Bedeutungsdifferenz sprachwissenschaftlich zu fassen – eine einfache Möglichkeit bietet die Komponentenanalyse (oder: Lexikalische Dekomposition), die versucht, einzelne Begriffe auf ihre Bedeutungsbestandteile zu reduzieren. Das ist in sprachwissenschaftlichen Einführungen eine sehr beliebte Fingerübung. Dazu zerlegt man die Begriffe in ihre Bedeutungskomponenten, ihre Seme, im Falle von Shirt und Hemd z.B., dass es sich um zweiärmlige Kleidung handelt. Das notiert man dann so: [+Kleidung], [+zweiärmlig]. Das führt man fort, bis man alle notwendigen Merkmale beschrieben hat. Für uns relevant sind aber die unterschiedlichen Komponenten der beiden Wörter – gäbe es keine, wären sie synonym und Schrammen hätte zumindest damit Recht. Gemäß unseren Googleergebnissen können wir aber feststellen:

Hemd [+offen] [+zum Zuknöpfen] [+Kragen]
Shirt [-offen] [-zum Zuknöpfen] [-Kragen]
Poloshirt [-offen] [+zum Zuknöpfen] [+Kragen]

Die Unterschiede lassen sich also problemlos formal beschreiben. Hier haben wir Begriffe, die starke semantische Gemeinsamkeiten haben (Kleidung, zweiärmlig, usw.), sich aber dennoch in einigen Komponenten unterscheiden. Der Sprachwissenschaftler nennt das dann Heteronym, und freut sich, wenn er sprachästhetisch veranlagt ist, ganz privat über die Vielfalt der deutschen Sprache.

Diese Betrachtung liefert auch gleich eine mögliche Erklärung dafür, dass Shirt sich so hartnäckig hält: Der Bedeutungsunterschied zu Hemd ist nicht nur vorhanden, sondern sogar ziemlich umfangreich. Das hat bisher auch das Hemd davor beschützt, zu einem Shirt zu werden. Dem Anglizismenjäger sei gesagt: Ein Heteronym streichen zu wollen, heißt, rot zu verbannen, weil man ja auch grün sagen könne.

Für die verbliebenen Wortpaare kann man ähnliche Methoden verwenden, um etwaigen semantischen Differenzen auf die Schliche zu kommen. Bei einigen davon ist das alles andere als offensichtlich – googelt man etwa nach „Nanny Kindermädchen“, so findet man zahlreiche Seiten, auf denen diese Begriffe auf den ersten Blick synonym gebraucht werden. Wo es der Sprachnörgler nun bei diesem Blick belässt, wirft der Sprachwissenschaftler einen zweiten und dritten Blick auf das zu Erklärende. Wenn Google nicht hilft, mögen andere Methoden helfen – Möglichkeiten zu empirischen Studien gibt es genug. Wichtig ist festzuhalten: Nur weil es so aussieht, dass ein Begriff zu einem Anderen synonym und/oder überflüssig ist, muss er es nicht sein.

Die Denkweise der Sprachkritiker, die diesen Schluss ständig ignoriert, ist nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht unbefriedigend, sie ist auch arrogant und anmaßend – schließlich unterstellt sie großen Sprechergruppen mangelnde Sprachkompetenz.

Das ist unverfroren genug, Schrammen packt aber noch einen drauf. Er attestiert den Sprachwissenschaftlern einen „Blick aus großer Höhe“. Sie schauten nur auf die Sprache als Ganzes, als „abstraktes Zeichensystem“. Der Vorwurf geht noch weiter:

Der alltägliche Sprachgebrauch, das sprachliche Einzelereignis, über das der Bürger sich empört, gerät bei solcher Vogelschau auf die Sprache nicht in den Blick.

Eine solche Umkehrung der Verhältnisse ist eine kolossale Leistung, fast schon unverschämt. Wie die obigen Betrachtungen sowie zahlreiche hiesige Blogeinträge Anatol Stefanowitschs exemplarisch zeigen, geht es Sprachwissenschaftlern sehr wohl um „sprachliche Einzelereignisse“, darum, dem „Bürger“ auf’s Maul zu schauen. Empirische Studien sind ein wichtiges Instrument der Linguistik, und um deren Ergebnisse einordnen und erklären zu können, hat sie viele Methoden und Theorien entwickelt.

