Nörgler bei Kerner

Thomas Paulwitz weist in einem Kommentar darauf hin, dass Bastian Sick und Wolf Schneider heute abend bei Johannes Kerner zu Gast sind. Ich glaube, Kerner, Sick und Schneider auf einen Haufen sind mehr, als ich zu so später Stunde ertragen kann, und werde die Sendung wahrscheinlich nicht ansehen, aber ich freue mich über Leserkommentare. Weitere Gäste sind übrigens Anja Lukaseder, Andreas Läsker und Sascha Weiß (wer auch immer die sind), der Rapper Bushido und der ehemalige Bremer Fußballmanager und Bildungssenator Willi Lemke. Mehr Informationen zur Sendung gibt es auf der Webseite des ZDF.

ZDF
Johannes B. Kerner
Dienstag, 25.03.2008
22:45 - 00:00 Uhr

29 Kommentare zu „Nörgler bei Kerner“

  1. Ich fürchte, das muss man sich fast antun, oder? oder bin ich zu masochistisch? (Sick wird auf Übersetzermailinglisten oft gelobt, zitiert und gelinkt).

  2. Lieber AS,

    eine sehr weise Entscheidung! Achten Sie rechtzeitig auf Ihren Magensäureüberschuss! Das könnte angesichts einiger Brechmittel sonst schief gehen!

    Wenn es für mich eine greifbare Vorstellung von Hölle (wo ich doch sonst an nichts glaube) gibt, dann Talk Shows (wie würde Herr Sick das übersetzen?). Ich habe mal irgendwo geschrieben: Hölle, das ist 24/365 Sabine Christiansen, ohne Bild und Ton abschalten zu können.

    Schalten Sie heute Abend also ruhig einmal ab! Sie werden sehen, Sie verpassen nichts, aber auch rein gar nichts! Herzlich Ihr khh.

  3. So, habe die Sendung online geschaut, Sick und Schneider sind eben fertig geworden. Sick hat ausschließlich aus seinen Büchern zitiert und ein wenig schelmisch gelacht. Den Rest hat Schneider besorgt: Polemik am laufenden Band, manchmal brachial, manchmal fein ziseliert. Schön anzuhören, aber inhaltlich freilich weitgehend argumentfrei. Immer im Hintergrund stand wenig überraschend die unbelegte Behauptung, die normative Herangehensweise an die Sprache sei irgendwie besser als die deskriptive.

    Sick begeisterte noch mit der Bemerkung, es mache doch viel mehr Sinn, Dinge als das zu benennen, was sie sind. Er hätte sich mit Augustinus gut verstanden, aber warum man derlei steinalte Thesen heute noch aufbereiten muß…

    Wobei mir, soviel sei zugestanden, “Klapprechner” (statt Laptop) ästhetisch durchaus zusagt. :)

  4. Erstaunlich, welche Wirkungen die Herren Kerner, Schneider und Sick bei einigen hervorrufen. Obwohl ich Kerner auch nicht schätze, gelang es mir glücklicherweise, die gestrige Sendung „sine ira et studio“ zu verfolgen. Leider kamen Schneider und Sick erst gegen Ende zum Zuge. Neues war natürlich nicht zu erfahren für den, der die beiden kennt. Wenn mich nun einer fragte, wer von beiden sich in der Sendung am eifrigsten für die die deutsche Sprache einsetzte, so müßte meine Antwort lauten: Bushido.

  5. Ich kenne mich in der Linguistik nicht aus, aber ich fand es merkwürdig zu sagen, es ist mir lieber, ein Laptop “Klapprechner” zu nennen, “denn das ist, was es ist”. Könnte man es nicht auch ein Laptop nennen, denn das ist auch, was es ist?
    Etwas Polemik von Herrn Schneider, sehr schnell vorgetragen, aber vorher ewige Zitate aus alten Artikeln, vor allem Douglas “come in and find out”. Das Thema nahm eine sehr untergeordnete Rolle in der Sendung und wurde auch gar nicht ernstgenommen, außer vielleicht von Herrn Schneider.

  6. O-Ton Wolf Schneider in der Sendung: „Die Leute sagen, der Opa soll doch die Schnauze halten, die Sprache verändert sich eben.“

    Meine Frage an Schneider: Und welchen Teil von „Schnauze halten“ verstehen Sie nicht, Opa Schneider?

