Sinnesfreuden (V)

In den letzten vier Wochen haben wir uns mit verschiedenen Aspekten der Redewendung Sinn machen beschäftigt. Wir haben gezeigt, dass sie älter ist, als gemeinhin angenommen und dass sich vermutlich nicht von Journalisten und Politikern, sondern von Philosophen und Literaten in die Sprache eingeführt worden ist. Wir haben gezeigt, dass weder aus syntaktischer, noch aus semantischer Sicht irgendetwas gegen die Intergration dieser Redewendung in die deutsche Sprache spricht. Und wir haben gesehen, dass sie, wenn sie denn tatsächlich aus dem Englischen stammt, völlig korrekt und in vollem Umfang entlehnt worden ist.

Mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen. Bis auf das Wichtigste, natürlich. Sick und seine Anhänger gehen stets davon aus, dass Sinn machen nicht nur falsches Deutsch ist, sondern dass es sich dabei auch noch um eine völlig überflüssige Redewendung handelt, da es ausreichend Alternativen gebe:

Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, den vorhandenen oder unvorhandenen Sinn auszudrücken. Neben „Das ist sinnvoll“ ist ebenso richtig: „Das ergibt einen Sinn“, „Das hat einen Sinn“, „Ich sehe einen Sinn darin“.

Aber hier haben wir es wieder einmal mit einer reinen Behauptung zu tun, die durch nichts belegt wird. Sehen wir uns also an, ob diese Alternativen tatsächlich synonym (bedeutungsgleich) mit Das macht Sinn sind.

Dazu müssen wir uns zunächst das Wort Sinn selber ansehen, denn das ist ein stark polysemes Wort, d.h., es hat viele (poly) Bedeutungen (sem, wie in Semantik). Das Bertelsmann Wörterbuch der deutschen Sprache nennt insgesamt acht:

  1. „Fähigkeit eines lebenden Wesens, mit Hilfe bestimmter Organe seine Umwelt wahrzunehmen“ (die fünf Sinne.)
  2. „Denkfähigkeit, Bewusstsein“ (Der Schnaps umnebelt seine Sinne.)
  3. „sexuelles Verlangen, sexuelles Empfinden“ (Der Film erregte seine Sinne.)
  4. „Gefühl, Verständnis“ (für etwas keinen Sinn haben)
  5. „Gedanken, Denken“ (Das musst du dir aus dem Sinn schlagen.)
  6. „Denkweise“ (ein Mann mit hohem und edlem Sinn)
  7. „Bedeutung“/„innerer, geistiger Gehalt“(diese Interpretation, Übersetzung ergibt keinen Sinn; den tieferen Sinn von etwas erfassen; über den S. des Lebens nachdenken)
  8. „Zweck, Wert“ (Das hat keinen Sinn.)

Die ersten sechs dieser Bedeutungen sind für die Redewendungen, um die es hier geht, nicht relevant (Ein Satz wie Der Film hat/ergibt/macht Sinn kann nicht „Der Film erregt seine Sinne“ bedeuten, Der Schnaps hat/ergibt/macht keinen Sinn nicht „Der Schnaps umnebelt seine Sinne“, usw.). Die Redewendungen beziehen sich nur auf die Bedeutungsbereiche, der durch die letzten beiden Definitionen skizziert werden.

Dabei ist es zunächst interessant, dass das Bertelsmann-Wörterbuch zwei der Redewendungen, um die es geht, als Beispielsätze heranzieht um diese Definitionen zu illustrieren: Sinn haben wird der Bedeutung „Zweck, Wert“ zugeordnet, Sinn ergeben der Bedeutung „Bedeutung, innerer Gehalt“. Diese Zuordnung deckt sich mit meinen Intuitionen als deutscher Mutterprachler, was die Bedeutung der jeweiligen Redewendung angeht. Wir Linguisten ziehen solche Intuitionen häufig heran, um einen ersten Eindruck vom Verhalten sprachlicher Ausdrücke zu erhalten. Dabei geht es uns nicht um eine Bewertung („gut/schlecht“), sondern um die Fragen „Ist das ein möglicher Satz der Sprache X?“ und/oder „Wenn das jemand sagt, was bedeutet es dann“. Dazu konstruiert man gerne Minimalpaare — Satzpaare, die sich nur in einem Aspekt unterscheiden. Nehmen wir an, eine Gruppe von Theaterfreunden überlegt, wie sie noch rechtzeitig ins Theater kommen. Dann könnten folgende Sätze fallen:

(1a) Es hat keinen Sinn, die U-Bahn zu nehmen.
(1b) Es ergibt keinen Sinn, die U-Bahn zu nehmen.

Jemand, der (1a) sagt, meint, dass die Situation nicht mehr zu retten ist und es zwecklos wäre, die U-Bahn zu nehmen. Er würde vielleicht fortfahren „… wir kommen trotzdem nicht mehr rechtzeitig ins Theater“. Jemand, der (1b) sagt, meint, dass es ein unverständliches Verhalten wäre, die U-Bahn zu nehmen, und würde vielleicht fortfahren „… die U-Bahn fährt doch gar nicht zum Theater“. Der Bedeutungsunterschied zeigt sich noch klarer in folgendem Minimalpaar:

(2a) *Dieser Satz hat keinen Sinn.
(2b) Dieser Satz ergibt keinen Sinn.

Der erste Satz scheint mir kein möglicher Satz des Deutschen zu sein (so etwas kennzeichnen Linguisten gerne mit einem Sternchen vor dem entsprechenden Satz), während der zweite völlig normalklingt. Es ist merkwürdig, über die „Zwecklosigkeit“ eines Satzes zu reden, während man seine „Bedeutungslosigkeit“ bzw. „Unverständlichkeit“ durchaus kommentieren kann.

Diese Unterschiede passen zu den im Bertelsmann getroffenen Bedeutungszuordnungen. Wie sieht es jetzt mit Sinn machen aus?

(1c) Es macht keinen Sinn, die U-Bahn zu nehmen.

Satz (1c) scheint mir zu bedeuten, dass die U-Bahn keine gut durchdachte Lösung des Problems darstellt, ohne dabei aber gleichzeitig die Hoffnungslosigkeit von (1a) oder die Unverständlichkeit von (1b) auszudrücken. Jemand, der das sagt, würde vielleicht fortfahren „…zu Fuß wären wir viel schneller“.

