Nachruf auf eine Sprache: Aka-Bo

Man schätzt, dass alle ein bis zwei Wochen eine der derzeit noch sechs- bis siebentausend menschlichen Sprachen für immer verschwindet, weil ihr letzter Sprecher oder ihre letzte Sprecherin stirbt. Meistens geschieht das, ohne dass es jemandem auffällt. Aber da inzwischen in vielen Gegenden der Welt Sprachwissenschaftler versuchen, aussterbende Sprachen in einem Wettlauf gegen die Zeit zu dokumentieren, erfahren wir ab und zu davon.

Diese Woche ging der Tod der 85-jährigen Boa Sr., der letzten Sprecherin des Aka-Bo, durch die Medien.
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Respektlose Lehnwörter

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist schon öfter durch eine Abneigung gegen englisches Wortgut aufgefallen. Im letzten Jahr strich er zum Beispiel aus dem Wahlprogramm der CSU die „Anglizismen“ heraus und begründete dies mit den Worten: „Wie will man in Deutschland etwas politisch umsetzen, wenn man es nicht mal auf Deutsch sagen kann?“ [PNP.de/Kain 2009]. Andererseits scheint er kein Eiferer zu sein: Ende 2008 sprach er sich dagegen aus, Deutsch als „Staatssprache“ im Grundgesetz zu verankern [DONAUKURIER.de/Rücker 2008].

In den letzten Tagen hat er durch anti-anglizistische Verordnungen für sein Ministerium von sich reden gemacht:
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Englisch vor Gericht

Obwohl es sich die Leser/innen meines alten und auch neuen Blogs manchmal anders wünschen, beschäftigt sich ein ansehnlicher Teil meiner Beiträge mit den Sprachkritikern, die häufig den öffentlichen Diskurs über Sprache dominieren. Zum einen wäre es aus meiner Sicht ein großer Fehler, ihnen unwidersprochen das Feld zu überlassen, zum anderen fasziniert mich die überhitzte irrationale Rhetorik, mit der sie bei den nichtigsten Anlässen um sich werfen.

Ein Lehrstück sprachkritischer Redekunst und Logik bietet eine Presseerklärung des Vereins Deutsche Sprache (VDS) vom 11. Januar 2010 mit dem leicht größenwahnsinnigen Titel „Sprachschützer greifen Justizminister an“. Anlass für diese Presseerklärung sind aktuelle Pläne der Justizminister von Nordrhein-Westfalen und Hamburg, die die Voraussetzungen schaffen sollen, um internationale Wirtschaftsprozesse vor deutschen Gerichten in Zukunft bei einem entsprechenden Wunsch der Prozessparteien in englischer Sprache zu verhandeln. Auf diese Art sollen, wie die FAZ schon am 8. Januar 2010 erläuterte, der Justizstandort Deutschland gestärkt und die Interessen deutscher Firmen besser gewahrt werden:
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Schweizer und Deutsche machen Sinn

In den Kommentaren zu meinem letzten Beitrag haben gleich zwei Leser die Vermutung geäußert, dass die Redewendung Sinn machen in den Schweizer Dialekten des Deutschen anders verwendet wird als in den bundesdeutschen. Nach Hektor Ks Eindruck wird die oft als „richtige“ Alternative empfohlene Redewendung Sinn haben in den ihm vertrauten Schweizer Dialekten gar nicht verwendet, während Sinn machen weit verbreitet ist. Matthias hat eine genauere Vermutung: seiner sprachlichen Erfahrung nach wird Sinn haben in der Deutschschweiz nur in verneinenden Zusammenhängen verwendet (hat keinen Sinn), während Sinn machen bevorzugt wird, um positive Aussagen zu machen.

Das sind zwei Hypothesen, die sich sprachwissenschaftlich sehr schön überprüfen lassen, und das will ich hier kurz tun. Dazu habe ich aus den Korpora (Textsammlungen) des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim jeweils eine Schweizer und eine bundesdeutsche Tageszeitung ausgewählt, für die dort Jahrgänge vorhanden sind, die etwa die gleiche Zeitspanne abdecken (so vermeide ich, dass Sprachwandelprozesse das Bild verzerren). Für die Schweiz war das das St. Gallener Tagblatt, für die Bundesrepublik die Rhein-Zeitung (kann es etwas Bundesrepublikanischeres als das Rheinland geben?). Das IDS hat für beide Zeitungen Jahrgänge zwischen 1996/97 und 2008, wobei beim St. Gallener Tagblatt einige Jahrgänge in der Mitte fehlen.
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Max Frisch macht Sinn

