Würdelose Jugend

Der Kölner Stadt-Anzeiger interviewt die „Benimmtrainerin“ Petra Baake, und die gibt folgende Perle der sprachkritischen Weisheit von sich:

Welche Manieren sind uns „verloren gegangen?“

BAAKE In der Umgangssprache ist viel Stil und Klasse verschüttet. Jede Jugend hat „ihre Sprache“, aber das Niveau heute ist erschreckend niedrig und würdelos. Es wird nur noch per Internet oder E-Mail kommuniziert. Das Bloßstellen oder Herablassen in manchen Fernsehsendungen ist erschreckend - und kommt fast dem Pranger im Mittelalter gleich. Bei Einladungen einfach nicht zu erscheinen? Früher undenkbar. Es gehörte zum guten Ton, sich abzumelden.

Ja, früher war eben alles besser. Sogar die Jugendsprache.

2 Kommentare zu „Würdelose Jugend“

  1. Früher gehörte es auch zum guten Ton seine Schüler zu verprügeln. Heute undenkbar!

    1. Auch ohne historische Dokumente und Beweise würde ich einfach mal behaupten, dass es früher noch viel eklatantere Unterschiede in sprachlich-qualitativer Hinsicht gegeben haben muss. Ich stelle mir da einfach mal die Klassengesellschaft eines Kaiserreiches vor, wo den Kindern von besser situierten Familien auch eine bessere Bildung zuteil wurde. Das diese Jugendlichen eine bessere Sprache hatten wie ein Arbeiterkind, liegt doch auf der Hand. Unterdessen könnte man noch weiter zurückgehen in der Zeit und man stelle sich nur vor, wie es so ganz ohne Schulpflicht ausgesehen haben mag! Das Niveau dürfte also heute eher noch besser sein, wie früher, wenn man von den Bildungsangeboten ausgeht, oder?

    2. Was nun genau mit “niedrig” und “würdelos” gemeint ist, würde mich in der Tat interessieren. Sollte der Jugendliche also eher “frugte” statt “fragte” oder lieber doch “ich trug die Frage in mir” sagen? Das Baake hier davon ausgeht, dass jugendliche Sprache solche vermeintlichen Schwächen inne hat, dann manifestiert sie dies sicherlich doch an den sozial diskreditierten Jugendlichen, vergisst jedoch, dass es auch Teenager gibt, die solche Schwächen eben nicht aufzeigen.

    3. Wie würde das gesellschaftliche Leben denn aussehen, wenn jeder nur per Internet und E-Mail kommunizieren würde? Ja, relativ langweilig würde ich sagen.

    4. Das es im Fernsehen auch niveauvolle Sendungen gibt, die sowohl inhaltlich als auch sprachlich ihrem Wunschdenken entsprechen – davon kann man ausgehen möchte ich wohl sagen. Aber dies konstatiere ich auch nur vorsichtig :)

    5. Einladungen nicht absagen? Ich finde es auch befremdlich, wenn man das einfache Absagen schon zum guten Ton gehörend stilisiert.

    Eine selbst ernannte Benimmtrainerin, die Jugend und deren Sprache kritisiert. Kann man sich sonst noch irgendwie besser selbst disqualifizieren? Ja, denn so ähnlich taten es Fr. Baake vor einem Semester ein paar Studentinnen gleich. Sie hielten ein Referat über Killerspiele und der erste Satz war: „Wir müssen dazu sagen, dass wir solche Spiele nie spielen würden und auch nie gespielt haben.“ Dies nur als kleine Anekdote :)

  2. Früher war alles besser, weil ich jünger war.

    (Nicht nur die Jugend ist sprachlich herausgefordert.)

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.