taz gegen Sick

Ich musste mit Schrecken feststellen, dass es in meiner Buchhandlung kein einziges Buch über die Einrichtung und Administration von FTP-Servern unter Linux gibt, aber sieben verschiedene Bücher über Windows Server 2008 und zwei über Windows Exchange Server. Dafür habe ich auf dem Tisch mit den sprachkritischen Büchern einen schönen Stapel von Andre Meinungers Sick of Sick entdeckt, genau zwischen dem fünften Band von „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und „Happy Aua“. Das erfreut und deshalb sei dem Buchhändler sein mangelhafter Servergeschmack vergeben und vergessen.

A propos „Sick of Sick“. Wer glaubt, Meinunger, ich oder die Kommentator/innen hier im Sprachblog seien zu Sick-kritisch, dem sei dieser Beitrag der taz empfohlen. Junge, da hat jemand wirklich die Nase voll vom Oberlehrer. Eine kleine Leseprobe:

Korrektes Deutsch ist durchaus eine feine Sache. Vor allem für Menschen, die ihr Geld mit Schreiben verdienen. Sehr unfein ist es aber, wenn man sein Geld mit der Produktion von Büchern verdient, deren einziger Nutzwert darin besteht, halbgebildeten Wichtigtuern zu einer Gelegenheit zu verhelfen, andere Menschen auszulachen. Genau das macht Bastian Sick. Das Schlimmste daran ist aber, dass er auch noch behauptet, seine denunzierende, altkluge Erbsenzählerei wäre „lustvoll“ und „unterhaltend“.

Und das nur wenige Tage nach des Zwiebelfischs fünftem Geburtstag.

(Dank an Viola Voß für den Hinweis.)

4 Kommentare zu „taz gegen Sick“

  1. Wenn ich etwas zu der Server-Sache empfehlen dürfte: Linux-Server mit Debian GNU/Linux von Eric Amberg. Das Beste, was man zu diesem Thema kaufen kann. Der Umfang wirkt vielleicht auf den ersten Blick abschreckend, weil das Buch aber in verschiedene Szenarien eingeteilt ist, kann man z.B. den FTP-Server-Teil lesen und den Root-Server-Teil beiseite lassen (Ich persönlich hab es umgekehrt gemacht).

  2. Die Bücher zu Servern zeigen den Clash zweier Kulturen: Linux und Windows. Während sich die zwei oberflächlich immer ähnlicher werden, ist bei ersterem der Grundgedanke der Freiheit geblieben. Es gibt die entsprechenden Anleitung eben einfach im Netz, wozu ein Buch kaufen. Wer eine bestimmte Software sucht, wird für Windows 500 halbgare Shareware-Tools finden und für Linux 5 Open-Source Tools, von denen 2 gut sind.

    Sick und Sick of Sick sind hingegen nicht zwei Kulturen sondern eine Bewegung und eine Gegenbewegung. Herr Sick steht in bester Tradition aktueller deutscher Unterhaltung: Fertig machen und ablästern über irgendwelche armen Schweine. Man versuche mal, mittags fernzusehen. Da wird Opfern erklärt, wie sie ihre Hunde oder Kinder zu erziehen haben, dass sie nicht mehr Geld ausgeben sollen als sie haben und schon gar nicht für Sexspielzeuge, wie man kocht und putzt auch noch. Früher gab es die Talkshows, da hatte man ein paar Dumme gefunden, die andere zu noch Dümmeren machten. Und das Publikum freute sich über seinen minimalen Intelligenzvorsprung. Heute gibt es nur noch solcher Art Amüsement. Und Herr Sick passt da, intellektuell etwas vielfältiger angesiedelt, bestens ins Schema. “Ich unterhalte das Publikum, in dem ich die Fehler der anderen ausmale.”

  3. Ein Hoch auf die Polemik!

  4. Tztztz, und dann hab ich dies hier auch noch geschrieben statt “schrieb”.
    Sehr schönes Detail!

    Schönen Gruß von der FU,

    Thomas

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.