Im Gegensatz dazu stehen Sprachnörgler wie Gerd Schrammen, die sich einen feuchten Kericht um die Sprache der Deutschsprecher kümmern, und stattdessen ihren persönlichen Sprachgebrauch auf die ganze Sprechergemeinschaft extrapolieren.

Die attestierte Untätigkeit der Germanisten ist ergo schlicht eine Fehldiagnose. Sie tun nicht das, was die Sprachkritiker fordern – das heißt aber keinesfalls, dass sie nichts täten. Sie beschreiben, sie schreiben nicht vor. So wenig wie die Physik der Schwerkraft vorschreibt, wie sie zu funktionieren hat, schreibt die Linguistik der Sprache vor, wie sein soll.

Darum schweigen die Germanisten – und es wäre dem Deutschen und seinen Sprechern durchaus geholfen, wenn auch die wissenschaftsresistenten Sprachnörgler ihre Aggro auf die unschuldigen Sprecher ein wenig abbauen würden.

© 2008 Thomas Müller

Thomas Müller kämpft seit kurzem auf seinem eigenen Blog, Nörgeln, immer nur nörgeln, gegen Sprachnörgler und andere Realitätsverweigerer.

Das Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft der Universität Bremen übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt dieses Beitrags. Die alleinige Verantwortung für den Inhalt, sowie die Urheber- und Nutzungsrechte liegen beim Verfasser.

29 Kommentare zu „Untätige Germanisten“

  1. Die Sprachwissenschaft ist eben beschreibend, nicht vorschreibend. Sie beobachtet, und das auf verschiedene Arten, auch empirisch. Sie konstruiert Modelle, um das Beobachtete zu verstehen und neue Beobachtungen vorherzusagen. Das sind zwei Punkte, die sie mit der Physik gemeinsam hat. Nur würde niemand auf die Idee kommen, der Physiker möge der Sonne vorschreiben, sich ab sofort um die Erde zu drehen, weil das doch viel geschickter/passender/traditioneller/logischer/sonswie besser sei.

  2. Ohne jetzt nörgeln zu wollen (im großen und ganzen bin ich sehr einverstanden): im britischen Englisch ist slip ein Unterrock, im Französischen eine Unterhose. Ich weiß nicht, wie weit sich die französische Bedeutung ins Deutscbhe eingeschlichen hat oder was für eine Unterhose es sein soll.

  3. Sehr schöne und eindeutige Resultat erzielt die Google-Bildersuche nach “wearing a slip”. Google ist ja mehr oder weniger der Korpus des kleinen Mannes - und bestätigt auch bei der Suche nach “slip femme”, dass MM recht hat und die Deutschen also offensichtlich sprachlich NOCH unterwürfiger sind, als sich die Aktion Lebendiges Deutsch vorstellen kann - denn wer übernimmt schon einen Scheinanglizismus aus einer anderen Sprache, nur weil diese auch ein vermeintlich höheres Prestige als die eigenen Dichter-und-Denkersprache hat? Ts, ts, ts.

  4. Germanisten mit ‘gesellschaftlich anerkannter Autorität’? Wo denn das? Und vor allem, wer denn?

  5. “[D]ie meisten Sprecher [dürften] die starke Intuition haben, dass es sich nicht um dasselbe handle, Shirt also nicht für Hemd verwenden”?
    Wirklich?

    Dann gehöre ich aber eindeutig nicht zu den meisten, und zahlreiche Bekleidungsgeschäft auch nicht. Ich empfinde demzufolge auch nicht, dass Shirt

    Shirt [-offen] [-zum Zuknöpfen] [-Kragen]

    ausdrückt, sondern

    Shirt [+-offen] [+-zum Zuknöpfen] [+-Kragen].

  6. Da lasse ich mich doch glatt lieber als “untätiger Germanist” betiteln (wie seinerzeit, als mich ein Mitglied des VDS aufforderte, meine private(!) Homepage gefälligst auf die alte Rechtschreibung zurück umszustellen), als dass ich mich dem Verdacht aussetze, hyperaktiver Möchtegernsprachhüter mit übertriebenem Sendungsbewusstsein zu sein.