Als Zwischenergebnis können wir also festhalten, dass die drei Redewendungen drei unterschiedliche Bedeutungen haben: Sinn haben bedeutet so etwas wie „Zweck haben“ und Sinn ergeben so etwas wie „Bedeutung haben“. Das ungeliebte Sinn machen bedeutet „vernünftig/gut durchdacht sein.“

Nun ist die muttersprachliche Intuition zwar das wichtigste Werkzeug des Linguisten, sie ist aber auch notorisch unzuverlässig. Sie muss deshalb möglichst mit objektiveren Mitteln überprüft werden. Ich verwende in meiner Forschung dafür gerne Korpora, also große Mengen authentischer geschriebener und gesprochener Texte. Gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Gries von der University of California, Santa Barbara, habe ich ein Verfahren entwickelt, das für die vorliegende Fragestellung gut geeignet ist: es vergleicht zwei oder mehr sprachliche Ausdrücke darauf hin, welche Wörter in jedem dieser Ausdrücke häufiger oder seltener vorkommen, als man es im Vergleich zu den anderen Ausdrücken erwarten würde. Wendet man dieses Verfahren auf die drei Redewendungen Sinn haben, Sinn ergeben und Sinn machen an, so erhält man folgende Ranglisten (die Daten stammen aus dem deutschsprachigen Internet):

RANG HABEN ERGEBEN MACHEN
1. Diskussion Satz Ganze
2. Beziehung Bewertung Teilverkauf
3. Thread Rest Kombination
4. Sache Name Aktion
5. Tod Story Zerschlagung
6. Seite Wort Fusion
7. Idee Nadelstich Umschulung
8. Schule Programm Verrechnung
9. Geschichte Code Krisenszenario
10. Ding Astrologie Baumstruktur
11. Lied Text Offshoring
12. Film Ganze Herbstpflanzung
13. Universum Botschaft Altersvorsorge
14. Ende Antwort Annahme
15. Teil Aussage Pkw-Maut
16. Titel Wagen Verbot
17. Evolution Aufforderung Kantone
18. Abend Uhr Gegenentwurf
19. Signatur Beispiel Regelung
20. Strafe Zuordnung Vorbereitung

Die Daten bestätigen im Großen und Ganzen die Bedeutungszuordnungen, die ich auf der Grundlage der muttersprachlichen Intuition getroffen habe.

Sinn haben bezieht sich am häufigsten auf Dinge, die zu einem bestimmten Ziel führen sollen oder bei denen man sich über die möglichen Gründe ihrer Existenz wundern kann: Diskussion, Beziehung, Thread, Tod, Schule, Geschichte, Universum, Evolution und Strafe. Hier ist es plausibel, den Zweck zu hinterfragen oder zu verneinen.

Sinn ergeben wird häufig auf Elemente der Sprache (oder sprachähnlicher Systeme) angewendet: Satz, Bewertung, Name, Story, Wort, Programm, Code, Text, Botschaft, Antwort, Aussage, Aufforderung, Beispiel. Hier ist es plausibel, nach der Bedeutung zu fragen oder diese zu verneinen oder zu kommentieren.

Sinn machen findet man am häufigsten mit Aktivitäten, denen Entscheidungsprozesse vorausgehen und zu denen es normalerweise Alternativen gäbe: Teilverkauf, Kombination, Aktion, Zerschlagung, Fusion, Umschulung, Verrechnung, Offshoring, Herbstpflanzung, Altersvorsorge, Annahme, Pkw-Maut, Verbot, Gegenentwurf, Regelung und Vorbereitung. Hier ist es plausibel, zu fragen, ob diese Aktivitäten gut durchdacht sind bzw. die jeweils beste Alternative darstellen.

Für alle drei Redewendungen bleiben natürlich eine Reihe von Wörtern, die nicht gleich auf den ersten Blick in das jeweilige Schema passen oder die zunächst so aussehen, als sollten sie bei einer der anderen Redewendungen stehen (Idee, Lied, Film und Titel wären z.B. eher bei Sinn ergeben als bei Sinn haben zu erwarten). Das liegt natürlich zum einen daran, dass sich die genaue Bedeutung dieser Wörter im Zusammenhang eventuell anders darstellt, zum anderen hat es vermutlich etwas damit zu tun, dass es bei deutschen Muttersprachlern eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Verwendung der drei Redewendungen gibt, die durch sprachpuristische Verbote noch verstärkt wird.

Bleibt noch die Redewendung sinnvoll sein. Sehen wir uns noch ein Minimalpaar an:

(3a) Es macht keinen Sinn, die U-Bahn zu nehmen.
(3b) Es ist nicht sinnvoll, die U-Bahn zu nehmen.

Die beiden Sätze sind semantisch nah beieinander, aber es scheint mir doch einen Unterschied zu geben: (3a) klingt für mich wie eine persönliche Meinungsäußerung, während (3b) so klingt, als sei es eine unumstößliche Wahrheit (siehe hierzu auch Eriks Kommentar zum ersten Beitrag in dieser Reihe). Während auf (3a) also, wie oben gesagt, etwas folgen könnte, wie „… zu Fuß wären wir viel schneller“, würde man bei (3b) eher so etwas erwarten, wie „… das weiß doch jeder“. Um diese Intuition zu überprüfen, könnten wir zum Beispiel in einem Korpus danach suchen, wie häufig der jeweiligen Redewendung die Phrase Ich finde… vorangestellt wird, die ja auf eine persönliche Meinung hindeutet. Die Häufigkeiten bestätigen die Intuition: bei Sinn machen findet sich die Phrase bei 174 von 1 Million Treffern, bei sinnvoll sein nur bei 75 von 1 Million.

Zusammenfassend können wir also feststellen, dass die Redewendung Sinn machen ihre eigene Funktion erfüllt, die durch die vorgeschlagenen Alternativen keineswegs abgedeckt wird. Das sollte uns auch nicht weiter wundern: anders, als die Sprachpuristen annehmen, verhalten die Sprecher einer Sprache sich selten sinnlos irrational oder bewusst schlampig. Sie schaffen keine überflüssigen Alternativen zu bestehenden Ausdrücken, weder mit sprachinternen Mitteln, noch durch Entlehnung. Sie verwenden aber durchaus beide Strategien, um den vorhandenen Ausdrucksreichtum weiter auszudifferenzieren.

Sie können die Redewendung Sinn machen in Zukunft natürlich meiden. Aber das hat keinen Sinn (der Ausdruck wird sich ungehindert weiter durchsetzen), es ergibt keinen Sinn (es fehlt jede rationale Begründung, den Ausdruck zu verteufeln), und es macht auch keinen Sinn (es handelt sich nämlich um eine wertvolle Ergänzung der deutschen Sprache).

Die ganze Serie
Sinnesfreuden: Erster Teil
Sinnesfreuden: Zweiter Teil
Sinnesfreuden: Dritter Teil
Sinnesfreuden: Vierter Teil
Sinnesfreuden: Fünfter Teil

34 Kommentare zu „Sinnesfreuden (V)“

  1. Der Bastian Sick ist der Hans Reimann der Jetztzeit.

  2. Großartig. Wie schon gesagt: sehr interessant und lehrreich. Wie noch nicht gesagt: auch sehr kurzweilig.

    Gesammelte Fragen und Einwände
    (die ich mal in einem Kommentar hierhin schreibe)

    I/V
    Wenn die Wendung schon so lange im Deutschen unterwegs ist, und wenn sie tatsächlich aufgrund der anderen/neuen Bedeutung benutzt werden sollte - warum dann erst jetzt so auffällig oft? (Die erst “seit einiger Zeit” zu lesende Kritik ist ja ein Symptom dafür. - In einer Sprachkritik aus der Mitte der 70er Jahre, die ich mal gefunden habe, schüttelte der Autor noch über sinnhaft den Kopf; von Sinn machen keine Rede.)

    Warum erst jetzt? Fehlten früher mehrheitlich die Situationen, wo es passend schien? Fuhr man seltener U-Bahn? Ich bezweifle das einfach mal. Deshalb auch meine Zweifel an dieser Erklärung zumindest für das Aufkommen, so gut ich die Darstellung nachvollziehen kann.