    Meine Güte, neben Schneiders hasserfültem Gegeifere wirkte Sick ja wie die Stimme der Vernunft (wenn auch eine dümmlich grinsende Stimme der Vernunft)…

  7. Wer die Sendung verpaßt hat und sich selbst eine Meinung bilden möchte, kann hier einen Mitschnitt sehen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/459848?inPopup=true

  8. @ Paulwitz: Das einzige Problem an Schneider und Sick ist, dass einige ihnen anscheinend glauben. Ansonsten könnte man die zwei geflissentlich übersehen. Mir wurde vor Jahren mal das Buch “Deutsch für Profis” empfohlen. Ich kann nur sagen, dass der Inhalt mich enttäuscht hat. Sicks Auslassungen kenne ich ebenfalls. Ich möchte mal meinen Blog zitieren: “Diese Mischung aus Upps! Die Pannenshow (peinliche Rechtschraibfehler) und Sprach-Knigge (”Den Genitiv trägt man heute noch so wie eh und je!”) ist zwar reichlich abgedroschen, findet aber dennoch erschreckend viele Fans.”

  9. Ich finde, Wolf Schneider hat in seinen Büchern schon Richtiges gesagt. Aber es ist eben, was es ist: Eine Stilberatung. Das hat er (allerdings schon länger) ein bisschen aus den Augen verloren. Und bei Stilberatungen sollte man sich eben das rauspicken, was zu seinem persönlichen Stil passt. Nur weil mir bei SpOn ein “Stilberater” erzählt, Hüte seien eine ganz dufte Sache, renn ich schließlich noch lange nicht rum wie Humphrey Bogart.

    Ich glaub, Sick war auf Droge oder so. Der hat ja nur selig in die Kamera gelächelt und sich über sein Buch gefreut.

  10. Ich habe nach dem Ansehen des Beitrages den Eindruck, dass vor allem Basian Sick sich seine Sprüche selbst nicht (mehr) glaubt. Oder zumindest daran zweifelt, dass seine Zuhörer das tun. Er sagt »Ich weiß es natürlich« und widerspricht diesem und anderen Sätzen selbst mit Schulterzucken und unsicher aufflackerndem Lächeln. Später fängt er auch noch an, nervös mit den Füßen zu wippen. Sicherheit drückt sich anders aus; und Kommunikation geschieht eben doch nicht zu 100 Prozent durch Sprache.

    W. Schneider sagt über den Duden, er »registriert den Sprachgebrauch, selbst wenn er falsch ist«. Ich wüsste gern, wen er für die Instanz hält, die darüber zu befinden hat … Und schließlich habe ich schadenfroh vermerkt, dass auch er der reformierten Rechtschreibung Vorwürfe macht, die auf Unkenntnis beruhen: die Trennung Popi-kone ist seit 2006 nicht mehr normgemäß.

  11. Wenn es nur eine Stilberatung wäre, hätte ich auch nichts dagegen. Aber auch dieses Buch ist bereits in Teilen ein schwer nachvollziehbarer Kampf gegen Formulierungen, die Schneider aus irgendwelchen Gründen nicht passen.Es spricht nichts dagegen, abgenutzte Floskeln zu vermeiden, aber nicht jede allzu wörtliche Übertragung aus dem Englischen ist falsch. So wird im Buch gesagt, das Wort “Netzwerk” sei falsch und unnötig. Weil „net“ nur ein Wollknäuel meine und Netz übersetzt Netzwerk.
    Wenn wir uns die Sache mal angucken, so meint Netz Internet und Netzwerk LAN. Kein Problem also und eine sinnvolle Verwendung für beide Wörter.
    Man kann gerne allgemein empfehlen, öfter mal die Floskel zu wechseln und dergleichen. Da leistet dieses Buch sicher etwas.
    Aber wenn Herr Schneider dann allzu pedantisch “falsche” Wörter und Floskeln verbannen will, dann transportiert er damit ein völlig falsches Verständnis von Sprache.
    Was heute noch “falsch” ist, ist morgen eine gängige Wendung, die im Duden steht, und von der einige Sprachwissenschaftler wissen, dass sie auf einem ehemaligen Irrtum beruht. So einfach ist das. Je nach “Sprachebene” kommen diese Entwicklungen später an, aber sie kommen.
    Schneider unterteilt beißend in “modisch” (= unsinnig und neu) und “altväterlich” und merkt gar nicht, dass er damit genau den Entwicklungsprozess beschreibt, den er da bekämpfen will. Und wenn er dann auch noch aufgrund seltsamer Überlegungen Wendungen wie “vor Ort” verbieten will, nährt er nur den Alarmismus dieser noch schlimmeren Sprachbewahrer, die ihre rechte Ideologie in Sprachkritik umzumünzen versuchen.
    Am Ende haben alle Angst, dass unsere Sprache den Bach hinunter geht, obwohl das, logisch betrachtet, schwer möglich ist. Kriterien wie „Gut“ und „Schlecht“ sind extrem subjektiv und zudem auch noch relativ.