  7. @Wolf
    Google spricht da aber eine ganz andere Sprache. Auch dass Bekleidungsgeschäfte Shirt so verwenden ist mir nicht aufgefallen. Sicherlich spielt da der Sonderfall Polo-Shirt mit rein. Aber ohne Polo? Das lässt sich nicht feststellen.

  8. Schöner Beitrag. Über die genaue Definition von Shirt braucht man nicht zu streiten — klar ist, dass das Wort nicht synonym mit Hemd ist.

  9. Kleine Anmerkung zum nicht näher ausgeführten Unterschied zwischen “Nanny” und “Kindermädchen”: Aufgabe des “Kindermädchens” scheint es eher zu sein, auf die Ernährung und Sicherheit der Kinder acht zu geben, Windeln zu wechseln, sie spielerisch zu beschäftigen etc. - und allenfalls beiläufig zu “erziehen”. Die Aufgabe der “Nanny” ist dagegen stärker pädagogisch, belehrend, sozialisierend… Eher wie das, was man früher “Gouvernante” nannte (hey, das reimt sich…) (Vgl. den englischen Ausdruck nanny-state.) Inwieweit meine Interpretation vielleicht nur durch diese “Super-Nanny-Shows” geprägt ist, sei dahingestellt. :)

  10. > Die Aufgabe der “Nanny” ist dagegen stärker pädagogisch, belehrend, sozialisierend… [… ]Inwieweit meine Interpretation vielleicht nur durch diese “Super-Nanny-Shows” geprägt ist, sei dahingestellt.

    Oder durch die Serie “Die Nanny” :-)

  11. Eine Binsenwahrheit lautet:in einer Sprache gibt es -streng genommen - fast keine Synonyme.Nuancierung und Erweiterung von Bedeutungen geschehen in der Regel durch Binnendifferenzierung, nur in geringem Umfang durch Fremdwort-Import. Die Tausende von Anglizismen decken also kaum einen Bedarf, sondern spiegeln den Tanz ums goldene Kalb der angelsächsischen “Leitkultur”. Ginge es nämlich um Ausdrucksnot bzw.bereicherung, so müßte unser Wetterdienst aus dem Eskimoischen ein Dutzend Wörter einführen, die die verschiedensten Formen von Schnee/Eis bezeichnen. Natürlich Fehlanzeige: die Inuit sind nicht unser Vorbild!
    Übrigens: Philologie mit Physik zu vergleichen, ist eine Beleidigung für letztere. Die geht nämlich rational und experimentell vor. Dagegen ist Sprach”wissenschaft” bestenfalls Erbsen zählende Mustererkennung.

  12. @dieter föhr (#11)

    Eine Binsenwahrheit lautet:in einer Sprache gibt es -streng genommen - fast keine Synonyme.Nuancierung und Erweiterung von Bedeutungen geschehen in der Regel durch Binnendifferenzierung, nur in geringem Umfang durch Fremdwort-Import.

    Können Sie gerne behaupten, ist aber faktisch falsch, wie ein Blick in die deutsche (oder jede andere) Sprachgeschichte zeigt.

    Die Tausende von Anglizismen decken also kaum einen Bedarf, sondern spiegeln den Tanz ums goldene Kalb der angelsächsischen “Leitkultur”.

    Ist hier im Blog so oft widerlegt worden, dass ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen sollte.

    Ginge es nämlich um Ausdrucksnot bzw.bereicherung, so müßte unser Wetterdienst aus dem Eskimoischen ein Dutzend Wörter einführen, die die verschiedensten Formen von Schnee/Eis bezeichnen. Natürlich Fehlanzeige: die Inuit sind nicht unser Vorbild!

    Vor allem haben sie kein Dutzend Wörter für Schnee/Eis:
    http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/01/29/schneeschmelze/
    http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/10/29/schneegestober/

    (Das hat sich eigentlich inzwischen weithin herumgesprochen, dass Sie es nicht wissen, zeigt, wieviel Sie von Sprache verstehen…)

    Übrigens: Philologie mit Physik zu vergleichen, ist eine Beleidigung für letztere. Die geht nämlich rational und experimentell vor. Dagegen ist Sprach”wissenschaft” bestenfalls Erbsen zählende Mustererkennung.