    II
    Zur Syntaxtheorie: Trotz der ganz natürlichen und unproblematischen Kombination von machen und etwas Abstraktem bleibt mein Sprachgefühl - gerade bei der Gegenüberstellung anderer Beispiele - an Sinn machen hängen. Irgendwie paßt das nicht:

    Erfahrungen machen / Spaß machen / Sinn machen

    Irgendwas ist merkwürdig. Der Punkt ist nicht das Abstrakte. Der Punkt ist:
    Erfahrungen oder Karriere oder Anstalten macht immer irgendjemand. Wie sonst? Aber macht jemand Sinn? Mache ich Sinn? “Entschuldigen Sie, machen Sie Sinn, jetzt mal ehrlich?” Ich finde: och nö.

    Aber es gibt ja auch Situationen oder Dinge, die irgendwas machen können. Etwas macht Spaß/Hoffnung/Angst. Klar. Und etwas macht angeblich Sinn. Also? Also das: Spaß und Hoffnung und Angst und Mut und all diese Dinge sind menschliche Empfindungen, “mentale und emotionale Zustände”, wie es im Beitrag hieß. Sie sind immer auf jemanden bezogen. Wenn niemand da ist, dem etwas Spaß machen kann, dann gibt es auch keinen Spaß.

    Das macht Spaß ist also stets die gedankliche und sprachliche Verkürzung von Das macht mir/Dir/uns Spaß. Bei den anderen Beispielen ebenso. Stellt man nun den Sinn in diese Reihe, müßte man ebenso natürlich sagen: Na, das macht mir aber Sinn. - Macht Dir das Sinn? Habe ich noch nie gehört.

    Das fügt sich nicht recht ein; vielleicht der Grund, warum das (für mich) intuitiv einfach unschön klingt; vielleicht auch ein Indiz, daß die Wendung tatsächlich aus dem Englischen kommt (was für sich eine Feststellung, keine Kritik wäre).

    III
    (Hab’ vergessen, was ich zu dem schönen Philosophiebeitrag sagen wollte. Dafür fällt mir dazu der (Werbe-)Satz ein, in dem ich die Wendung das bisher einzige Mal in schöner Verwendung sah: Farben machen Sinn. Obwohl ich die offenbar gemeinte Doppeldeutigkeit wiederum sinnlos finde; aber eine Bedeutung davon gefällt mir. Aber die ist dann wieder ein ganz anderes Sinn machen als das, von dem hier und im Alltag die Rede ist.)

  3. Gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Gries von der University of California, Santa Barbara, habe ich ein Verfahren entwickelt, das für die vorliegende Fragestellung gut geeignet ist: es vergleicht zwei oder mehr sprachliche Ausdrücke darauf hin, welche Wörter in jedem dieser Ausdrücke häufiger oder seltener vorkommen, als man es im Vergleich zu den anderen Ausdrücken erwarten würde.

    “Das Verfahren vergleicht”? Wirklich? Vergleicht nicht eher jemand, wenn er dieses Verfahren anwendet oder durchführt, bzw. der Computer, wenn er eine Implementierung dieses Verfahrens ausführt?

  4. @Jens, ich erspare es mal dem Blogmeister, auf diesen nörglerischen Blödsinn ;-) selbst zu antworten. Wie in aller Welt kommen Sie darauf, dass das Verb “vergleichen” ein menschliches Subjekt erfordert? Der allgemeine Sprachgebrauch kann es ja wohl nicht sein, denn dort ist es nicht ungewöhnlich, davon zu sprechen, dass ein Verfahren etwas “tut”. Sie betreiben hier Kindergartenlogik a la Sick (siehe hier).

  5. Ist ein bisschen spät, aber ich bin beim googeln auf einen Blogthread aus dem letzen Jahr gestoßen, der sich teilweise mit diesem Beitrag hier beschäftigt. Darin steht unter anderen:

    Der fünfte Teil ist übrigens nur noch konstruiert: „Sinn machen” sei eine Meinungsäußerung, „nicht sinnvoll sein” dagegen eine Tatsachenbehauptung – also unlogischer gehts ja echt nicht mehr. Und dann zum Beweis eine Internetstatistik, die behauptet, daß 0,01% eine signifikante Abweichung sei.

    Wie ist denn das mit der Signifikanz?

  6. Frank, ich wäre schon froh, wenn ich die Zeit hätte, auf die vielen interessanten Kommentare hier im Blog einzugehen, ohne mich auch noch um die mäßig interessanten Kommentare anderswo kümmern zu müssen… Der Kommentar-Thread, aus dem das Zitat (wenn ich meinerseits Google glauben darf) stammt, ist ja insgesamt eher vorhersehbar (Sprachblogleser corax versucht dort heldenhaft, aber natürlich vergeblich, die sprachliche Vernunft gegen ein paar Besserwisser zu verteidigen, die Meinungen mit Argumenten verwechseln).

    Aber Ihre Frage verdient eine Antwort: natürlich ist der Unterschied statistisch höchst signifikant, sonst hätte ich ihn nicht angeführt (Binomialtest, p<0.001) — das muss man mir übrigens nicht glauben, es lässt sich anhand der genannten Zahlen leicht selbst überprüfen. Der Kommentator trickst hier, wenn er behauptet, handle sich um einen Unterschied von 0,01%: das ist nämlich nur der absolute Unterschied zwischen den beiden Werten. Der ist aber hier nicht relevant, es sein denn, man wollte behaupten, dass es ab einer gewissen Seltenheit eines Phänomens keinen Unterschied mehr mache, ob etwas „selten“ oder „sehr selten“ ist. Der relative Unterschied ist natürlich wesentlich drastischer: Ich finde tritt 2,3-mal häufiger mit Sinn machen auf, als mit sinnvoll sein! Überlegen Sie sich, ob sie eher ein Medikament nehmen würden, das in 75 von 1 Million Fällen fatale Nebenwirkungen hat, oder eines, bei dem das in 174 von 1 Million Fällen der Fall ist. Ich weiß, welches ich nehmen würde — dem Kommentator wären vermutlich beide gleich recht.

    Viel interessanter finde ich den Vorwurf, die Argumentation sei „nur noch konstruiert“ und die und dass es „unlogischer“ nicht ginge. Die Argumentation ist tatsächlich konstruiert — das haben wissenschaftliche Argumentationen so an sich. Man sammelt Fakten und versucht dann, ein Modell daraus zu konstruieren, mit dem sich ein Ausschnitt der Wirklichkeit erfassen lässt. Dabei legt man jeden Schritt genau dar, so dass andere auf Fehler bei einem oder mehrerer dieser Schritte hinweisen und ein besseres Modell vorschlagen können. Dazu müssen sie aber entweder neue Daten vorlegen oder auf eine interne Unstimmigkeit der Argumentation hinweisen können. Etwas als „unlogisch“ zu bezeichnen reicht da nicht.

  7. > (1c) Es macht keinen Sinn, die U-Bahn zu nehmen.
    >
    > Satz (1c) scheint mir zu bedeuten, dass die U-Bahn keine gut durchdachte Lösung des Problems
    > darstellt, ohne dabei aber gleichzeitig die Hoffnungslosigkeit von (1a) oder die
    > Unverständlichkeit von (1b) auszudrücken. Jemand, der das sagt, würde vielleicht fortfahren „…zu
    > Fuß wären wir viel schneller“.