Die meistgelesenen Beiträge meines alten Blogs waren die, in denen ich mich mit der Herkunft, Bedeutung und internen Logik der Redewendung Sinn machen beschäftigt habe. Es vergeht keine Woche, in der nicht aus irgendeinem Forum neue Leser den Weg zu mir finden, weil jemand dort die Redewendung verwendet und damit einen Sturm sprachlichen Spottes auslöst, in dessen Verlauf jemand dem Übeltäter zur Seite springt und auf meine Beiträge verweist. In denen zeige ich ja unter anderem, dass die Redewendung zwar vermutlich durch das Englische inspiriert ist, aber im Deutschen schon sehr viel länger existiert als üblicherweise angenommen; dass sie sich problemlos in die deutsche Sprachlogik einfügt (sofern es so etwas gibt) und auch ohne Hilfe von außen hätte entstehen können; dass sie etwas anderes bedeutet als die angeblich besseren Alternativen Sinn haben und Sinn ergeben und dass große Dichter und Denker sie verwenden (ich verknüpfe hier einfach den ersten Teil der vielteiligen Serie).

Nicht, dass das die Sprachschatzmeister beeindruckt: Das sei ja alles schön und gut, schreiben die typischerweise, aber Sinn machen sei nun einmal unlogisch, überflüssig und ungebildet, daran sei auch durch unbestreitbare Tatsachen nichts zu ändern.
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Unverständnis auf Deutsch

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Latein die Sprache der Wissenschaft. Galileo Galilei, Johannes Kepler und Tycho Brahe verfassten ihre Hauptwerke nicht in italienischer, deutscher oder dänischer Sprache, sondern in lateinischer. Das ermöglichte ihnen, ihre Ideen schnell und direkt nachvollziehbar auszutauschen, sie zu kritisieren oder darauf aufzubauen.

Das Tempo der wissenschaftlichen Forschung und der Grad ihrer internationalen Vernetzung haben sich seitdem drastisch erhöht, und der freie Austausch von Ideen ist unverzichtbarer denn je. Wissenschaftlicher Fortschritt wäre schlicht nicht möglich, wenn Forscher jahre- oder auch nur monatelang auf Übersetzungen warten oder sprachkundige Kolleg/innen bitten müssten, Ihnen bei der Lektüre der Flut wissenschaftlicher Veröffentlichungen behilflich zu sein.
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Das Sprachlog: (Fast) eine Geburtsanzeige

Gestern habe ich mich im Bremer Sprachblog verabschiedet, heute, genau drei Jahre nach meinem ersten Beitrag dort begrüße ich Sie in meinem neuen Zuhause, das jetzt schlicht „Sprachlog“ heißt. Das „Bremer“ fällt weg, weil dies ganz offiziell mein eigenes Blog sein wird, das „b“ fällt weg, weil das „Sprachlog“ zwar ein „Sprachblog“, aber natürlich nicht das einzige Sprachblog ist.
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Das Bremer Sprachblog: (Fast) ein Nachruf

Ich habe es gestern bereits angedeutet und heute kündige ich es offiziell an: Morgen, auf den Tag drei Jahre nach meinem ersten Beitrag hier im Bremer Sprachblog nehme ich meinen Hut, lösche die Lichter, und ziehe die Tür hinter mir zu. Grund genug, dem Bremer Sprachblog einen kleinen Nachruf zu gönnen.
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No Headlines

Die Aktion Lebendiges Deutsch hat natürlich auch im letzten Monat wieder zwei Neubewortungsvorschläge vorgelegt. Zunächst war ein deutscher Begriff für das Spotlight gesucht, und die Aktioneure haben eine wenig überraschende Wahl getroffen:

Beim Suchwort „Spotlight“ hat sich die Jury für „Punktlicht“ entschieden - genau dasselbe in der selben Kürze.

Wenig überraschend, weil dies die deutsche Übersetzung für spotlight ist, die sich in jedem deutsch-englischen Wörterbuch findet. Auch der WAHRIG betrachtet beide Begriffe als Synonyme, wie die Einträge für Spotlight und Punktlicht zeigen:
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ZEIT zum Wissenschaftsbloggen

Das Bremer Sprachblog und andere Wissenschaftsblogs diese Woche in der ZEIT.