    Kann nur jemand behaupten, der weder von Physik noch von Sprachwissenschaft sehr viel versteht, sich aber trotzdem für eine Autorität in beiden Bereichen hält. Ich rate mal: abgebrochenes Informatikstudium?

  13. ZUM BEITRAG VON FRANK OSWALT( 12)
    Zu den ersten beiden Einwänden:Es genügt, beliebige Websites im spanischen (französ….) Sprachraum mit deutschen zu vergleichen.Da springt ins Auge, wie kreativ intakte, selbstbewußte Sprachen sich semantisch “aktualisieren”.Ohne anglzistische Fetische!
    Zum “SCHNEE”: Nachlesen bei B.L.Whorf” Language, Thought and Reality” (Kann man natürlich nicht wissen, wenn man nur im eigenen Blog-Saft schmort!)
    Zuletzt noch: Wer zwischen elementaren Methoden wie “belegen” (Philologie) und “beweisen” (Physik) nicht zu unterscheiden vermag, für den ist wohl alle Theorie grau.
    Ende.

  14. Da kennt sich aber jemand aus…
    Bei allem Respekt vor Whorf - sein Leben und Wirken ist ja nun schon ein paar Takte her.
    Und dass es sich bei den angeblichen x Wörtern für Schnee um einen populären Irrtum handelt, ist an der Uni lingustisches Einführungswissen.
    Können Sie übrigens auch hier, hier, hier oder hier nachlesen. Und auch sonst so ziemlich überall.
    Willkommen im Blog-Saft, kann ich da nur sagen.

  15. @dieter föhr (#13): Da habe ich mit dem abgebrochenen Informatikstudium wohl einen wunden Punkt getroffen… der Quatsch von “belegen” und “beweisen” zeigt übrigens, dass Sie besser mal zuende studiert hätten. Sie machen es sich hier übrigens nicht leichter, indem Sie zu ihrer längst widerlegten Behauptung von den Eskimowörtern für Schnee auch noch eine Quelle nachreichen, die Sie offensichtlich selbst nie gelesen haben — Whorf spricht in „Science and Linguistics“ (!) von DREI Wörtern für Schnee, nicht von dem von Ihnen behaupteten Dutzend. Wenn Sie sich wenigstens hier im Blog umgesehen hätten, bevor Sie Ihr abgeschriebenes VDS-Gelaber hier abgeladen hätten, hätten Sie sich zumindest diese Peinlichkeit ersparen können. Unser Gastgeber hier im Blog ist leider sehr tolerant im Umgang mit unqualifizierten Kommentaren wie dem Ihren, aber von mir einfach mal das hier: <°{(((><

  16. Hihihi, köstlich. Danke, Anatol, für’s unkommentierte stehenlassen, selten so gelacht.
    Aber warum soll das was Schlechtes sein, ein Informatikstudium abzubrechen, wenn man sich statt dessen für die Linguistik entscheidet? (In meinen Augen hat letzteres wesentlich mehr Realitätsbezug oO) Auch muss ich schon sagen, dass “dieter föhr” schon Recht hat mit der “Erbsen zählende[n] Mustererkennung”, gerade in der Theoretischen… Aber vielleicht sollte man dem “dieter” mal mal sagen, dass wir nach dem Zählen auch in der Lage sind zu sagen, welche Funktion die Moleküle der Erbsen haben und wie sie funktionieren, zumindest bei einigen…

  17. Zu Frank Oswald (15)
    Auf Ihre unflätigen Anwürfe: wer so unsachlich polemisiert, bei dem hat es wohl in Physik und Mathe gehapert.Zum Erbsenzählen scheint`s gereicht zu haben………