    Die Alternative für 1c) ohne „machen“ lautet meines Erachtens: „Ich sehe keinen Sinn darin, die U-Bahn zu nehmen, da wir zu Fuß schneler sind“.

    Ich bin weiterhin nicht von der Korrektheit des Sinnmachens überzeugt

  8. Rein logisch kann man das “Sinn machen” natürlich derart als Ausdruck einer semantischen Differenzierung ansehen, aber man müsste auch die Frage stellen, ob es das empirisch auch ist oder ob nicht Sinn pauschal immer häufiger nur noch “gemacht” wird. In diesem Fall hätten wir hier im Gegenteil eine Entdifferenzierung des Ausdrucks. Die Tabelle oben scheint dagegen zu sprechen, aber die berücksichtigt nicht den zeitlichen Wandel des Vorkommens der verschiedenen Wendungen.

    In diesem Zusammenhang ist es schade, dass die Kritik Max Golds am “Sinn machen” nicht vorkommt, der darauf hingewiesen hat, dass in der deutschen Sprache bereits sehr viel “gemacht” wird. Der zweite Teil dieser Serie belegt das ja sehr schön. Das “Machen” ist somit recht undifferenziert und blass, und man könnte argumentieren, das differenziertere, ausdrucksstärkere Verb sei vorzuziehen, wenn denn eines zur Wahl steht.

    @Frank Oswalt: Ich finde die Vehemenz Ihres Kommentars Nr. 4 etwas deplatziert. Im Verfahren steckt bereits das menschliche Subjekt - jemand verfährt so und so. Diese Tätigkeit des So-und-so-verfahrens ist nun das Subjekt des Vergleichs. Die Wendung erinnert an das beliebte “Maßnahmen ergreifen”, das genauer - aber auch gar nicht allzu genau - besehen das “Ergreifen des Nehmens von Maß” bedeutet (Wolf Schneider). Man könnte darüber streiten, ob die Prüfung von Sprachbildern auf Plausibilität nötig und nützlich ist, aber ich denke nicht, dass Sie Veranlassung haben, Jens abzukanzeln wie ein Kind. Zumal es von der reinen Logik abgesehen auch ein ideologisches Geschmäckle hat, wenn nicht jemand vergleicht, sondern ein Verfahren. Das hat nichts mit Genörgel und Kindergarten zu tun, das ist schlicht und einfach Sprachkritik.

  9. Skeeve, das wäre in der Tat eine mögliche Alternative, die dann aber das Subjektive der Aussage sehr stark in den Vordergrund stellen würde. Ob Sie von der „Korrektheit“ von Sinn machen überzeugt sind, spielt allerdings keine Rolle. Es ist eine fest etablierte Redewendung der deutschen Sprache. „Korrektheit”? Ein bedeutungsloses Geschmacksurteil.

    Sebastian, Max Goldt habe ich hier bewusst nicht erwäht, weil ich seinen Beitrag zur Diskussion um das „Sinn machen“ enttäuschend platt, langweilig und ungoldtwürdig finde. Sein Hinweis, dass in der deutschen Sprache schon viel gemacht wird (zitiert hier von Sprachblogleser stw), ist angesichts der beiden „korrekten“ Alternativen haben und ergeben schon fast lächerlich. Es gibt wohl kaum ein Verb, das mehr unterschiedliche Funktionen erfüllt als haben, und auch das von Goldt favorisierte ergeben tut bereits fleißig seinen Dienst — Zwei mal vier ergibt Acht; die Höhe der Strafe ergibt sich aus der Schwere der Schuld; eine Umfrage ergibt, dass vier von fünf Bundesbürgern kein Problem mit „Sinn machen“ haben; aus Reichtum ergibt sich Verantwortung; vielleicht ergibt sich ja noch was; ich werde mich nie ergeben. „Ausdrucksstärke“? Ein bedeutungsloses Geschmacksurteil.

    Frank hat meiner Meinung nach inhaltlich völlig Recht, wenn er Jens „abkanzelt“. Dass ein Verfahren etwas vergleicht, ist, soweit ich das beurteilen kann, üblicher Sprachgebrauch. Wenn Jens meinen Sprachgebrauch hier also kritisieren möchte, müsste er entweder zeigen, dass ich mich irre und dass Muttersprachler des Deutschen diese Verwendung mehrheitlich intuitiv als ungrammatisch empfinden (das wird aber schwer gelingen), oder er muss zugeben, dass er nur ein persönliches Geschmacksurteil abgibt. Leute aber, die „Sprachkritik“ aufgrund unbegründeter Geschmacksurteile betreiben, bezeichnen wir hier als Sprachnörgler.

  10. Was das “haben” und “ergeben” im Vergleich zum “machen” betrifft, gebe ich Ihnen recht, die sind ähnlich farblos. Aber man muss ja auch nicht am Sinn kleben und könnte statt “Sinn machen” auch mal sagen, etwas sei schlüssig oder leuchte ein. Zum Beispiel. Es gibt so viele Möglichkeiten. Werden sie genutzt? Schade, dass Sie diese Frage ignorieren, wie schon gesagt.

    Was die Ausdrucksstärke betrifft, habe ich mich womöglich meinerseits ungenau ausgedrückt. Wenn man sagt, jemand bewegt sich zum Bahnhof, ist das relativ vage. Rennt er, schleicht er, torkelt er, spaziert er? Wenn er rennt, schleicht, torkelt oder spaziert, dann kann man das doch auch sagen, denn dann hat man mehr gesagt, dann hat der Satz mehr Bedeutung und der Leser ist besser informiert. Das meinte ich mit Ausdrucksstärke. Diese konkreteren Verben sagen im gegebenen Fall mehr aus, sie sind Informationsträger. Das hat mit Geschmack nichts zu tun; es bleibt Ihnen unbenommen, abstrakte Wörter, die das Publikum im Unklareren lassen (womöglich auch deshalb, weil der Autor sich selbst nicht über das klar ist, was er sagen will - das kann man im Einzelfall nicht nachprüfen) schöner zu finden.

    Sehr erstaunlich finde ich, dass Sie einer Argumentation mit sprachlicher Logik nichts als Google und den üblichen Sprachgebrauch entgegenhalten und vollkommen ignorieren, was ich gegen diese Wendung angeführt habe. Von “ungrammatisch” war dabei gar nicht die Rede, mehr von Unlogik und Vernebelung. Und was ich angeführt habe, hat wiederum nichts mit Geschmack zu tun. Mein Geschmack, wenn Sie so wollen, gibt lediglich vor, dass genau besser ist als ungenau, logisch besser als unlogisch, sachlich besser als ideologisch und anschaulich besser als wolkig, und ich hatte einfach irrigerweise vermutet, dass an der Sprache Interessierte sich da einig seien.

    Google findet übrigens 32000 Mal die Phrase “Qualität hat seinen Preis” (sic) und mehr als zwei Millionen Mal ein Wort mit fünf Buchstaben, das eine Lady Bitch Ray gerne im Fernsehen benutzt; ein paar mehr als Ihre 800 “vergleichenden Verfahren”. Was sagt uns das?

