Start der Bremer Straßen(bahn)-Linguistik

Warum heißt die „Faulenstraße“ eigentlich „Faulenstraße“? Ist an ihr etwas faul? Warum stehen bei „den drei Pfählen“ keine Pfähle rum? Wie kommen solche Straßennamen zustande? Irgendeine Bedeutung müssen sie ja haben, aber welche?

In den nächsten Wochen werden kleine Gruppen von Linguisten in den Straßenbahnlinien 2, 3 und 4 im Bremer Stadtgebiet unterwegs sein und die Bremer zu kuriosen Straßennamen befragen und die entsprechenden Straßen aufsuchen. Besonders niederdeutsche Straßennamen und Geländebezeichnungen sind hierbei interessant. Wissen die Bremer, wie die Straßen zu ihren Namen gekommen sind? Was vermuten sie hinter Straßennamen wie z.B. „Huckelriede“? Unterstützt und begleitet werden die Linguisten von Mitarbeitern des Institut für niederdeutsche Sprache (INS).

Am 12.5. wird das Projekt in der Kulturbahn vorgestellt. Die Termine finden jeweils an folgenden Samstagen zwischen 11 und 16 Uhr statt:
12.5.
2.6.
16.6.
7.7.
Am 13.7. wird es vormittags eine Abschlussveranstaltung in der Museeumsbahn geben.

7 Kommentare zu „Start der Bremer Straßen(bahn)-Linguistik“

  1. Nutzt Euch in Bremen natürlich nichts, aber vielleicht interessiert es doch den einen oder anderen Leser, daß es sowas für Berlin gibt: Berlin A-Z”.

  2. Das nutzt uns sehr wohl! Im Idealfall sollte es so ein Verzeichnis für jede größere Stadt geben, und die jeweilige Stadt sollte erwägen, ortsansässige Linguisten mit einzubinden. Ich werde Samstag darauf hinweisen, dass sich der Luisenstädtische Bildungsverein die Mühe für Berlin schon gemacht hat. Bremen ist um Einiges kleiner, also sollte das auch hier möglich sein. Pünktlich zur Bürgerschaftswahl engagieren sich alle Parteien für die Bildung, also ist die Gelegenheit vielleicht besonders günstig.

    Danke für den Hinweis!

  3. eins meiner liebsten paris-bücher ist das über die pariser metro-stationen - man lernt daraus fast mehr als aus “richtigen” reiseführern. :)

  4. Einen Ansatz zur verbesserung gibt es bereits:
    http://www.gesche.bremen.de/sixcms/detail.php?id=33245&template=s_einzelartikel
    “Begonnen wird die Aktion, indem jetzt Schilder an allen Straßen, die nach einer Frau benannt sind, durch eine Legende ergänzt werden. Insgesamt sollen Schilder an 57 Straßen mit entsprechenden Legenden versehen werden, die der Erinnerung namhafter Frauen dienen.”
    Ich selbst habe gerade heute damiit begonnen, eine komplette Liste aller Straßennamen in Walle mit Namensherkunft zu erstellen. Da es für Bremen noch kein solches Verzeichnis gibt, ist die Recherche mühsam. Für Links, Anregungen und natürlich konkrete Namensherkünfte wäre ich also dankbar.

  5. Auch wenn wahrscheinlich weder jemand auf meine homepage noch auf diese Seite sieht, verrate ich hier kurz den Stand der Dinge:
    Die aktuelle Anzahl der Straßen beträgt mindestens 360, meine Quelle ist jedoch unvollständig. Die erste 80 sind bei mir zumindest aufgelistet, die ersten Beschreibungen und Fotos sind auch schon da.
    Für Links, Anregungen und natürlich konkrete Namensherkünfte wäre ich immer noch dankbar.

  6. Sieh an, es gibt doch ein Buch über Bremer Straßennamen:
    BREMENSIEN/STADTFÜHRER: Bremer Straßenlexikon Gesamtausgabe (Monika Porsch)
    2. überarbeitete Auflage der Gesamtausgabe des Bremer Straßenlexikons, das die Autorin Monika Porsch erstellt hat. In diesem bundesweit einmaligen Geschichtswerk wurden etwa 50 neue Straßennamen hinzugefügt und die vorhandenen überarbeitet. In keiner deutschen Stadt hat sich je jemand die Mühe gemacht, alle Straßennamen des Heimatortes in einem Gesamtwerk zusammenzufassen. In Bremen gibt es etwa 5000 Straßennamen, die nun in der überarbeiteten Gesamtausgabe nach ihrer Bedeutung und ihrer Herkunft beschrieben sind. Illustriert ist das Werk mit einigen Bildern Bremer Persönlichkeiten. Das Vorwort hat Bremens Altbürgermeister Hans Koschnick geschrieben.
    http://www.literaturhaus-bremen.de/site/literaturorte/uebersicht.html?organisation=88EUR 43,80ISBN 3-7961-1850-X

  7. “Faulenstraße” - wieso? Ich erbte mit etwa 19 von meinem Vater sein Weihnachtsgeschenk von 1913: “Heinrich Scharrelmann / Heute und vor Zeiten ” erschienen 1912 in Hamburg bei Alfred Jansen. S.60-67 ist erläutert, wie in den Überschwemmungswiesen an der Weser vor Jahrhunderten die Faulenstraße angelegt worden ist und wie sie zu ihrem Namen kam. Ich hoffe, das Bändchen findet sich in Bremen, denn meines ist noch wohlerhalten, aber brüchig durch und durch und kann nicht einmal mehr auf den Kopierer gelegt werden - ich müßte also alles abschreiben oder (mit vielen Nachkorrekturen) per Diktierprogramm schreiben ‘lassen’.
    Wegen permanenter Innovationsbremsung durch die Eltern wandern alle sieben Brüder aus, kommen nach Jahren zurück und legen los. Kurz: zu faul, die Wassereimer vom Ufer herzuschleppen: Brunnen gegraben. Zu faul, bei Hochwasser das Vieh treppauf auf den Hausboden zu schuften: Wiese eingedeicht. Zu faul, beladene Wagen abzuladen und aus dem Schlamm zu ziehen - pflastern die Straße vor ihren sieben neu gebauten Häusern.
    “So blieben sie bis an ihr Lebensende zusammen und waren stets darauf bedacht, Haus und Hof immer noch bequemer und schöner einzurichten. Pure Faulheit! sagten die Leute, schüttelten die Köpfe - und machten ihnen alle Verbesserungen bei wegelang nach. … Die Straße aber, worin die sieben Faulen gewohnt haben, ist noch heute in der Stadt Bremen zu sehen und heißt bis auf den heutigen Tag die Faulenstraße.”
    Viel Spaß beim Recherchieren!

    Gerhard Johannes Stratenwerth
    Hofheim am Taunus

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.