  18. Um nu auch mal Erbsen zu zählen ein Seitenhieb auf den Artikel:

    Dieses Rumreiten auf Merkmalssemantik ist ja ganz nett, aber für explanatorische Adäquatheit hätt ich mir schon auch nen deutlicheren Bezug zur Soziolinguistik gewünscht. Es ist ja nicht so, als würde ein “Service-Point” eine treffendere Bezeichnung meines Konzeptes von Hilfe und Information, die mir von geschultem Personal in freundlicher Grundhaltung angedient wird, darstellen als zum Beispiel am Info-Schalter. En contraire, aus leidvoller Erfahrung. Daraus allerdings könnte sich in Bälde eine hübsche semantische Verschiebung ergeben, falls ich mal wieder eine pejorative Bezeichnung für ein Kundenbetreuungsangebot eines beliebigen Großkonzerns suche. Bis es soweit ist: Prestige rules.

    Nett, dass ich hier so ein supernerdiges Blog beim Stöbern gefunden habe. Hallo in die Runde.
    (Und auch, wenn er offensichtlich keine Ahnung von SpraWi und Physik nebst Erkenntnistheorie hat, so hat Dieter womöglich doch zwei zutreffende Aussagen gemacht. Immerhin.)

  19. Dass es streng genommen fast keine Synonyme gibt - und …?

  20. 1. Es gibt keine Synonyme, richtig und 2…
    Das mit dem Goldenen Kalb, witzigerweise. Zumindest, wenn man es als Metapher für “Prestige” englischer Wörter in diversen Sprechsituationen interpretiert. Ich bin recht sicher, dass das Phänomen der gehäuften englischen Fremdwörter viel eher in der Choice of Register zu finden ist, als in semantischer Ziselierung. Mir als deutschem Muttersprachler zumindest ist in vielen Fällen noch kein merkmalssemantischer Unterschied klar, sehr wohl aber eine Konnotation, die mich in der Wahl zwischen diversen Varianten aus einem Pool von Alternativen wählen lässt. In manchmal sehr markierter Form, wie bei meinem oben angeführten “Service Point” Beispiel (von dem ich hoffe, dass es die Urheber bald in den Arsch beißt, wenn man mir die krude Metapher verzeiht). Der erste Teil der Behauptung (Die Tausende von Anglizismen decken also kaum einen Bedarf, sondern spiegeln den Tanz ums goldene Kalb der angelsächsischen “Leitkultur”.), dass kein Bedarf nach Fremdworten bestünde ist natürlich horse shit par excellance.

  21. Es genügt, beliebige Websites im spanischen (französ….) Sprachraum mit deutschen zu vergleichen.Da springt ins Auge, wie kreativ intakte, selbstbewußte Sprachen sich semantisch “aktualisieren”.Ohne anglzistische Fetische!

    Week-end. Flash (mit [a]). Mél (ausgesprochen “mèl” — das Kunstwort courriel wird im Alltag in meiner Erfahrung nicht verwendet). Chewing-gum (ausgesprochen “chuinggomme”, was mir in den Ohren wehtut). Shampooing. Voilà du français, quoi.

    Und nach Satzzeichen macht man einen Abstand. Nicht nur auf dem Computer übrigens.

    “belegen” (Philologie) und “beweisen” (Physik)

    Was für ein Blödsinn. Beweisen kann man in der Wissenschaft prinzipiell nicht, nur widerlegen. Beweise sind etwas für Mathematik und Logik, sonst nichts. Wie soll man denn beweisen können? Indem man die Forschungsergebnisse mit der Wahrheit vergleicht, die man ja nicht kennt?

    —————-

    En contraire

    Au contraire.

    excellance

    Excellence — man hört aber keinen Unterschied.

  22. Nochmal @ Dieter Föhr:

    Ich habe eine Bitte: Unterlassen Sie zukünftig den Gebrauch von
    - Website
    - kreativ
    - intakt
    - semantisch
    - aktualisieren
    - Fetisch
    - Blog
    - elementar
    - Methode
    - Philologie
    - Physik
    - Theorie
    Sie ruinieren uns noch unsere schöne Muttersprache.