    Zum Glück sind nicht alle dem “üblichen Sprachgebrauch”, verstanden als Durchschnitt und unter Nichtbeachtung der vielfältigen verschiedenen Kontexte, in denen etwas “üblich” ist, so ergeben, sonst gäbe es bald nichts Lesenswertes mehr zu lesen.

  11. danke, klasse geschriebener Fünfteiler. Für so etwas macht es Sinn ;-) im Internet zu stöbern.

    Ach ja: Sick lese ich trotzdem ganz gerne, weil Haarspaltereien ja durchaus lustig sind. Und machmal hat er schließlich sogar recht….

  12. Es ist durchaus üblich zu sagen, dass ein Verfahren etwas vergleicht, allerdings fehlt dem Vergleich dieses Verfahrens die Interpretation, die Sie erst noch hinzugefügt haben.
    Um aus der Tabelle einen Sinn zu extrahieren, war es erst einmal notwendig, die Begriffe zu gruppieren, von daher würde ich eher sagen, dass Sie den Vergleich vorgenommen haben, mit Hilfe der Tabelle als Datenbasis (die wiederum ihre Grundlage im “deutschen Web” und ihrem Algorithmus findet).

    Wenn aus dem Algorithmus direkt (ohne Interpretation) herausgekommen wäre, dass “Sinn haben” mit zielführenden Begriffen, “Sinn ergeben” mit Sprachen und “Sinn machen” mit Entscheidungsprozessen zu tun hat (was wiederum interpretiert werden könnte), wäre “das Verfahren hat verglichen” eindeutig die passende Wahl - hier schmälern Sie bloß Ihren Anteil an der Interpretation, aber warum auch nicht? ;-)

  13. Zwei Dinge hätten meiner Meinung nach noch eine kurze Betrachtung oder Erwähnung verdient: Inwieweit “Sinn machen” im Verdrängungswettbewerb und aufgrund der Sprachökonomie, aufgrund seiner Ausdrucksmächtigkeit im Vormarsch befindlich ist und wie sehr bei den angeführten Belegen bewertet wurde, dass die Schriftlichkeit nunmehr nicht mehr ausnahmslos gehobeneren Schichten der Sprache vorbehalten ist, sondern mit Google und in Korpora, die auch landläufig gesprochene Sprache beinhalten, häufig sogar relativ unbedachte Formulierungen gefunden werden. Im Rückblick liest es sich schon so ein bisschen, als ob die Maxime doch war, Sick und seine Anhänger in allen Grundfesten zu erschüttern, die allerdings auch das erwähnte muttersprachliche Gefühl haben wie jeder andere und zumindest in diesem Punkt gleich viel Gewicht mit auf die Waage legen.

  14. eine wirklich erhellende Abhandlung, die Spass gemacht hat zu lesen.
    Was ist eigentlich mit dem üblichen Spruch an die Kinder ‘Mach keinen Unsinn’?

  15. Als neutraler Leser scheint mir diese fünfteilige Reihe vor allem von dem Willen getrieben, Herrn Sick zu widerlegen. Da hier offenbar eine Art Feindschaft zu “Herrn Sick und seinen Anhängern” besteht, ist eigentlich von Anfang an klar, was bei den Untersuchungen herauskommen muss. Natürlich das Gegenteil dessen, was Herr Sick behauptet. Und zwar nicht nur die Tatsache, dass der Ausdruck “Sinn machen” durchaus verwendet werden darf, sondern dass es sogar unvermeidlich ist, ihn zu verwenden, weil er nämlich eine andere Bedeutung hat als alle in Frage kommenden Alternativ-Ausdrücke.

    Ich kenne einige der Beiträge von Herrn Sick bei Spiegel Online und kann hierüber nichts Negatives berichten. Im Gegenteil war das meist ganz amüsant zu lesen, und lernen konnte man oft auch noch etwas. Seine Ausführungen zum Thema “Sinn machen” kenne ich nur, insoweit sie hier zitiert wurden.

    Im einzelnen:

    In Folge I wird Herr Sick zitiert mit: “Seit einiger Zeit hat sich im deutschen Sprachraum eine Phrase breit gemacht, …”. Dies wird vermeintlich widerlegt, indem einige Jahrzehnte alte Textbeispiele aufgeführt werden, in denen der in Frage stehende Ausdruck bereits verwendet wurde. Ein Kommentar hierzu setzt noch einen drauf und zeigt, dass schon Lessing diesen Ausdruck verwendete (Kommentar 4 vom User “cri”).

    Dabei hat Herr Sick doch gar nicht behauptet, dass der Ausdruck nicht schon viel früher vereinzelt aufgetreten ist. Er hat gesagt, er habe sich “breit gemacht”. Das heißt für mich, er tritt seit einiger Zeit gehäuft auf. Und das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht zu widerlegen. Vielmehr zeigt Kommentar 21 zu Folge II vom User “Nörgler”, dass die Verwendung tatsächlich in den letzten Jahren zugenommen hat.

    In Folge II geht es um die Aussage von Herrn Sick, “Sinn” und “machen” passen nicht zusammen, weil “machen” ursprünglich “kneten” bedeutet und sich etwas Abstraktes wie “Sinn” eben nicht kneten ließe. Ehrlich gesagt, ist das völliger Blödsinn! Ich weiß nicht, wie man so etwas ernsthaft behaupten kann. Da hätten doch schon ein paar Gegenbeispiele (wie “Freude machen” etc.) genügt. Auch diese müsste Herr Sick dann konsequenterweise ablehnen, wohl wissend, dass diese im deutschen Sprachgebrauch üblich sind. Eine ausführliche Untersuchung wäre hier gar nicht nötig gewesen (obwohl letztlich das Nennen von Gegenbeispielen eine vereinfachte, intuitive Nutzung der genannten Methode darstellt).

    Auch mit Folge III bin ich vollkommen einverstanden. Allerdings muss ich einschränken, dass es bei philosophischer Betrachtungsweise durchaus gegensätzliche Ansichten geben kann, die dann zu akzeptieren sind. So wird als Beispiel einer “gedankenlosen Übernahme” per Link ein Beitrag zum “Wort zum Sonntag” aus dem Fernsehen angeführt. In der christlichen Religion ist es meines Erachtens durchaus so, dass alles bereits seinen Sinn hat, der von uns (Menschen) aber unter Umständen erst noch erkannt werden muss. Dies ist dann eben nicht gedankenlos, hat aber mit Linguistik nichts zu tun.

    Folge IV halte ich dagegen für irrelevant. Wie der Ausdruck in die deutsche Sprache gelangte, lässt sich zweifelsfrei nicht klären. Ob er falsch, richtig oder überhaupt nicht durch Übersetzung aus dem Englischen entstand, spielt meiner Meinung nach auch keine Rolle. Die Schlussfolgerung halte ich allerdings für sehr gewagt. Nur weil sich die verneinte und die nicht verneinte Form bei den durchgeführten Untersuchungen in ähnlichem Verhältnis wie im Englischen wiederfinden, muss es sich noch lange nicht um eine korrekte Übersetzung handeln. Hängt das nicht auch davon ab, worüber denn da geschrieben wurde?