  12. Schon richtig: Die deutsche Sprache geht nicht an einem „vor Ort“ zugrunde, sondern daran, daß sie auf wichtigen Gebieten nicht mehr verwendet wird, zum Beispiel als Wissenschaftssprache. Doch das Sprachbewußtsein, das eine Sprache am Leben hält, zeigt sich auch darin, ob man lieber einem unscharfen (s.o.)Modeausdruck hinterherläuft oder lieber daran denkt, sich dem oder den Angesprochenen verständlich mitzuteilen.

  13. @Chodo: Schneiders Kampf gegen Wörter, die ihm aus irgendwelchen Gründen nicht passen, muss man ja auch nicht mitkämpfen. Wie gesagt, man muss sich eben die für sich relevanten Dinge raussuchen. Ich hab von ihm nur “Deutsch für Kenner” gelesen und da durchaus vernünftige Anregungen mitnehmen können. Vor allem, was klare und lebendige Formulierungen angeht. (Nur ist das natürlich Handwerkszeug, das sich Schneider nicht ausgedacht hat. Er vermittelt es nur.)

  14. Zum Thema Sick ist vielleicht auch dieser Artikel aus Welt Online ganz interessant.

  15. aus dem Artikel: “Mehrere Anwesende räuspern sich. Ein Kind beginnt zu weinen. Der Herr in der ersten Reihe zeigt wieder auf: „Warum verwenden Sie in Ihrem neuen Buch noch Explosionsmotor statt Zerknalltreibling?“ „Man muss es ja nicht übertreiben“, kontert Sick. Am rechten Rand des Saals entrollt eine Gruppe junger Männer ein Spruchband: „Fremdwörter raus aus der deutschen Sprache!“”
    Da fällt mir nur ein: “Die ich rief, die Geister […]”

  16. Satire… naja.

  17. Mich stört die Titulierung von Ratgebern wie Sick, der treffend auch als Entertainer bezeichnet wurde, und Schneider, der in seinen Büchern mehr sinnvolle als sinnlose Empfehlung gegeben hat, als „Nörgler“. Sie nörgeln nicht, sondern weisen den Weg zur Besserung – selektiv, das sei ihnen zugestanden.

    Zum Thema „nörgeln“ möchte ich, weil ich das Wort verwandte, den Auszug einer E-Mail beisteuern, die ich im Juni 2006 verfasst und an Freundin D in GB geschickt habe (alles im Originalwortlaut, ich pflegte damals noch die traditionelle Rechtschreibung).

    „Mißbilligend zur Kenntnis nehme ich natürlich auch die mit dem WM-Kommerz einhergehende Sprachpanscherei: Fussball mit Doppel-S, weil die Fifa-Heinis und ihre amerikanischen Handlanger das Eszett nicht auf der Tastatur finden — oder weil sie meinen, daß die Marke “WM” trotz der überall hingepflasterten Trademark-Zeichen anders nicht als solche zu erkennen wäre und jeder Gastwirt ungestraft seinen Schnitzelteller in “WM-Teller” umbenennen könnte (kann er, die Fifa ist mit ihrer jämmerlichen diesbezüglichen Klage rechtzeitig gescheitert). Die “Gilette Auszeichnung zum Besten Jungen Spieler” (alles sic!) und der “Anheuser-Busch Bud Man of the Match” sind weitere Beispiele. “Teamnachrichten, -fotos und Themen auf Ihrem Mein Yahoo!” — Dreck!“

    Usw.

    Genug genörgelt.