  23. @David Mathematik ist immernoch eine Wissenschaft. Also bitte nicht immer diese Pauschalisierungen in Wissenschaften wird nicht bewiesen. Ebenso ist auch Informatik eine Wissenschaft in der (mathematisch)bewiesen wird.
    Und dass z.B. in Physik nicht bewiesen wird ist genauso falsch. Erstens werden aus als wahr erachteten Aussagen (z.B. Hauptsaetze der Physik) Folgeaussagen hergeleitet (bewiesen im mathematischem Sinne) und zusatzelich werden auch nicht mathematisch formelle Beweise durch Experimente gefuehrt. Dass Beweis sich naemlich nur auf die mathematische/logische Bedeutung bezieht ist schlicht falsch.

  24. Na Juhu… auch in der Linguistik wird und wurde schon “bewiesen”, z.B. dass Grammatiken natürlicher Sprachen nicht rein kontextfrei sein können, oder dass bei n frei rankbaren Beschränkungen einer OT-Grammatik maximal 2^{n-1} mögliche sich in ihrem Beschränkungsprofil unterscheidende Kandidaten optimal werden können. Vielleicht sollte man unterscheiden, ob man eine Theorie/ein Modell über empirische Daten beweist, was nicht möglich sein sollte; oder einen Aspekt innerhalb innerhalb einer Theorie/einem Modell, was, in Anbetracht des Vorhandenseins axiomatischer Grundannahmen, durchaus der Fall sein kann.

  25. Erstens werden aus als wahr erachteten Aussagen (z.B. Hauptsaetze der Physik) Folgeaussagen hergeleitet

    Naja, das scheint mit ja gerade der Kern wissenschaftlicher Arbeit zu sein. Aus Hauptaussagen Folgeaussagen abzuleiten, die experimentell überprüft werden können. Belegen die Experimente eine Reihe von Folgeaussagen, dann ist die Hauptaussage plausibel, aber kaum bewiesen. Irgendwann kann immer ein Experiment kommen, dass die Hauptidee als falsch oder unvollständig entlarvt (Newtons Mechanik fiele einem ein).

    Ein System von Folgeaussagen, welches sich auf “wahr erachtete Aussagen” stützt, wäre zum Beispiel die katholische Theologie, die ich per se für unwissenschaftlich halte, da sie eben ihre als “wahr erachteten Aussagen” nicht in Frage stellt - wo wäre denn die Mathematik, wenn niemand das Parallelenaxiom in Frage gestellt hätte ?

    “und zusatzelich werden auch nicht mathematisch formelle Beweise durch Experimente gefuehrt.”

    Ein Beispiel ? Ein einziges, das zeigt, dass ein Experiment etwas bewiesen hätte ?

  26. Naja, kommt wohl drauf an, was man unter “beweisen” versteht… Kleiman (1975) konnte nachweisen, dass phonologische Rekodierung bei der visuellen Worterkennung kein obligatorischer Prozess ist. Wäre “beweisen, dass nicht x” dasselbe wie “widerlegen, dass x”?

  27. @David Marjanović (#21)
    Wenn man nichts beweisen kann, dann kann man auch nichts widerlegen.
    Dieser Blog ist wahrlich nicht der Ort für seriöse erkenntnistheoretische Erörterungen.
    Gerade deshalb sollte man aber nicht vulgären Popperismus benutzen, um anderen “Blödsinn” vorzuwerfen.

  28. @Nörgler: David Marjanović ist Wissenschaftler, Sie sind ein anonymer Internettroll. Wem soll man also eher glauben, wenn es um “erkenntnistheoretische Erörterungen” geht? “Wenn man nichts beweisen kann, dann kann man auch nichts widerlegen” — was für ein Blödsinn. Ein einziger schwarzer Schwan widerlegt die Hypothese, dass alle Schwäne weiß sind. Wie beweisen Sie sie? “Vulgärer Popperismus”? Lol, das ist fast so komisch wie das stupide “Darwinismus” mit dem Kreationisten sich unweigerlich verraten.

  29. Ich hätte eine ganz andere Bitte:
    Wer erklärt mir die Grammatik (also damit die Bedeutung) der beiden letzten Zeilen des Gedichts REISEN von Gottfried Benn:

    bleiben und stille bewahren
    das sich umgrenzende Ich.

    Herzlichen Gruß
    A.F.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.