    In Folge V wird dargestellt, dass “Sinn machen” nicht nur korrekt, sondern sogar unvermeidlich ist. Hier wird nun deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Mag sein, dass Herr Stefanowitsch bei den genannten Ausdrücken die jeweiligen Intuitionen hat. Teilweise kann ich die auch nachvollziehen, aber eben nur teilweise. Allerdings bezweifle ich - selbst wenn die Bedeutungszuordnungen so korrekt wären - dass die Mehrzahl der Schreiber, deren Texte in die genannten Korpora Eingang fanden, diese Überlegungen zugrundegelegt hatten. Es mag durchaus sein, dass die Mehrzahl der Sprecher (bzw. Schreiber) sich selten sinnlos irrational oder bewusst schlampig verhalten. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie sich regelmäßig gedankenlos verhalten. Und dann müsste schon die Frage nach dem Wert eines solchen Korpus gestattet sein.

    Im Text heißt es dann noch: “der Ausdruck wird sich ungehindert weiter durchsetzen”. Das bedeutet, wir werden ihn demnächst noch häufiger hören und lesen. Das glaube ich auch. Allerdings in erster Linie wegen der erwähnten Gedankenlosigkeit und nicht weil die Verwendung aufgrund des Kontextes angezeigt wäre.

    Die wichtigste Frage für mich ist in diesem Zusammenhang, ob ich diesen Ausdruck nun verwenden soll oder nicht. Dabei hilft es mir aber nicht zu wissen, wann er zum ersten Mal verwendet wurde oder ob er aus dem Englischen kommt oder nicht. Ebenso wenig helfen bei dieser Frage aber die Ansichten von Herrn Sick weiter.

    Was bleibt, ist die hier oft zitierte muttersprachliche Intuition. Und die sagt mir: Der Ausdruck klingt platt, und vor allem wirkt er hilflos. Mit “machen” kann man einfach alles beschreiben - wenn einem nichts anderes einfällt. Das ist ein Zeichen sprachlicher Unzulänglichkeit. Das Schöne an einer Sprache ist doch deren Vielfalt. Will man die denn aufgeben, wenn immer mehr nur noch “gemacht” wird?

  16. Es mag durchaus sein, dass die Mehrzahl der Sprecher (bzw. Schreiber) sich selten sinnlos irrational oder bewusst schlampig verhalten. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie sich regelmäßig gedankenlos verhalten.

    Ja, wie denn sonst.

    Wer eine Sprache gut spricht, denkt nicht darüber nach. Nachdenken ist nur notwendig, wenn einem die Sprache noch fremd ist.

    Was bleibt, ist die hier oft zitierte muttersprachliche Intuition. Und die sagt mir: Der Ausdruck klingt platt, und vor allem wirkt er hilflos.

    Es haben doch nicht alle Muttersprachler des Deutschen dieselbe muttersprachliche Intuition!!! Was, glauben Sie, geht in meinem Kopf vor, wenn ich “ich habe gesessen/gelegen” lese?

    Mit “machen” kann man einfach alles beschreiben - wenn einem nichts anderes einfällt. Das ist ein Zeichen sprachlicher Unzulänglichkeit.

    Wirklich?

    Das Schöne an einer Sprache ist doch deren Vielfalt. Will man die denn aufgeben, wenn immer mehr nur noch “gemacht” wird?

    Niemand zwingt Sie, Sinn zu machen statt z. B. zu ergeben.

  17. David, es ist gar nicht wichtig, ob ich den Ausdruck benutze oder nicht.

    Aber Herr Stefanowitsch erklärt uns hier seine muttersprachliche Intuition bzgl. der verschiedenen Ausdrücke, wobei er teilweise sehr subtile Unterschiede erkennt. Dies akzeptiere ich natürlich, und wenn er dies dann in der erklärten Weise auch anwendet, ist es vollkommen OK.

    Wenn er aber versucht, dies allgemeingültig zu beweisen und dafür gewisse Korpora heranzieht, die auf den schriftlichen Äußerungen von Menschen beruhen, die sich diese Gedanken ganz sicher nicht gemacht haben, dann sind Zweifel angebracht.

    Außerdem: Wenn - wie Sie schreiben - jeder Mensch andere sprachliche Intuitionen hat, können wir doch nie auf einen Nenner kommen, wie Herr Stefanowitsch uns hier erklärt.

    Ich denke eher, hier ist ein Ausdruck aufgekommen (wie auch immer), und die meisten, die ihn benutzen, plappern ihn einfach gedankenlos nach, egal ob er für die jeweilige Situation passt oder nicht.

    Wie gesagt: Die Ausführungen von Herrn Stefanowitsch finde ich sehr interessant, auch die Kommentare. Sie helfen mir aber nicht bei der Beantwortung der Frage, ob ich den Ausdruck “Sinn machen” nun verwenden soll oder nicht.

    Viele Grüße

  18. Wer sich fragt, ob er “einen Ausdruck verwenden soll”, sollte den Ausdruck nicht verwenden. Ist doch ganz einfach, insbesondere, wo’s doch Alternativen gibt, die den Sinn genauso machen.

  19. ohno, so einen Kommentar finde ich, ehrlich gesagt, ziemlich traurig. Ich habe doch eine Menge mehr geschrieben, zu dem Sie hätten Stellung nehmen können.

  20. Ich habe selten solch einen Quatsch gelesen …

    “Ich geh bei Aldi” scheint mir eine andere Bedeutung zu haben als “ich gehe zum Aldi” oder “ich gehe in den Aldi”. Trotzdem ergibt “ich geh bei Aldi” keinen Sinn.

  21. Ist nicht eine Ellipse denkbar? Zumindest könnte man es ja so reanalysieren, auch wenn die ursprüngliche Bildung eine andere Herkunft hat.
    „Ich geh bei Aldi (einkaufen).“ (Klar, was auch sonst?)

  22. Frage, ob ich den Ausdruck “Sinn machen” nun verwenden soll oder nicht.

    Gefällt er Ihnen? Kommt er Ihnen natürlich vor? Dann verwenden Sie ihn. Sonst nicht (bei mir z. B. wird Sinn eher ergeben oder gehabt). Es gibt kein externes “sollen”, weil alle Versionen in der deutschen Schriftsprache vorkommen — und das zu zeigen war die Absicht hinter diesem Blogeintrag.

    Wenn er aber versucht, dies allgemeingültig zu beweisen und dafür gewisse Korpora heranzieht, die auf den schriftlichen Äußerungen von Menschen beruhen, die sich diese Gedanken ganz sicher nicht gemacht haben, dann sind Zweifel angebracht.

    Wieso? Leute, die diese subtilen Unterschiede machen, haben das als Teil ihrer Muttersprache. Wenn sie nicht Teil Ihrer Muttersprache sind, dann ignorieren Sie sie halt; es werden schon keine Missverständnisse herauskommen.

    Außerdem: Wenn - wie Sie schreiben - jeder Mensch andere sprachliche Intuitionen hat, können wir doch nie auf einen Nenner kommen, wie Herr Stefanowitsch uns hier erklärt.

