Maltesisch kommt nach Bremen

Vom 18. bis 20. Oktober findet an der Universität Bremen eine Konferenz statt, die man von vornherein nicht unbedingt in unserer Stadt vermuten würde: eine Tagung zur maltesischen Sprachwissenschaft. Diesem Thema hat jetzt der Malta Independent einen längeren Artikel gewidmet. Der Ausrichter der Konferenz, Thomas Stolz, schildert darin das wichtigste Ziel: Es soll eine Gesellschaft für maltesische Sprachwissenschaft gegründet und auf einer ersten internationalen Konferenz gleich auch inhaltlich angeschoben werden. (Die Times of Malta war schneller, dafür ist der Artikel dort nicht so ausführlich ausgefallen.)

Wie das Programm zeigt, stellen maltesische Wissenschaftler selbstredend das größte Kontingent, aber auch andere europäische Länder sind vertreten, ebenso wie Nordamerika und Ostasien. In der Bremer Linguistik besteht schon länger ein Interesse an der maltesischen Sprache. So hat Thomas Stolz mehrfach vor Ort Feldforschung betrieben, zuletzt mit einer Gruppe Bremer Studierender.

Maltesisch ist aus mehreren Gründen faszinierend für die allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaft. Historisch betrachtet ist die Sprache aus einem neuarabischen Dialekt entstanden, und die grammatische Struktur erinnert nach wie vor stark an die neuarabischer Varietäten. Andererseits ist aber ein großer Teil des Vokabulars aus indoeuropäischen Sprachen entlehnt, nämlich Italienisch/Sizilianisch und Englisch. Ein praktischer Vorteil ist, dass Maltesisch über eine lateinische Orthographie verfügt. Das Erlernen der arabischen Schrift entfällt also. Das Aufeinandertreffen afroasiatischer und indoeuropäischer Elemente erklärt die Bedeutung des Maltesischen für die Sprachkontaktforschung. Außerdem lassen sich trotz des relativ kleinen Sprachgebiets verschiedene Dialekte unterscheiden, und neben der Italianisierung bzw. Anglisierung hat es auch Bestrebungen zu einer weniger durch fremde Elemente geprägten Sprachform (Malti safi) gegeben. Aus Bremer Sicht passt die Beschäftigung mit dem Maltesischen hervorragend in den Rahmen der Kleinspracheninitiative.

Studierende sind zu der Konferenz im Oktober herzlich eingeladen. Es wird eine ermäßigte Tagungsgebühr von voraussichtlich 10 Euro geben.

4 Kommentare zu „Maltesisch kommt nach Bremen“

  1. Danke für die Zusammenfassung und die Verknüpfung zum Programm.
    Die Teilnehmerliste sieht sehr interessant aus, es freut mich besonders zu sehen das auch Sumikazu Yoda dabei ist.

  2. […] Wiedergabe des Originalartikels mit freundlicher Genehmigung von Andreas Ammann, Universität Bremen […]

  3. Es würde mich interessieren, ob man auch als “normaler” Mensch (sprich: Nicht-Studierender) an dieser Konferenz teilnehmen kann.

  4. Sehr gerne sogar — wir freuen uns über alle Interessierten! Nur müssen wir leider auch von allen Zuhörern den Tagungsbeitrag erheben, um die Kosten für Abstractsammlung, Kaffee, Kekse usw. decken zu können.

Dies ist eine archivierte Seite des Bremer Sprachblogs, das von 2007 bis 2010 betrieben wurde. Anatol Stefanowitsch bloggt jetzt hier zu Themen rund um Sprache und Sprachen.