Presseschau

Wir haben es ja vor ein paar Wochen hier angesprochen — Einsprachigkeit und Nervösität sind keine gute Mischung, vor allem in amerikanischen Flugzeugen. Das mussten auch die Mitarbeiter einer irakischen Sicherheitsfirma erfahren:

Angst vor Terroristen führt in den USA zu absurden Situationen: Erst mit etwa 24-stündiger Verspätung konnte Flug 590 der American Airlines gestern von San Diego in Richtung Chicago abheben. Der Grund: Nachdem eine Gruppe von sechs irakischen Männern sich auf Arabisch unterhalten hatte, schlugen Mitreisende vor dem Abflug Alarm.

Die Männer waren wenig begeistert:

Einer der Männer beschwerte sich über den Zwischenfall an Bord, sie würden doch den Amerikanern im Krieg helfen.

Ja, was sollen da erst die Australier sagen?

Bill Poser versucht im Language Log, dem Zwischenfall etwas Positives abzugewinnen:

From a linguistic point of view, I guess the silver lining is that the worried passengers were able to identify Arabic.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist es wohl ein Silberstreif am Horizont, dass die besorgten Fluggäste tatsächlich in der Lage waren, Arabisch zu erkennen.

Ich vermute ja, das war eher ein Glückstreffer.

Quasi-diplomatische Zwischenfälle sprachlicher Art sollen in Peking während der Olympischen Spiele von vorneherein vermieden werden — eine Gruppe von Linguisten hat im Auftrag der Regierung eine standardisierte Terminologie für Speisekarten entwickelt:

Gerichte mit Bezeichnungen wie „Jungfräuliches Huhn“ (für eine Speise mit jungem Huhn) oder „Verbrannter Löwenkopf“ (für Schweinefleischbällchen chinesische Art) sollen dann der Vergangenheit angehören. Dasselbe gilt für „steamed crap“ (gedünsteter Mist) anstelle von „steamed carp“ (gedünsteter Karpfen). Die neuen Vorschläge stützen sich auf die Zutaten eines Gerichts, die Zubereitungsart, den Geschmack oder den Namen eines Orts oder einer Person.

Eine umgekehrte Strategie hat übrigens der Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau Anfang des Jahres verfolgt: um der „Vernordung“ der Bairischen Sprache (und der Bayerischen Esskultur) entgegen zuwirken, hat er in einem Brief (.pdf) an den Förderkreis Hotels & Gaststätten in Traunstein eine Liste mit unerwünschten kulinarischen Begriffen aus dem Norddeutschen samt der stattdessen zu verwendenden bairischen Entsprechungen geschickt. Ob allerdings „Zwoa Geschwollene mit Schwammerln und Ochsenaugen“ appetitlicher klingt als „Verbrannter Löwenkopf“, lasse ich dahingestellt. Schmecken tut sicher beides.

3 Kommentare zu „Presseschau“

  1. Hat zufällig jemand die chinesische Liste im Netz gefunden?

    Die Liste der Bajuwaren ist etwas seltsam. Ich kann Kraut statt Kohl, Knödel statt Kloß, Topfen statt Quark oder Rahm statt Sahne ja noch nachvollziehen, aber bei den Fugenlauten habe ich offenbar eine ganz andere dialektale Toleranzschwelle, ebenso bei der Wahl von Kompositum vs. Adjektiv (Röstkartoffeln vs. geröstete Kartoffeln, wobei Kartoffeln seltsamerweise Erdäpfel genannt werden). Einige der „nichtbairischen“ Begriffe habe ich als Norddeutscher noch nie gesehen oder halte den „bairischen“ für gesamtdeutsch üblicher (z.B. Strudel).

    Die ganzen Wörter auf -erl kommen mir sehr diminutiv und mundartlich, somit eher unpassend vor, aber gerade das sieht der Verein natürlich anders.

    Sagen Bayern ernsthaft Ochsenaugen zu Spiegeleiern? Wirkt auf mich wie eine scherzhafte Bezeichnung, andererseits gibt es im Norden ja auch Grünkohl mit Pinkel.