    Diese Intuitionen sind sich alle sehr ähnlich, also kommen wir auf einen Nenner. Dieser Nenner beinhaltet etwas Variation, aber mich zumindest stört das überhaupt nicht…

  23. Da die Redewendung, etwas “mache Sinn” oder eben auch nicht, umgangssprachlich gebräuchlich ist, sehe ich keine Sinnhaftigkeit in einer Diskussion um die vermeintliche “Korrektheit” dieser. Sofern es jemandem beliebe, sich so auszudrücken, macht es doch Sinn und scheint auch wie ausgedrückt durchaus sinnbehaftet verstanden zu werden. Bereite es jemandem Schmerzen, Sinn zu “machen” oder Sinn “machendes” so zu benennen, solle er doch Alternativen wählen. Dies tut auch bestimmt keinem anderen Weh.
    Und: Es gibt wohl weißgott sinnvollere und wichtigere Themen, die der ernsthaften Betrachtung verdienen. Aber interessant war dieser Diskurs zumindest. Für mich als Sprach-Laie, der sich wohl einzig intuitiv durch das Wirrwar seiner Muttersprache und ihrer sämtlichen Verirrungen schlagen muss. Verirrungen? Wirrwar? Der Muttersprache? Oder doch manchmal eher in den Köpfen der sie denkenden? Zum Glück aber darf jeder freiheitlich anders denken oder ticken. Muttersprachler oder nicht.
    Das macht Sinn.

  24. Nun denn, wenn alles so einfach ist, stellen sich mir doch einige Fragen:

    - Warum beschäftigt man sich überhaupt mit diesem Thema?
    - Warum schreibt jemand seitenweise Blog-Beiträge?
    - Warum schreiben zahlreiche Leute Kommentare hierzu?
    - Warum forscht man überhaupt auf diesem Gebiet?

    Zusammenfassend scheinen mir Herr Sick und Herr Stefanowitsch doch ähnlicher zu sein als angenommen. Beide verdienen mit Sprache ihr Geld. Der eine ein bißchen mehr, der andere ein bißchen weniger. Der eine ein bißchen wissenschaftlicher, der andere ein bißchen weniger wissenschaftlich. Aber jeder hat so seine Anhänger.

    Ist aber auch alles egal. Denn ich darf ja reden, wie ich will. Die Hauptsache, es gefällt.

    Ich wünsche schon mal frohe Ostern. Bis zum nächsten Mal auf diesen Seiten…

  25. Da ist er wieder, der gute alte “alles egal”-Einschnapp, der mir auch schon oft genug entgegengeschallt ist, wenn ich sprachwissenschaftlich gegen Sprachnörgel und Untergangshysterie zu argumentieren versucht habe. Bislang bin ich dem immer hilflos gegenübergestanden und wusste nicht mehr, wie ich da noch weiterdebattieren soll.
    Hat vielleicht einer der Mitlesenden oder der Blog-Gastgeber selbst einen Vorschlag, wie man diesem Pseudo-Einwand argumentativ beikommen kann? Ich wäre sehr dankbar dafür…

  26. Wer sagt, “Es macht Sinn”, sagt meiner Meinung nach mehr über sich selbst aus als über die Sache, um die es geht. Ich würde damit ausdrücken, dass sich mir der Sinn - der ja unabhängig von meiner Person existiert oder nicht - im Verlauf der Kommunikation erschlossen hat. Um diesen Aspekt zu unterstreichen, könnte man noch ein “für mich” anfügen: “Es macht Sinn für mich”, im Sinne von “Es hat sich gerade meinem Sinn erschlossen”, nur etwas umgangssprachlicher ausgedrückt. Wer sagt, etwas “sei sinnvoll” oder “hat Sinn”, äußert vielleicht gar nicht seine eigene Meinung zur Sache, sondern z.B. eine gängige Lehrmeinung oder eine politisch korrekte Meinung - und hat vielleicht selbst Vorbehalte. Andererseits kann etwas, das für mich im Moment “Sinn macht” in Wirklichkeit unsinnig sein, und ich komme erst später drauf.
    Viele stören sich auch an dem Wort “es”, denn dieses “es” kann ja keinen Sinn machen im Sinne von erzeugen. Dies sehe ich analog zu in bestimmten Regionen verwendeten Redewendungen wie z.B. “Es hat heute Regen.” Da fragt sich auch niemand - außer im Scherz - wer denn nun dieses “es” ist, das den Regen besitzt. Umgangssprachlich bietet sich auch ein unvollständiger Satz - ohne Subjekt - als Erwiderung eines Gedankens an: Hmmm … macht Sinn!
    Die Aufgeregtheit, mit der gerade dieses Thema diskutiert wird, hat meines Erachtens einen - vielleicht unbewussten - philosophischen, wenn nicht gar religiösen Grund. Wer sagt, Sinn könne nicht gemacht werden - weder von Menschen und schon gar nicht von den Dingen selbst - geht vielleicht davon aus, dass eine höhere Instanz, z.B. der Schöpfer, allem einen Sinn zugedacht hat und damit allein befugt ist, Sinn zu machen. Mein Deutungsversuch bietet hier vielleicht eine versönliche Alternative, die es einem wieder erlaubt “Sinn machen” zu sagen, ohne dass Anderen die Ohren schmerzen.

  27. Ein schöner Beitrag und eine interessante Diskussion.

    Ich zähle mich auch zu den Kritikern des Ausdrucks “Sinn machen”. Dabei geht es jedoch nicht um die Frage, ob der Ausdruck “richtig” oder “falsch”, “schön” oder “unschön” ist. Ich verorte das Hauptproblem an einer anderen Stelle, nämlich bei der Degradierung der Sprache. Durch die immer häufigere Verwendung des “Sinn machens” rücken andere Ausdrücke mit dem Wort “Sinn” stark in den Hintergrund. Viele Menschen kennen gar keine oder nur wenige andere Varianten und benutzen das “Sinn machen” in jeder Situation gleichbedeutend mit Sinn ergeben, ~ haben oder ~ sehen. Wie in dem Beitrag aber schön zu sehen ist, gibt es unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten und es ist oft sinnvoller, wenn etwas Sinn ergibt oder hat und nicht macht.

  28. Ich finde den Artikel absolut großartig. Nur eine Frage bleibt für mich: Im vorletzten Absatz findet sich der Satz “Das sollte uns auch nicht weiter wundern: anders, als die Sprachpuristen annehmen, …”, in dem ein Doppelpunkt als Trennung verwendet wird. Ist es nun ein Druckfehler, oder wird an dieser Stelle die Interpunktionsregel, dass nach einem Semikolon, welches an dieser Stelle ebenso verwendet werden könnte, kleine Buchstaben folgen und nach einem Doppelpunkt, welcher eigentlich einen abgeschlossenen Satz beendet, ein Großbuchstabe folgen muss, ausgehebelt? Ich bitte darum, die ggf. existenten Kommatafehler bzw. diese Satzverschachtelung zu entschuldigen… Ich bin unheimlich müde. Ich sehe aber immer wieder Konstellationen wie diese und frage mich sehr häufig, was nun richtig ist und möchte einen Kommentar nicht auf die “lange Bank schieben”…
    Vielen Dank für die wirklich tolle Darlegung.
    mfG
    Sönke

  29. Ist es nun ein Druckfehler, oder wird an dieser Stelle die Interpunktionsregel, dass nach einem Semikolon, welches an dieser Stelle ebenso verwendet werden könnte, kleine Buchstaben folgen und nach einem Doppelpunkt, welcher eigentlich einen abgeschlossenen Satz beendet, ein Großbuchstabe folgen muss, ausgehebelt?