  18. Der Vollständigkeit halber:

    Laut Kommentatorin NADJA auf der zweiten Seite im Abgeflachtknäuel auf welt.de, auf den Christopher Kukulies oben in der 14. Anmerkung hinweist, erweist sich der Tagesgedrucktesritzungsverfasser womöglich als Scherzrundsüßgebäck. Die Zeitritzungsschnurre sollte wohl der Belustigung dienen.

    Ich hätte die Hiebantäuschung vielleicht nicht sofort erkannt, würde aber fast eher Abreißeintrittsstreifchen zu einem Gesangsauftritt von Riesenerdbebengefährdesterlandeswichtigstort Bezahlschlafheim verschenken als eine für einen Auftritt von Herrn Sick.

    Knapp gesagt: Vermutlich hat jemand versucht, noch lustiger zu sein als Herr Sick, was aber ohnemenschlicheneingriffsweise gar nicht möglich ist.

    Dennoch sollten wir darauf hinweisen, dass es sich bei besagter Verknüpfung auf welt.de nicht unbedingt um eine glaubwürdige Nachricht handeln muss.

  19. Wer die beiden Wörter, die in meinem vorherigen Beitrag nicht rein teutonisch sind, findet, darf sie unentgeltlich behalten…

    Ich schätze mal, nur eins davon sieht man sofort.

  20. Wenn man auf den link in Kommentar 14 klickt erscheint oben in der Adresszeile des Webbrowsers zwischen den Wörtern „welt“ und „article“ das Wort „satire“.
    Wollte ich gestern schon schreiben, erschien mir dann aber als unnötig. War wohl ein Fehler, manche scheinen sich doch schwer damit zu tun, nicht alles was schwarze Buchstaben auf hellem Hintergrund hat, für bare Münze zu nehmen. „Aber es stand doch in der Zeitung …“ lässt grüßen.

  21. @20: Du hast ja recht. Gegen Ende wird der Artikel immer unwahrscheinlicher. Und als dann da etwas stand von einem dunkeln Fleck war mir klar, dass das alles nicht sein konnte. Aber da hatte ich schon geantwortet.
    Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken ;-)

  22. @ chodo,

    sollte gar nicht gegen dich sein, den nachgereichten Kommentar 16 mit 5 Minuten Abstand hab ich ja gesehen. Das war mehr so an die Kommentatoren von Nr. 14 und 18 und als Warnung an die gerichtet die (noch) nichts dazu geschrieben haben.
    Die ersten paar Sätze hab ich ja selber geglaubt, bloß ging ich sowieso schon mißtrauisch an die Sache, weil ich „Welt“ und „BLÖD“ für etwa gleich seriös halte, und zum Schluß hin wurds, wie du schon sagst, dann halt vollends unglaubwürdig. Aber auch als Satire find ich es nicht witzig, eher niveaulos.

    Themawechsel: Jemandem vorzuwerfen, dass er auf einer internationalen Tastatur, das „ß“ nicht findet, das! find ich allerdings witzig. Seltsam nur, dass da nicht „Satire“ drübersteht.
    Und welche Zeichencodierung in Mailprogrammen in Großbritannien so im Durchschnitt eingestellt sind, das würde mich auch noch interessieren. ;-)

  23. Wer die beiden Wörter, die in meinem vorherigen Beitrag nicht rein teutonisch sind, findet, darf sie unentgeltlich behalten…

    Ich schätze mal, nur eins davon sieht man sofort.

    OK, I’ll bite. Dieses eine ist natürlich “Kommentatorin”. Das andere finde ich nicht. Was ist es?

  24. “rund”

  25. Ah ja. Danke.

  26. @Andreas Ammann

    Hat “Knäuel” denn ausschließlich teutonische Ursprünge? Klingt so jiddisch/hebräischen Ursprungs… irgendwie.

  27. Das wäre mir neu. Kluges “Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache” legt sich nicht auf eine genaue althochdeutsche Form fest, von der “Knäuel” abgeleitet wurde, führt aber mit einer gewissen Bestimmtheit eine germanische Wurzel *kleu- (aus idg. *gleu-) auf.

  28. Und Scherz? Ist italienisch scherzo älter oder jünger?

  29. Jünger. Die Etymologie von “Scherz” ist laut Kluge nicht ganz klar, aber die Entlehnungsrichtung ist m.E. eindeutig.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.