  2. Moin moin,

    Ochsenauge, eigentlich, das Auge eines Ochsen. Figürlich. 1) In den Küchen einiger Gegenden werden auf zerlassene Butter geschlagene und gebackene Eyer, so daß der Dotter ganz bleibt, Ochsenaugen, sonst auch Spiegeleyer, Spiegelkuchen genannt.

    2) In der Baukunst sind die Ochsenaugen ovale Oeffnungen, oder kleine Fenster, die bisweilen in großen Gebäuden in den Fries, oder auch über große Hauptfenster, zur Erleuchtung der Zwischengeschosse, oder sogenannten Entresols, oder auch im Dache angebracht werden. Wo dergleichen Zwischengeschosse nicht sind, fallen auch die Ochsenaugen weg. In Pallästen, wo die Entresols am nöthigsten sind, ist man oft genöthigt, die Ochsenaugen über die Fenster eines Hauptgeschosses anzubringen. Damit sie aber da keinen Uebelstand machen, werden sie mit den Verzierungen der Fenster auf eine geschickte Weise verbunden. Am Fries stehen sie ganz natürlich, weil sie da die Stellen der Metopen, die ihrem Ursprunge nach offen seyn sollten, vertreten.

    3) Im Forstwesen versteht man unter Ochsenaugen die Wülste an Bäumen, welche von abgeworfenen Aesten entstehen, und hinein faulen, wo alsdann die Fäulniß oft mit übergewachsener Rinde bedeckt wird.

    4) Bey den Wundärzten versteht man unter Ochsenauge oder Elephantenauge eine so starke Anschwellung des ganzen Augapfels, daß derselbe nicht mehr von den Augenliedern bedeckt werden kann, sondern entblößt zwischen denselben hervorsteht. Diese Anschwellung besteht niemahls für sich, sondern ist bloß Zufall von mancherley Krankheiten des Augapfels, nach welchen auch die Behandlung von dem Arzte eingerichtet werden muß. Besonders kommt sie vor bey heftigen und innerlichen Augenentzündungen, wobey der ganze Augapfel aufschwillt, und aus seiner Höhle gepreßt wird; zuweilen beym Eiterauge, bey der Augenwassersucht etc. Auch können dergleichen Anschwellungen von mehreren andern metastatisch auf das Auge geworfenen Krankheitsmaterien, z. B. Milchversetzungen etc. entstehen. Rührt sie von Anstrengungen bey der Geburt her, so verliert sie sich gemeiniglich mit den Lochien.

    5) Die Schiffer nennen die dunklen Wolken in der Luft, nahe bey dem ungestümen Vorgebirge der guten Hoffnung, ingleichen in dem Meer bey Guinea so, die öfters Vorbothen entsetzlicher Stürme und Orkane sind.

    6) In einigen Gegenden führt das große Gänsekraut, Chrysanthemum Leucanthemum Linn den Nahmen des Ochsenauges. S. im Art. Pfeil-IconGoldblume, Th. 19, Pfeil-IconS. 482.

    7) Auch ist Ochsenauge oder Ochsenäuglein ein Nahme des Goldhähnchens, eines sehr kleinen Vogels, Motacilla Regulus Lin. Man sehe Th. 19, Pfeil-IconS. 529.

    aus:
    http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

    aus:
    http://images.google.de/images?q=ochsenaugen

    Heutzutage wohl eher, eine Blinkerform, seltene brasilianische Briefmarken, oder woher ich es kenne, eine Gebäckart.

    Aber Wiki kennt wohl auch: Œil de Bœuf
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelei

    Unter gugelsuche:
    “Ochsenauge und Spiegeleier”
    tauchen 361 Seiten aus Österreich der Schweiz und auch (Süd)deutschland auf.

    Bei:
    http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/

    * Synonyme: Fensterrose, Rosette, Rundfenster, Spiegelei
    * ist Synonym von: Fensterrose, Setzei, Spiegelei
    * wird referenziert von: Schmetterling, Tagfalter

    Pax

  3. Corax, vielen Dank, das lässt kaum Fragen offen. Nur über die Ergebnisse aus der Wortschatz-Suche der Uni Leipzig muss man sich ein wenig wundern: Das Wort wird dort den Kategorien „Einkommensteuer“ und „Henze-Zyklus“ zugeordnet…

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.