    Ich verdächtige englischen Einfluss: Im Englischen wird nach Doppelpunkten klein weitergeschrieben — was mir meistens auch intuitiv einleuchtender erscheint.

    Ich stimme nicht zu, dass ein Strichpunkt hier genauso gut gepasst hätte: Was nach einem Doppelpunkt kommt, erklärt das, was davor ist.

  30. Ich möchte hier noch auf eine Aussage hinweisen, die mir etwas problematisch erscheint, nämlich die, dass (2a) kein möglicher Satz des Deutschen ist. Es ist eindeutig, dass der Satz irgendwie nicht in Ordnung ist, aber es ist meines Erachtens wichtig, zu betonen, dass das, was ihm fehlt, nicht syntaktische Wohlgeformtheit ist.
    Vielmehr beinhaltet einen Kategorienfehler: Sätze sind nicht die richtigen Art von Dingen, um Sinn zu haben. Und bis zu welchem Grad so etwas im Sprachsystem verankert ist, ist ja nicht recht klar. (Obwohl es mir gerade in diesem Fall nicht so unplausibel erscheint, dass es das wäre; dass ein Prädikat nur auf Ereignisse mit einem Agens zutreffen kann, kann ich mir schon dort festgelegt vorstellen.)
    Ich bin aber der Meinung, dass es andererseits genug Kategorienfehler gibt, die nicht im Sprachsystem verankert sind, und dass damit nicht insignifikante Teile philosophischer und religiöser Diskurse zu erklären sind.

  31. Ganz unterhaltsam, aber auch verwirrend, diese akademische Monsterdiskussion.
    In meinem Sprachgebrauch war bisher der Unterschied zwischen Sinn haben und - machen relativ klar:

    “Etwas macht Sinn” heisßt, es macht den Sinn erschließbar. es ist plausibel, logisch und nachvollziehbar.
    “Etwas hat einen Sinn” heisst nur es gibt den Sinn, auch wenn wir ihn z.B. nicht verstehen.

    Beispiel
    “Deine Argumetation macht Sinn.”
    “Deine Argumentation hat den Sinn, die wahren Zusammenhänge zu verschleiern.”

  32. Ich bin kein Sprachwissenschaftler, urteile meist nach meinem Empfinden und falle demnach in die Kategorie „Sprachnörgler“. Laut der Aussage (nicht in diesem Forum geäußert!) Unwissende seien nicht befugt sich eine Meinung zu bilden, wäre mein Beitrag also ein Verstoß. Wie unschwer zwischen den Zeilen zu lesen ist, halte ich es für sehr überheblich die Meinung Dritter von deren Reputation abhängig zu machen. Da ich auch kein „Forenprofi“ bin, bitte ich weitere Verstöße gegen eventuell bestehende Regeln zu verzeihen.
    In Sinnesfreuden III schreiben Sie, dass man nicht nur Sinn erschaffen kann, sondern dass man ihn gar erschaffen muss! Der Logik, dass es sich hierbei um eine Leistung des Gehirnes handelt, kann ich folgen, nicht aber der Schlussfolgerung, „es macht Sinn“ sei demnach eine korrekte Redewendung. In „es macht Sinn, die S-Bahn zu nehmen“ stellt sich mir nämlich die Frage, wer mit „es“ gemeint ist. Ist „es“ mein Gehirn, mein Gedankenkonstrukt, oder suggeriert „es“ nicht, das der vermeintliche Sinnmacher die Tätigkeit ist, die in Frage gestellt wird. Sollte dem so sein, muss die Frage erlaubt sein, ob ein Ding, eine Tätigkeit, ein Zustand in der Lage ist, einen Sinn herzustellen, zu formen, zu konstruieren. Dass Sinn in keinem Fall gemacht werden kann, wie Sick erklärt, halte ich, nicht zuletzt durch Ihren Artikel (Sinnesfreuden) auch für nicht haltbar. Also wäre es für mich durchaus korrekt folgende Aussage zu treffen: „Ich mache (mir) keinen Sinn daraus, mit der S-Bahn zu fahren“. Ich mache (mir) auch keinen Sinn daraus, die Worte „Sinn“ und „machen“ nie zusammen zu benutzen.
    Kleine Anmerkung: „Machen“ ist ähnlich wie das Wort „Tun“ recht häufig die schlechteste Wahl, gerade weil beide recht universal einsetzbar sind und die Vielseitigkeit der deutschen Sprache reduzieren. Sie können den Ausdrucksreichtum erweitern, tun dies aber leider nur selten. Die Vereinfachung oder besser noch Verarmung der Sprache durch übermäßigen Gebrauch solcher Verben hat für mich ein deutliches Übergewicht. Allein deshalb widerstrebt es mir „machen“ zu benutzen, wo andere, aus meiner Sicht, ausdrucksstärkere Worte als Alternative passen würden.
    Ich mache mir ein Mittagessen, koche, brate, bereite zu?
    Ich mache einen Marathon, laufe, schwimme, fahre?
    Ich mache mein Zimmer gemütlich, gestalte, streiche, entwerfe?
    Die Macher einer Zeitung, Herausgeber, Autoren, Schriftsteller, Redakteure?
    Der Macher der Mannschaft, Spielführer, Regisseur, Vorreiter, Trainer?
    Machen Sie (sich) einen Sinn daraus, …???

  33. In „es macht Sinn, die S-Bahn zu nehmen“ stellt sich mir nämlich die Frage, wer mit „es“ gemeint ist. Ist „es“ mein Gehirn, mein Gedankenkonstrukt, oder suggeriert „es“ nicht, das der vermeintliche Sinnmacher die Tätigkeit ist, die in Frage gestellt wird.

    Nein, es handelt sich um einen Lückenfüller.

    {Das Verb}1 {muss}2 nämlich in deutschen Hauptsätzen, die keine Fragen sind, an zweiter Stelle stehen. {Wenn man daher “die S-Bahn zu nehmen macht Sinn” umdrehen will,}1 {darf}2 nicht “{Macht}1 {Sinn}2, die S-Bahn zu nehmen” herauskommen, denn {da}1 {stünde}2 ja das Verb an erster Stelle. {Also}1 {setzt}2 man ein von der Bedeutung her völlig überflüssiges es hinein, und {die Grammatik}1 {passt}2 wieder.

    Also, {es}1 {bedeutet}2 “die S-Bahn zu nehmen”.

  34. Klasse Text, vor allem der vierte Teil, der zeigt, daß “Sinn machen” eine eigene Bedeutung hat, die sich nicht zwangsläufig ersetzen lässt. Mir sträuben sich immer die Nackenhaare, wenn ich irgendwo lese “Es ergibt keinen Sinn, mit der Bahn zu fahren” - dieser Satz ergibt keinen Sinn, denn eine Handlung kann mE keinen Sinn ergeben, sondern höchstens Sinn machen. Ganz im Gegensatz zu Sätzen, deren Inhalt einen Sinn ergeben, aber keinen Sinn machen kann. Für mich ist das schon immer ganz normaler Sprachgebrauch - aber seit Sick werde ich permanent kritisiert und korregiert. :-(

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.